Zahl des Tages (01.07.09): 6.666 (FAKE!)

Uh, die Zahl des Teufels? Eigentlich nicht, aber vielleicht denkt Peer Steinbrück das trotzdem ...

Es gibt einen neuen Trick, Schwarzgeld zu waschen, bzw. bereits gewaschenes aus Österreich zurückzuholen. Dazu fährt man nach Österreich und kauft dort die Silbermünze "Wiener Philharmoniker". Für Gold- und Silberbugs wie mich eh schon ein Begriff. Diese Münze kostet aktuell in Deutschland gut 12 Euro, darin stecken aber schon 7% MwSt. (Westgold). In Österreich ist sogar die volle Mehrwertsteuer fällig, da zahlt man also etwa 14 Euro (ProAurum.at). (Wobei man das als Ausländer u.U. mehrwertsteuerfrei kaufen kann und erst an der Grenze die 7% deutscher Mehrwertsteuer zahlt. Ob das sinnvoll ist, lasse ich mal dahingestellt. Es geht ja bei der Transaktion darum, das Geld nicht deklarieren zu müssen).

Der Clou an der Geschichte ist jetzt folgender: Die Münze hat einen Nennwert von 1,50 Euro. Und für den Transfer über die Grenze zählt alles, was eine Bargeldfunktion hat, als Bargeld. Die Silbermünze ist danach also nicht 10 oder 14 Euro wert, sondern nur 1,50. Bei der Höchstsumme für Bargeldtransfers von 10.000 Euro (ab da muss man deklarieren) kann man also

6.666

1-Unze-Silbermünzen vom Typ "Wiener Philharmoniker" über die Grenze schaffen. Und das völlig legal.

Bei einem inneren Wert von gut 10 Euro (ohne MwSt.) sind das also knapp 70.000 Euro, die man auf einen Schlag aus Österreich abholen und in die deutsche Heimat mitnehmen kann (wie der Spiegel auf 110.000 kommt, ist mir unklar).

Es gibt dabei natürlich ein paar Probleme: Ab 15.000 Euro muss man sich in Österreich (wie in der ganzen EU) ausweisen. Man muss also mindestens 4 verschiedene Stellen ansteuern, um anonym zu bleiben. Außerdem darf man auch bei der Einreise in Österreich nur 10.000 Euro mitbringen. Man müsste also mehrfach fahren. Wirklich interessant ist das also nur, wenn man das Geld schon nach Österreich geschafft hat und es zurückholen will.

Ob das Ganze Sinn macht, muss jeder selbst beurteilen. Immerhin gehen bei einer vollständig anonymen Aktion 20% MwSt. flöten. Da ist man dann schnell wieder an der Stelle, wo man auch einfach angeben und nachversteuern kann.

Die Nachfrage boomt auf jeden Fall. Statt wie geplant 3 bis 5 Millionen Unzen, konnten 2008 8 Millionen "Philharmoniker" verkauft werden. Und dieses Jahr sind auch schon wieder 5 Millionen über die Theken gegangen.

Scheinbar geht es bei vielen um jedes Prozent Steuerersparnis. Hauptsache kein Geld für den Staat. Kein Aug dem Feind, sagen wir beim Doppelkopf immer. Sportlicher Ehrgeiz oder so. Aber dann mosern, wenn die Autobahn mal wieder nicht mit einer fünften Spur ausgebaut ist, die exklusiv für 7er-Fahrer reserviert ist ;-)

Spiegel: Mit 110.000 Euro legal über die Grenze

Update (14:31):

Schöner, leider anonymer Kommentar mit einem Hinweis auf einen Artikel auf goldseiten.de.

Das Silber wiegt satte 200 Kg und ist damit nicht ganz trivial zu transportieren Und der Verlust bei der Aktion ist ziemlich hoch, denn neben dem Verlust durch die MwSt kommt noch der Spread zwischen An- und Verkaufskurs. Gut, auf 50% wie der Goldseiten-Artikel komme ich nicht, aber das wie der Spiegel nicht zu erwähnen, ist ebenfalls falsch.

Interessant auch der Hinweis darauf, dass eine ähnliche Nummer mit der Goldmünze der Wiener Philharmoniker schon länger geht. Die haben nämlich einen Nennwert von 100 Euro und einen "echten" Wert von knapp 700. Die Summe, die man damit schmuggeln kann, liegt in einer ähnlichen Größenordnung wie beim Silber.

Goldseiten.de: Silber-Philharmoniker: Schwarzgeldtrick? Legal mit 110.000 € über die Grenze

Was mich interessieren würde: Kann man die MwSt. beim Kauf "sparen", also in Österreich bezahlen und sich in Deutschland zurückholen? OK, anonym ist man dann nicht mehr, aber das würde natürlich den Verlust bei der Aktion stark senken. Ist auch eher eine theoretische Frage.

Update (22:25):

Die Silber-Version des Spiegels wird ja noch sinnloser, wenn man weiss, dass auf Silber 20% MwSt fällig wird, auf Gold -egal ob Barren oder Münzen - aber nicht. Danke an den Hinweis in den Kommentaren ...

Update (02.07.09):

Und jetzt hat die FTD die Story auch ... Immerhin ein Beweis, dass sie hier nicht lesen, ansonsten hätten sie gemerkt, wie wenig an der Story dran ist. Und die FTD hat direkt zwei Journalisten benötigt, um diese Story zu abzuschreiben, äh ich meine zu recherchieren. Und da man ja nicht abgeschrieben hat, braucht man auch keine Quelle anzugeben ...

FTD: Österreich macht Geldwäsche leicht

(wer noch weitere Fundstücke hat, her damit. Könnte eine spannende Medienbeobachtung werden ...)

