TV-Journalismus am Ende?

TV hat fertig.

Ich finde es am Ende dann doch schon überraschend, dass meine Extremablehnung von Polit-Talkshows à la Christiansen scheinbar zur Standardansicht aller denkenden Menschen geworden ist.

Obwohl ich nach dem Abgang von Sabine Christiansen noch Hoffnung hatte:

"Bin ich froh, dass diese unheilvolle Symbiose aus Journalisten und Politikern um eine Hauptperson ärmer ist. Ich hoffe, dass Anne Will sich nicht so vereinnahmen lässt (wovon ich ausgehe). Ansonsten Maybrit Illner oder Plasberg schauen. Beide spielen IMHO in ein anderen Klasse. "

Geirrt. Bin halt im Kern immer Optimist. Illner und Will sind zwar einen Ticken besser, aber das nur bei einem Ausgangsniveau, das dem Auftrag eines gebührenfinanzierten Informationsmediums nicht einmal ansatzweise gerecht wird.

Dazu ein Rant in der Zeit. Hier nur der Beginn:

"Als es endlich vorbei war, kam Kerner, und in diesem Moment, für ein paar Sekunden, konnte man sich sicher sein, dass das deutsche Fernsehen praktisch am Ende ist, nicht mehr zu retten. Aber nach dem ersten Entsetzen, tritt dann doch Milde ein, und vielleicht reicht fürs Erste die Feststellung, dass es im Fernsehen keinen Journalismus mehr gibt.
Die, die am Sonntag die Sendung von Anne Will gesehen haben, in der versucht wurde Frank-Walter Steinmeier zum Hans Wurst der Politik zu machen, haben es geahnt. Die, die am Donnerstag Angela Merkel bei Maybrit Illner im ZDF gesehen haben, können sich sicher sein, dass Fernsehjournalismus im Moment so dasteht, wie die Krise: viel schlimmer kann es nicht mehr kommen."
"Man müsste sich tatsächlich einmal die Mühe machen, und das Gespräch so einer Sendung transkribieren und dann in einer Zeitung abdrucken. Es wäre nicht lesbar, sterbenslangweilig, ohne Erkenntnisgewinn – und es geht ja hier nicht um Kerner und um Beckmann oder über all die anderen People-Talk-Sendungen, sondern es geht um die Vermittlung von Politik, politischen Inhalten über ein Medium, dass immer noch die meisten Deutschen erreicht, dass von den meisten Deutschen immer noch ernst genommen wird – und hier hört, bei aller lockeren Häme, langsam der Spaß auf."
Alles lesen, lohnt sich:

Zeit: Kanzlerinnen-Talk zum Abgewöhnen

Und ruhig auch meine alten Rants:

Suche nach Christiansen
Suche nach Anne Will

Es ist bei aller Häme natürlich schade, dass sich das Fernsehen als journalistisches Medium komplett entzaubert hat. Politisch kommt da nichts mehr. Wissenschaftlich kommt außer Quarks & Co nur noch Quark (:-) ). Das einzige, was man sich anschauen kann, sind Tier- und Länderdokumentationen und Fußball.

Wenn ich mich in meinem TV-Tipp auf die "eine Sendung, für die sich die Gebühren gelohnt haben" rede, dann untertreibe ich nicht. Es ist wirklich so erschreckend wenig Spannendes im Fernsehen zu finden.

Eine gewisse Relevanz könnte das Fernsehen entwickeln, wenn man die Inhalte vernünftig verlinken könnte, wenn man das embedden könnte, wenn man sich Aussagen rauspicken könnte, um darüber zu diskutieren. Aber so ist IMHO das Medium tot. Außer für Sport und bunte Bilder.

Wer's sehen will: Angela Merkel bei Maybritt Illner. Aber vorher den Zeit-Rant lesen und nicht behaupten, ich hätte nicht gewarnt ...

Update (14:36)

Hab's schon gezwischert, aber für Leute mit Hirn nochmal der Hinweis auf einen Sloterdijk Artikel in der FAZ. Ihr habt ein ganzes Wochenende dafür Zeit :-)

FAZ: Die Revolution der gebenden Hand

Kommentare :

  1. http://www.imdb.com/title/tt0387808/

    den film sollte man sich mal anschauen. Lief komischerweise nie im kino, aber beschreibt die situiation auf die wir uns bewegen. (Film sollte man sich als Satrie im hinterkopf anschaun)

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  2. Ich wundere mich.
    Warum verlinkst du auf Sendungen, die miserabel sind?
    Ist das nicht Zeitverlust?

