Zahl des Tages (08.06.09): 15%

Hmmm, unberechenbare Börse. Da tut sie mir einfach nicht den Gefallen, Arcandor zum Pennystock zu machen. Im Tief lag der Kurs zwar bei 1,02, aber unter 1 Euro, also in den Bereich der Pennystocks, ist die Aktie heute (noch?) nicht gefallen. Eigentlich wäre ein Tagesminus von knapp 44% durchaus eine Erwähnung wert. Ich habe aber eine (IMHO) bessere Zahl gefunden.

Am meisten Angst vor der Arcandor Pleite haben neben den Mitarbeitern und den Städten, die leere Einkaufsstraßen befürchten, auch die Geldgeber für den inzwischen sehr umstrittenen Immobilienverkauf von Ex-Vorstand Thomas Middelhoff. Dieser hat damals etwa 3,7 Milliarden Euro in die Kassen von Arcandor gespült (was übrigens jeden skeptisch machen sollte, denn das Geld wurde in nur wenigen Jahren komplett durch den Schornstein gejagt. Wer hier meint, Arcandor sei mit ein paar Hundert Millionen zu retten, lügt. Der Laden hat selbst in wirtschaftlich guten Zeiten kein Geld verdient). Wie es "damals" üblich war, wurde ein sehr großer Teil über Kredite finanziert. Goldman Sachs als einer der Initiatoren des Geschäfts hat seinen Eigenkapitaleinsatz von 200 Millionen Euro so gut wie komplett abgeschrieben. Und den anderen Kreditgebern droht auf einmal eine Sicherheit in den Schoß zu fallen, die sich als leerstehendes Warenhaus entpuppt.

Und für den wird sich nie wieder ein neuer Mieter finden lassen. Zumindest ist das die Erkenntnis der bereits leerstehenden Warenhäuser, die ehemals zu Karstadt gehörten. Wenn ein Warenhaus Pleite geht, dann ist die Immobilie leer. Punkt. Das Erdgeschoss bekommt man vielleicht noch vermietet, aber den Rest will niemand. Die einzige Chance ist ein (sehr) teurer Umbau, der die oberen Etagen zu Büro- oder Praxisflächen (z.B. für Ärzte) umgestaltet.

Dass eine einzige Pleite durchaus signifikante Auswirkungen auf die Vermietungslage in Innenstädten haben kann, zeigt sich auch in Großbritannien. Hier ist mit Woolworth ein großer Mieter Pleite gegangen und hat zu über 1000 weiteren leeren Geschäftslokalen beigetragen. Auf einmal wird aus einem Vermietermarkt ein Mietermarkt. Langfristig stabile Mieten, keine Vorauszahlungen mehr nötig, etc. - Der Mieter bestimmt die Musik; vor zwei Jahren noch völlig undenkbar.

Besonders dramatisch ist die Lage in den Einkaufszentren Großbritanniens. Hier stehen inzwischen

15%

aller Flächen leer. Das ist fast eine Verdopplung in nur knapp 1,5 Jahren.

Da kann man nur hoffen, dass das nicht im selben Ausmaß nach Deutschland durchschlägt. Viel Hoffnung habe ich aber nicht, denn neue Einkaufszentren wurden (nach meiner persönlichen Einschätzung aus der Region) wahrlich mehr als genügend gebaut ...

FTD: Arcandor-Vermietern droht hoher Verlust

FAZ: Britische Ladenmieten im freien Fall

Update (11.06.09)

Noch ein Link dazu, der sich Gedanken über die Auswirkungen der Arcandor Pleite auf den deutschen Immobilienmarkt macht:

Duckhome: Arcandors Absturz und die Folgen für Gewerbeimmobilien

Update (11.06.09)

Und noch eine Einschätzung, diesmal eine optimistische, die auf die Chancen hinweist.

FAZ: Beste Lage

Kommentare :

  1. Weiss gar nicht, wieso ich z.B. bei FTD über die Angst lesen muss, dass Innenstädte verweisen könnten, wenn die pleite gehen. Ist es nicht vielmehr so, dass die Existenz eines so großen Marktteilnehmers vor allem in kleinen Städten dafür sorgte, dass sich keine kleinen Läden mehr halten konnten? Geht also dieser große Universalanbieter pleite, dann ist das die Chance für zahlreiche kleine Läden, wieder zu entstehen. Und 25 kleine, spezialisierte Läden statt eines großen sind für mich eher gut für eine Belebung der Innenstädte und des Marktes, zudem die Chance, das Geld in der Region zu halten, statt weltweit an Aktionäre zu verteilen.

