UTS #2: US-Arbeitslosigkeit - Realität vs. "Plan"

Dass der Stabilitätstest für die US-Banken auch im negativeren ("more adverse") Szenario nicht sonderlich streng war, sollte (zumindest für Leser hier) hinreichend bekannt sein. Dass die reale US-Arbeitslosigkeit (deutlich) über den Annahmen für den Stresstest liegt, ebenfalls.

Spannend ist ein weiterer Vergleich der US-Arbeitslosigkeit. Nämlich mit den Prognosen zur Arbeitslosigkeit, die die Obama-Regierung abgegeben hat, als das Mega-Konjunkturpaket diskutiert wurde. Die dunkelblaue Kurve ist die Arbeitslosigkeit *mit* dem positiven Einfluss des Billionen-Dollar-Programms, die hellblaue die Kurve ohne Konjunkturpgrogramm und die roten Punkte sind die real eingetretenen Arbeitslosenquoten.

Jaja, richtig gesehen. Die roten Punkte liegen alle oberhalb der oberen Quote. (Und der Juni war mit 9,5% ja nochmal 0,1 Prozentpunkte höher als der Mai). Wir haben also ein teures Konjunkturprogramm und die reale Arbeitslosigkeit ist trotzdem höher als die, die ohne Konjunkturprogramm vorhergesagt wurde ...



Woran lässt das jetzt mehr Zweifel aufkommen? Am Erfolg von Konjunkturprogrammen oder an der Prognosequalität von Politikern? Oder an beidem?

gefunden über Jason Kolb: Green Shoots

Kommentare :

  1. Und wie siehts hier aus ?? Wenn ich mir die Berichterstattung bei ARD, ZDF, WDR, RTL, PRO7, NTV und FZ, ZEIT, FR. SPIEGEL etc so ansehe kann einem schlecht werden
    gruss georg

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  2. Das ist heftig.

    Deine Kommentierung treffend.

    Gruß und schönen Urlaub

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  3. Die Prognose der Politiker unterliegt eine Art Noise-Trader-Risiko. Nur blöd dass die Firmen soviel Noise machen.

    Viel Spaß auf Ameland

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  4. Natürlich an beidem. Konkunkturprogramme blasen nur die nächste Blase auf und nützen nur zeitlich sehr begrenzt. Über die Prognosequalität muss man wohl nicht viel Worte verlieren, insbesondere nicht vor Wahlen...

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  5. "Woran lässt das jetzt mehr Zweifel aufkommen?"

    An Deiner Logik. Seit wann sind Politiker für Prognosen zuständig? Und um die Konjunktur allein kann es hier nicht mehr gehen. Es werden bekanntlich immer Strukturreformen angemahnt. Die kann es in Form von Sinnscher Lebensstandardsenkung oder als Beschäftigungsprogramme (kategorial wohl etwas anderes als Konjunkturprogramme) geben.

    Es bleibt aber das Quantifizierungsproblem. Die Antragsfrist für die Broadband-Milliarden der US-Regierung läuft bis August - erst danach geht es an die Vergabe. Dann wird investiert und eingestellt. Nun muss man nur noch ein Vorurteil haben. Dann könnte man bspw. folgende Geschichte stricken: der Effekt in 2010 wird drastisch sein und zu Kapazitätsüberlastung und Inflation führen. Und wenn man das glaubt, kann man auch schon mal Krugman als Totengräber der amerikanischen Wirtschaft dingfest machen, wenn er jetzt bereits ein zweites Programm anmahnt.

    Gerade forderte Ex-BP-Chef Browne massives staatliches Investment in neue Energien. Da geht's lang. Denn was Hayek sagt ("Die Wirtschaft ist ein Spiel") ist Quatsch.

    Natürlich wird in den nächsten Jahren die politische Linke in den Industrieländern rehabilitiert werden. Und pragmatische Konservative springen entweder auf den Zug auf oder lernen die andere Seite vom "Spiel" kennen: dass man Auszeiten bekommt und auf die Reservebank muss, disqualifiziert oder vom Platz gestellt wird, Strafpunkte kassiert usw.

    Die Programme kommen also auf jeden Fall - es fragt sich nur, welche Art von Vorspiel es noch geben wird. Wird Feldstein wieder sagen: Im Prinzip ja, aber am liebsten für militärische Zwecke?

    Die Programmgegner graben sich auch bereits ein. Nobel-Prof. Prescott verkündet, es handle sich um den natürlichen Lauf der Dinge - heutige Arbeitsmarktteilnehmer seien eben in geringerem Masse beschäftigungsgeeignet, als dies früher der Fall war. Die NAIRU liege nun bei 7%. Da bin ich mal gespannt, wo sie Ende 2010 liegen wird. Ich würde mit jedenfalls sofort ein paar Calls auf die NAIRU ins Depot legen, wenn Prof. Prescott die Güte hätte. ein entsprechendes Vehikel zu initiieren.

    Und du, egghat, könntest mal wieder etwas eierköpfiger kommentieren. Weisheiten wie die obige bringen uns in einer Situation, die zur Hälfte Energie- und zur anderen Finanzspekulationskrise ist,
    nicht weiter.

    Alternativ kann man sich natürlich der Frage des Staatsbankrotts widmen. Der funktioniert aber auch anders als beworben: nicht der Markt, sondern andere Staaten (und die ihnen assoziierten Marktteilnehmer) beerben den jeweiligen Pleitestaat. Nun, vielleicht hat Jim Rogers ja schon um eine Staatsbürgerschaft in China oder Singapur nachgesucht...

    Besonders witzig wird es, wenn die CDS-Quoten zitiert werden. Man überlege sich bitte: was passiert, wenn Schatzämter auf den CDS-Markt gehen? Ja, "dürfen" die das denn? Nun, eine Goldman Sachs-Treasury á la USA könnte vielleicht auf die Idee kommen, es sich quasi selbst zu verbieten, aber im Interesse der Bürger wäre es mal ganz instruktiv, auf den Derivatemärkten eine Demo-Lektion in elementarer Wirtschaftslehre zu erteilen.

    Womit ich jetzt nicht gesagt habe, dass die Balten kein Problem haben. Aber eben auf dem Level, wo Wirtschaft wieder zum Spiel wird - zum Machtspiel nämlich. Bei dem es darum geht, mit EU, IMF, Russland und schwedischen Banken zu jonglieren. Und natürlich erwischt der Staatsbankrott mit seinem feinen Gespür für poetische Gerechtigkeit ausgerechnet die Strukturreformer zuerst (Currency Board-Argentina, Investmentbank Island Inc. etc.)

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