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  3. @Kranich05:

    Man kann's ja auch anschauen, um sich selber eine Meinung zu bilden ...

    Und gewarnt habe ich deutlich genug ...

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  4. Auch wenn ich mich jetzt als Typ "ohne Hirn" oute. Ich fand Illner mit Merkel okay. Und auch den Talk danach über die Arcandor Pleite.
    Will und Steinmaier konnte ich mir AUCH nicht länger als 5 Minuten ansehen.
    Aber, das liegt daran das meine politische Präferenz eher rechts als links ist. Genau so wird es bei dem Autor der Zeit sein wenn er den herumeiernden Steinmeier verteidigt (also links wie alle MSM).

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  5. Ich oute mich hier wahrscheinlich als digitaler Illiterat, aber bitte helfen Sie meiner Ahnungslosigkeit ab: Was ist ein "Rant"?

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  6. Wenn man sich im Vergleich mal die Diskussionen im ORF anschaut sieht man, was für eine Gelegenheit eigentlich verschenkt wird. Ist zwar auch nicht ideal, aber es liegen doch Welten dazwischen. Ich denke die meisten hier werden sich den ORF nicht anschauen können, aber damit ihr eine Vorstellung habt könnt ihr ja mal den Blog von Armin Wolf lesen ( http://zib.orf.at/zib2/wolf/main ).

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  7. @Pierre:

    Ich schaue ja auch Landschaftsdokus, die bringen auch keinen (oder nur wenig) Erkenntnisgewinn. Ich finde es nur schade, dass politische Sendung auch auf dieses Niveau gefallen sind.

    Und im Artikel wird auch mehr der mangelnde Erkenntnisgewinn und die totale Langweiligkeit der Sendung kritisiert. An Illner wird schon was anderes kritisiert als an Will.

    @Moralist:

    Ein Rant ist ein lauter, nicht immer sachlicher, also polemischer Angriff. Ich dachte, der Begriff wäre gängiger, er scheint in der deutschen Wikipedia aber nicht drin zu sein. Vermeide ich demnächst (zumindest in inhaltlich relevanten Artikeln)

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  8. Hallo @egghat

    Fernsehen ist tot, es lebe das Fernsehen.

    Kombiniere: "Das Medium ist die Botschaft"

    aus http://de.wikipedia.org/wiki/Marshall_McLuhan
    [quote]
    Die Wirkung eines Mediums liegt in der Art, wie es sinnlich wahrgenommen wird, daher ist Medientheorie auch Wahrnehmungstheorie.
    ... „Das Radio hat ganz spezifische Eigenschaften, die ihm auch das Fernsehen nicht nehmen kann, denn: Das Medium ist die Botschaft.“
    [/quote]

    Die Amis auf Kurs

    Grüsse
    kosh

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  9. @Frostbringer
    ORF soll besser sein? :-)
    Zum einen ist ZIB2 kein Talk/Diskussion, und man muß wirklich ein Wolf-Fanatiker sein, oder Thurnher-Fanatiker sein um sich deren Interviews ansehen zu können.
    Oder nimm mal den Club2 mit Clowns wie Schneyder deren jeder dritte Satz auf sein vulgärmarxistisches Weltbild hindeutet. Ganz zu schweigen von den herumstotternden Tussen die da immer wieder moderieren.
    Nein danke, ich halte das so: Bringens die Moderatoren? Die Gäste?
    Ja - dann schau ich, Nein - dann lieber Rosamunde Pilcher :-).

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  10. @Kosh:

    Vielleicht ist das ja auch einfach die Erkenntnis: Journalismus im Fernsehen ist nicht nur tot, sondern das machte auch nie Sinn!

    Die wirklich interessanten Gedanken passen nicht ins Medium. Die muss man manchmal zweimal lesen können (schlecht in einem linearen Medium). Da muss man vielleicht sogar mal was nachschlagen.

    All das fällt im TV weg und genau diese Erkenntnis fließt in den Sendungen ein. Die werden dann halt zu Plattitüdenschleudern.

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