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  2. Tja, wenn viele Kleine zeitlich gestreut Pleitegehen, ist das was anderes als wenn der eine Große Schicht macht. Es ist natürlich irgendwo eine Chance für die Kleinen. Allerdings steht auf einen Schlag ein Haufen Fläche leer. Und diese Fläche ist nicht geeignet, den Kleinen eine neue Heimat zu bieten.

    Selbst in richtig großen Einkaufszentren gibt es immer sogenannte Ankermieter, die richtig große Flächen belegen. Das ist dann z.B. SinnLeffers + Kaufhof + Saturn + H&M + C&A. Davon kann in einem großen Einkaufszentrum maximal Einer Pleite machen, ohne dass das zu schlimm wird. In einem kleinen Einkaufszentrum (oder einer kleinen Innenstadt) reicht der Ausfall eines Magneten, um die ganze Chose nach unten zu ziehen. Ist nun mal so. Die Kunden haben ein Auto die nächste Einkaufsmöglichkeit ist 10 Minuten entfernt.

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  3. Karstadt gehört uns? Frau Schickedanz im Steuerparadies will wohl nicht noch mehr gutes Geld versenken? Goldman und die Deutsche Bank und Middelhoff wollen wohl auch weiterhin Mietzahlungen einstreichen? Dann eben von uns?
    http://www.schandmaennchen.de/?paged=2

    Ist es nicht einfach irre, dass Opel der Marktzugang (USA, China) verboten wurde? Ist es nicht bedauerlich, dass die Lizenrechte für die Opel-Fahrzeuge bei GM bleiben. Gibt es überhaupt einen Vertrag? Oder wird uns nach der Wahl im September erzählt:"Ätsche, ätsche, Magna nimmt Opel doch nicht!"
    http://www.deutschland-debatte.de/2009/06/08/ein-opel-insider-schreibt/

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  4. Na ja, das mit der Verödung ist so eine Sache, so wie die Zahl an Kaufhäusern in den Großstädten.

    Nehmen wir mal München. Wenn man vom Hauptbahnhof zum Marienplatz geht, sieht das so aus:

    Am Bahnhofsplatz beginnt der ex-Hertie (Karstadt) an der Adolf-Kolping-Strasse. Der trifft sich fast am Stachus (Karlsplatz) mit dem "Galeria Kaufhof".
    Geht man dann durch das Karlstor ist direkt danach links erst das "Karstadt Sporthaus", dann der Karstadt Oberpollinger, der in den letzten Jahren zum Luxus-Boutiquentempel ausgebaut wurde. Ok, rechts ist ein Saturn-Hansa, aber das nur am Rande...
    Schlendert man die Fußgängerzone bergab, steht an der Eisenmannstrasse rechts der nächste Karstadt, der mit Lebensmittelabteilung und gigantischer Nespresso-"Lounge", und ein paar Dutzend Meter weiter an der Rosenstrasse ist der "große" Kaufhof...
    Das spielt sich auf eineinhalb Kilometern ab...

    Die anderen großen Karstädte (Theresienhöhe, Münchner Freiheit und Schleißheimerstrasse) und Kaufhöfe (Rotkreuzplatz, Pelkovenstraße, Nymphenburg) in München, die ich kenne, stehen immerhin "einzeln"...

    Aber speziell im Zentrum haben wir zuviele Karstadt/Kaufhof-Häuser, da beißt die Maus keinen Faden ab.....

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  5. @FJ:

    Den Schandmaennchen Link hatte ich gestern getwittert. Das beste Cover seit langem. Obwohl das von heute auch wieder gut ist.

    Und den Verdacht bei Opel, dass das alles nur Show ist, finde ich durchaus nachvollziehbar. da wird Vollzug gemeldet, wo noch lange keiner gemeldet werden dürfte.

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  6. @isi: Ja, sowas gibt's. München kann Karstadt relativ Wurscht sein. Aber in kleineren Städten sieht das anders aus. Da ist auch kein Einsparpotenzial. Ich schätze mal, dass von den 30 Häusern von Arcandor, die der Kaufhof nicht haben will, der überwiegende Teil die Überkapazitäten sind, die du geschildert hast.

    IMHO auch die einzige Lösung für diese Branche, dessen Konzept sich eh überlebt hat. Wenn man die krassen Überkapazitäten aus dem Markt nimmt, kann das vielleicht sogar noch was werden.

    Aber dazu braucht man den Staat nicht. Der Kaufhof hat an einigen Standorten sowieso Interesse, egal ob der Staat hilft oder nicht.

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