Zahl des Tages (04.06.09): 320%

So langsam spitzt sich die Lage in Lettland zu. Die Herabstufung auf Junk, die Probleme der Banken (Parex-Bank) und auch die um 18% (annualisiert) schrumpfende Wirtschaftsleistung waren ja schon Thema hier (Suche nach Lettland).

Jetzt bekommt Lettland Probleme, seine Schulden zu refinanzieren. Gestern ist eine Anleiheemission geplatzt, weil sich sich nicht ausreichend Käufer gefunden haben. Das große Problem für Lettland: Es muss in 2009 nicht nur jede Menge neuer Schulden machen, sondern auch richtig viele alte Schulden refinanzieren. Die Summe der allein in 2009 zu refinanzierenden Auslandsschulden beträgt

320%

der Fremddevisenreserven. Lettland ist also mehr oder weniger komplett vom Geld aus dem Ausland abhängig. Und das hat nicht vor in ein Land zu investieren, das einen Haushalt hat, der mit einem zweistelligen Prozentsatz des BIPs im Minus liegt und ein Wirtschaftswachstum hat, das ebenso negativ ist.

Nun könnte Lettland mit einer Abwertung der eigenen Währung der eigenen Wirtschaft zu mehr Exporten verhelfen. Und damit zu mehr Deviseneinnahmen. Das Problem: Lettland ist ziemlich hoch im Ausland verschuldet. Dabei ist der Staat nicht einmal das Hauptproblem, sondern die Unternehmer und die Privathaushalte. In Lettland war es geradezu üblich, sich im Ausland zu verschulden. Zum Teil hat man das in Euro getan, zum Teil aber in Schweizer Franken oder gar japanischen Yen. Das ganze Land ist also (wie Island) ein Hedgefonds, der einen gigantischen Carrytrade gefahren hat. Die Verschuldung im Ausland in Euro war aus Risikoaspekten vielleicht noch vertretbar, immerhin ist Lettland in der erweiterten Eurozone und damit an den Euro gebunden. Die Kredite in Franken oder Yen waren aber reine Spekulation. Angeblich sollen im Schnitt 50% der Immobilienkredite in Lettland in Fremdwährungen gelaufen sein, in Riga sogar über 70%.

Würde jetzt die lettische Währung abgewertet, müssten die Letten in lettischer Währung (die heißt übrigens Lat) mehr zurückzahlen. Und Analysten erwarten eher ein Abwertung, die näher an 30% als an 15% liegt. Und 30% Abwertung hieße 42% mehr Zahlungen ...

So weit die eine Seite der Rechnung.

Auf der anderen Seite gibt es in Lettland jede Menge Immobilien, die massiv im Preis gesunken sind. In Riga z.B. sind die Appartmentpreise um 50%(!) in 12 Monaten gesunken. Ein ganzer Teil der Hypotheken darauf wird allein durch den Preisverfall schon "Under Water" sein, sprich der Wert des Hauses niedriger als der Kredit sein. Wenn ich jetzt aber noch die erste Seite der Rechnung dazu nehmen und eine Abwertung der lettischen Währung unterstellen, werden dadurch auf einen Schlag nochmal deutlich mehr Immobilien "unter Wasser" enden.

Weil die schwedischen Banken sehr stark im Baltikum investiert sind, hat die schwedische Notenbank (Riksbank) ihre Devisenreserven hochgefahren, da man scheinbar mit Problemen dort rechnet, die dann auch auf die schwedischen Banken durchschlagen würden. Die schwedischen Banken sind mit über 50 Milliarden Euro im Baltikum investiert. Eine direkte Liquiditätszufuhr der Riksbank an Lettland (und Litauen und Island) hat es auch schon gegeben. Die schwedische Krone hat gestern auf diese Abhängigkeit reagiert und über 1% verloren. Der Zloty entwickelte sich ähnlich schwach. Der ungarische Forint verlor sogar etwa 2%. Die schwedischen Banken gaben zweistellig nach.

Die Region bleibt wacklig und hat weiterhin alle Chancen, zu einer Art europäischer Subprime-Krise zu werden. Mal schauen, wie Lettland gerettet wird. Über Schweden? Über die EU mit dem Stabilisierungsfonds? Über den IWF, der ja auch ein Programm aufgelegt hat? O der lässt man gar die Letten in die Eurozone und wirft alle Stabilitätskriterien auf einmal über Bord?

Zum aktuellen Anleiheflop:
FT Alphaville: Latvian bond failure begins
FT: Latvia auction flop sparks fears of struggle to find debt buyers

Etwas älter:
Telegraph: Latvian debt crisis shakes Eastern Europe
Fistfullofeuros: Danske Bank Warn On The Baltics
Creditwritedowns: Event risk in the Baltics is critically high
FT Alphaville: Waiting for Latvia to devalue

Noch älter:
FT Alphaville: The Eastern European carry-trade meltdown, reviewed


Update (16:29):

Der Zinssatz der lettischen Banken untereinander ist auf mehr als 16% gestiegen ...

Handelsblatt: Lettland kämpft gegen Abwertung seiner Währung

Update (17:23):

Und so demonstrieren die lettischen Girls für den Wirtschaftsaufschwung:



Obskur. Obskur. Obskur. (aber zugegeben hübsche Mädels dabei)

gefunden über Business Insider: Latvian Blondes Hold March To Lift Nation's Economy (VIDEO)

Kommentare :

  1. Gestern ist eine Anleiheemission geplatzt, weil sich sich NICHT ausreichend Käufer gefunden haben.

    Ja, ich lese mit ....

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