Update (02.07.09 13:00)

Google News


In Österreich haben es fast alle, in Deutschland immerhin die Bild (und verweist auch korrekt auf den Spiegel). Gut, dass die den Fake/Nichtnews nicht erkennt, ist schon OK. Aber die FTD, vor allem nachdem es woanders (hier, Goldseiten, Rebellmarkt) schon zu lesen war, ist schon ziemlich schlecht.

Update (02.07.09: 17:57)

Bei Goldseiten.de gibt es noch ein Update. Danach ist die Information, dass der Nennwert gilt, schlichtweg falsch. Verwiesen wird auf die Seite www.zoll.de:

"Bei gleichgestellten Zahlungsmitteln ist der aktuelle Wert (z.B. bei Gold der Börsenwert und Aktien der aktuelle Rücknahmekurs) zugrunde zu legen."


Zoll.de: Fragen und Antworten zur Anzeigepflicht von Bargeld und gleichgestellten Zahlungsmitteln in Höhe von 10.000 Euro oder mehr an Deutschlands Grenzen zu anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union


Goldseiten.de: Schwarzgeldtrick? Silber-Philharmoniker und die 110.000 € (Teil 2)

und ursprünglich aus dem Goldseiten.de Forum von David M. Reymann, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Edelmetall-Gesellschaft eV : FALSCHMELDUNG zu Silber in der Financial Times Deutschland: Auf Steinbrück gemünzt

Story beendet. Ente.

P.S. Gold aus dem Automaten! ist auch (nicht ganz unerwartet) wohl unter PR-Gag abzuheften: FTD: Goldgräber für einen Tag

Kommentare :

  1. Zur Problematik mit diesem Silbertrick siehe auch hier.

    AntwortenLöschen
  2. Ziemlicher Blödsinn, das Ganze.

    Auf Nachfrage müssen Reisende mitgeführtes Bargeld oder auch Wertpapiere, Reisechecks sowie Edelmetalle und Edelsteine mündlich anzeigen, wenn der Gesamtmeldewert 10000 Euro übersteigt.

    Also auch silberne Philharmoniker.
    Sonst würde jeder gleich Goldmünzen nehmen. Deren Nennwert ist auch wesentlich niedriger als der Materialwert. Und mehrwertsteuerfrei.

    Spielt aber keine Rolle.

    Selbst wenn es stimmte, wäre es Blödsinn. Wer 100000 Euro über die Grenze bringen will, nimmt nicht einen Mindestverlust von 20000 Euro in Kauf und schleppt zentnerweise Silbersäcke.

    Er mietet sich ein Zimmerchen im Voralpenland und fährt ein wenig spazieren.

    Wer diese Silberente platziert hat, kann sich jeder selbst ausrechnen.

    AntwortenLöschen
  3. PS: Es ist dabei wohl zu unterscheiden zwischen der automatischen Anmeldepflicht und der auf Nachfrage.

    AntwortenLöschen
  4. Hm, warum geht man nicht einfach zur Bundesbankfiliale und holt sich einen schönen Silberzehner ganz ohne Seignorage, da man problemlos ohne Verluste wieder in Papiergeld zurücktauschen kann. Wertsteigerungspotenzial ist jedem Fall NULL. Spiegelglanz ist auch nicht, aber egal. Die nächste Ausgabe gibts übrigens schon sehr bald. http://www.bundesbank.de/download/bargeld/pdf/10_euro_gedenkmuenzen.pdf

    AntwortenLöschen
  5. 10 Euro Münze Silber wiegt 18 g, enthält 925 Tausendteile Silber, also 16,65 g reines Silber.

    1 g kostet dann 10 Euro/16,65, also 60 Cent

    Umgerechnet kostet dann 1 kg 600 Euro

    1 kg Silberbarren (Reinheit 999) kostet heute 435 Euro netto

    Plus 19% Mwst 516,46

    Nachteil also: Wer 1 kg Silber möchte, fährt trotz Mwst. mit dem Barren günstiger.

    Vorteil: Die Münzen sind immer 10 Euro wert und in Deutschlanbd gesetzliches Zahlungsmittel. Fällt der Silberpreis, verliert man nichts.

    Aber versuch mal soviele Gedenkmünzen zu kriegen

    Wertsteigerungspotential ist aber nicht Null, falls der Silberpreis stark ansteigt und damit über den Nennwert liegt.

    Silbermünzen zum reinen Nennwert, die gesetzliches Zahlungsmittel sind, lohnen sich immer, wenn man Bargeld horten will.

    Der Don würde aber jetzt einwerfen, dass man damit keinen Tee einschenken kann.

    AntwortenLöschen
  6. In der Menge ist ein Barren immer billiger, nur kann man damit so schlecht bezahlen...
    Und natürlich völlig stillos, das stimmt schon...

    AntwortenLöschen
  7. soweit ich weiß fällt in österreich keine mehrwertsteuer auf gold an (irgendeine ausnahme weil gold primär als mittel zur veranlagung dient)

    AntwortenLöschen
  8. Ah tatsächlich!

    Damit wird die vom Spiegel vorgestellte Methode mit den Silbermünzen ja noch schwachsinniger ...

    AntwortenLöschen
  9. @Anonym 22:15

    Auch hier in Deutschland ist die Goldmünzen aus Österreich laut Artikels 344 Abs. 1 Ziffer 2 MwStSystRL MwSt. befreit.

    Siehe http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_290/DE/BMF__Startseite/Aktuelles/BMF__Schreiben/Veroffentlichungen__zu__Steuerarten/umsatzsteuer/024__a,templateId=raw,property=publicationFile.pdf

    Liste vom BMF mit allen Goldmünzen die von der MwSt. befreit sind.

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore