Porsche-VW: Wer ist eigentlich gescheitert?

Die Story rund um VW und Porsche scheint ja während meines Urlaubs jetzt endgültig zum Abschluss gekommen zu sein. Die Übernahme von VW durch Porsche ist grandios gescheitert, Porsche wird 10. Marke im Volkswagen-Konzern und den Familien Piech/Porsche gehören jetzt statt 100% an Porsche etwa die Hälfte an (der wesentlich größeren Firma) Volkswagen.

Ich möchte nicht unken, aber bin ich der einzige, der sich vorstellen kann, dass genau das von Anfang an das Ziel war?!? Also dass Porsche VW nie wirklich kaufen wollte, sondern Piech/Porsche die Mehrheit an VW wollte und Porsche nur als Vehikel mit genügend Geld eingesetzt haben? Bin ich der einzige, der sich vorstellen kann, dass die Tränen auf der Abschiedsveranstaltung von Wiedeking nur Krokodilstränen waren?

Ich traue in dieser Story allen Seiten alles zu. Denn die Beziehungen von Porsche und VW waren schon früher sehr komisch. Ich habe auf die sehr seltsamen Beziehungen bei der Entwicklung des VW Touregs/Porsche Cayennes schon einmal hingewiesen (Schnappte Porsche die VW-Beteiligung Daimler vor der Nase weg). Danach profitierte Porsche massiv, weil Volkswagen einen Großteil der Entwicklungskosten übernommen haben soll. Die Entscheidungen stammen alle aus der Ära Piech.

Aus [internen Dokumenten] geht hervor, dass VW mit dem Touareg 2003 und 2004 operative Verluste von 4499 Euro und 218 Euro je Fahrzeug eingefahren hat. Daraus errechnen sich negative Renditen von 14,5 und 0,6 Prozent. Nach einem kleinen operativen Gewinn im Jahr 2005 sei der Touareg 2006 wieder leicht in die Verlustzone gerutscht.
FAZ: VW intern

Heute bringt FT Alphaville ein paar Zitate aus einer Analyse einer Bank, in der die Produktion des Touregs/Cayennes untersucht wird. Dabei scheint es einen sehr unüblichen Verrechungspreis beim im VW-Werk Bratislawa produzierten Porsche Cayenne zu geben. Dieser soll angeblich für 22.000 Euro an Porsche verkauft werden. Porsche packt dann einen Motor rein (wobei nur die Benziner von Porsche kommen, die Diesel sind von VW) und verkauft das Auto dann für 90.000 Euro (oder so) weiter. Das ist natürlich ein ziemlich profitables Geschäft! So profitabel, dass Porsche mit dem einen Modell Cayenne etwa die Hälfte des gesamten Rohgewinns (EBIT) erwirtschaftet.

VW "schenkt" Porsche also etwa die Hälfte des EBITs! Und zusätzlich VW hat auch bei der Entwicklung des Modells einen großen Teil der Kosten übernommen.

Da liegt die Überlegung nicht fern, dass man damit den Gewinn von Porsche künstlich nach oben und gleichzeitig den Gewinn von VW nach unten getrieben hat. VW ist dementsprechend weniger, Porsche mehr wert. Als Konsequenz haben die Familien Piech/Porsche jetzt ein wesentlich günstigeres Umtauschverhältnis erreicht als sie es bekommen hätten, wenn der Cayenne mit einer "normalen" Marge 500 Mio. Gewinn mehr bei VW und 500 Mio. weniger bei Porsche erwirtschaftet hätte.

Alphaville: The VW Cayenne and other Porsche posers

Ich mag mich irren, aber ich sehe die Familien Porsche und Piech NICHT als Verlierer an. Die haben einen 100% Anteil an einem kleinen (und zugegeben feinen) Automobilhersteller (übrigens ohne eine wirkliche Fabrik) gegen knapp 50% an Volkswagen + Audi (allein schon mehr Wert als Porsche) + Seat + Skoda + Bentley + Bugatti + Lamborghini + ein paar LKW Marken eingetauscht. Kein wirklich schlechter Deal! Vor allem nicht, für jemanden, der in der öffentlichen Berichterstattung als gescheitert gilt ...

Update (15:21)

Usul hat mich in den Kommentaren darauf hingewiesen, dass Jens Berger (a la Spiegelfechter) die gleichen Gedanken schon am Freitag bei Telepolis niedergeschrieben hat:

Telepolis: Der Mohr kann geh'n

Sein Spiegelfechter-Blog sei an dieser Stelle eh mal empfohlen! Hätte ich es nach meinem Urlaub schon gelesen, hätte ich mir meinen Artikel geklemmt.

Kommentare :

  1. Jens Berger (aka Spiegelfechter) kommt zu ganz ähnlichen Schlüssen:

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30790/1.html

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  2. ...nein, da bist Du nicht der Einzige, der so einen Verdacht hatte bzw. noch hat...
    Denn auch im Erfolgsfalle - also mit Wegfall des VW-Gesetzes und ohne die Krise - wäre das Ergebnis aus Sicht der Familien ahnlich (ok, noch besser) gewesen, also ein Win-Win-Modell...

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  3. Ja und was passiert jetzt mit den Schulden von Porsche, bezahlt VW die jetzt für Spaß, ohne Gegenleistung?

    Die VW-Anteile werden ja wohl an VW fallen, was dann aus den Porscheaktien wird steht ja auf einem ganz anderen Blatt.

    Oder bin ich dafür zu doof!?!?

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  4. Das mit dem Porsche Clan und VW war schon immer eine komische Symbiose. Die dickste und längste Geschichte ist aber die Generalvertretung Österreich für den Verkauf (aller) VWs in den garnicht so kleinen Absatzgebiet - Das läuft nicht über die Porsche AG. Das läuft Jahrzehnten wunderbar und hat bestimmt mehr Kohle in die Kasse des Porsche Clan gespült als diese Sportwagenmanufaktur. Ach ja die Generalvertretung ist anscheinend soviel wert dass die Banken (Gegenseite des Derivate-Geschäfts und Gläubiger) den Porsche-AG nicht schon vorher abgeschossen haben. Ganz ehrlich glaubt denn irgendwer dass die Porsche AG soviel wert war wie sie Schulden hatte? Das mit dem Marktwert war eine ganz wacklige Angelegenheit. Rein finanztechnisch haben Wiedeking und Härtler die Sache einfach schlecht gemacht und hatten Glück am Ende. Das fachliche kann ich aber erst jetzt beurteilen weil ich vorher nicht wusste wie dämlich die ihre Kontrakte gestaltet haben - Das waren Mega-Transaktionskosten!

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  5. Noch was was betont werden sollte: Nur weil der Porsche-Vorstand aus juristischer Sicht kein 'Insider Trading' machte, ist das aus finanzwissenschaftlicher Sicht (also das was es fachlich war) ist das geradezu ein Paradebeispiel für Insider Trading gewesen. Die Informationsvorteile die Porsche ausnutzte sind wohl der einzige Grund warum denen ihr Übernahmeplan nicht richtig explodiert ist. Wenn sie mal gucken wer auf der Kontraktgegenseite stand braucht sich auch keiner wundern warum sich darüber kaum jemand sich weiter beschwert hat.

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