Die Abwrackprämie war nur zu 1/4 wirksam - Egal!

Wie ich schonmal geschrieben habe (Zahl des Tages (03.05.09): 10.000) sorgte die Abwrackprämie von 2.500 Euro pro verschrottetem Fahrzeug nur bei einem Viertel der neu verkauften Autos für ein wirklich zusätzlich verkauftes Auto. Drei von vier Autos wären auch ohne Abwrackprämie gekauft worden. Diese drei Käufer haben die 2.500 Euro also nur mitgenommen, der direkte Effekt auf die Automobilwirtschaft war also nur marginal. Für jedes wirklich zusätzlich verkaufte Auto musste der Staat also 10.000 Euro in die Hand nehmen.

Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass durch die Abwrackprämie vor allem alte, kleine Autos durch neue, kleine Autos ersetzt wurden, die kaum mehr als 10.000 Euro gekostet haben, hat der Staat mit 10.000 Euro ziemlich genau 10.000 in die Wirtschaft gesteckt. Und davon lief noch ein großer Teil ins Ausland, die bei Kleinwagen einen höheren Marktanteil haben als im Gesamtmarkt.

Nicht sehr effizient würde ich meinen ... Da hätte man auch einfach 500 Euro an jeden Haushalt verteilen können und aus. Das wäre genauso ineffizient und wenig zielgerichtet gewesen, aber es wäre immerhin gerechter gewesen.

Aber all das scheint sich nicht herumgesprochen zu haben. Nicht nur in Europa gab es Nachahmer, jetzt sind auch die USA auf den Zug aufgesprungen.

Cash for Clunkers heißt das Programm in den USA. Clunkers sind dabei Auto, äh Schrottkarren, die so schlecht sind, dass Xzibit & West Coast Customs ihren Spaß daran hätte, daraus wieder ein Auto zu machen ...

3.500 bis 4.500 Dollar gibt es für ein abgewracktes Modell, wenn es durch ein umweltfreundlicheres ersetzt wird. Umweltfreundlich heisst dabei niedrigerer Spritverbrauch. Das Alter spielt keine Rolle. Einen Hummer durch einen Cayenne zu ersetzen würde zum Beispiel Prämie bringen.

Obama hat für das Programm knapp 1 Mrd. Dollar reserviert. Weg war das Geld bereits nach wenigen Tagen und am Freitag wurde das Programm noch schnell vor der Sommerpause um 2 auf 3 Mrd. aufgestockt.

Immerhin erfüllt es damit eines der Kriterien für ein Konjunkturpaket: Es wirkt schnell. Was zum Beispiel auf die Energiesparmaßnahmen für öffentliche Gebäude in Deutschland nicht zutrifft. Auch wenn diese in der Summe wesentlich sinnvoller sein dürften. Ford hat auf jeden Fall im Juli zum ersten Mal seit langem wieder ein Plus in den Verkaufszahlen zu vermelden. (mehr Absatzzahlen gibt es übrigens heute Nachmittag).

FAZ: Amerikas Abwrackprämie übertrifft alle Erwartungen
Spiegel: US-Abwrackprämie katapultiert Fords Absätze ins Plus
Marketwatch: House OKs more money for 'cash for clunkers'

Und noch ein kleiner Cartoon dazu:

Time: Cartoon of the week


Und ernsthafter: Meine alten Links zum Thema Abwrackprämie und eine ausführliche Diskussion zum Thema bei Econbrowser: Cash for Clunkers

Update (12:53)

Für alle, die sich für die Details zum Cash for Clunkers Programm interessieren: Alle Bedingungen in einer schönen Grafik gibt's bei The Big Picture: Cash for Clunkers

Update (22:32)

Die Freaks von Freakonomics fragen sich, ob der Geldtopf für Programm wirklich schon leer sein kann. Immerhin reicht die eine knappe Milliarde für fast 250.000 Autos und das wäre das Doppelte von dem, was 2006 im Schnitt in einer Woche verkauft wurde.

Finde ich aber nicht unplausibel, in Deutschland stiegen die Zulassungen der Privaten auch um 77% im März. Eine Verdopplung in einer Woche ist da durchaus drin ...


NYT: Is Somebody Lying About “Cash for Clunkers”?

Kommentare :

  1. Das kann ich mir vorstellen, dass die Abwrackprämie eigentlich nur Verschwendung war. heute habe ich bei www.finanznachrichten.de gelesen, dass die 5 Milliarden Euro auch bald ausgeschöpft sind. Ich bin mir aber sicher, dass nach der Abwrackprämie der Verkauf von Neuwagen drastisch zurück geht.

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  2. www.finanznachrichten.de
    Habe gemerkt, dass der Link nicht angezeigt wurde, hier nocheinmal, falls jemand nachlesen möchte.

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  3. Also entweder 3 von 4 Autos wären sowieso gekauft worden, dann wirds nach Auslaufen der Prämie nur einen Einbruch um eben dieses eine Viertel geben - oder die Abwrackprämie war aus quantitativer Sicht doch erfolgreicher, dann wirds einen größeren Einbruch geben.

    Ehrlich gesagt kann ich mir angesichts der enormen Anzahl subventionierter Käufe nicht vorstellen, dass davon 3/4 sowieso in der größten Krise seit Jahrzehnten gekauft worden wären. Es handelt ja nicht um Leasingwagen, die nach fester Vertragslaufzeit erneuert wurden, sondern um Privatfahrzeuge. Und die dürften in einer Krise eher ein Jahr länger gefahren, also turnusmäßig erneutert zu werden.

    Wie auch immer, die Argumentation ist unlogisch. Rekordverkäufe, 3/4 Mitnahmeeffekt, fast nur Kleinwagen gefördert und massiven Einbruch der Verkäufe nach Auslaufen passen einfach nicht zusammen.

    Schwachsinn war die Subvention trotzdem.

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  4. @anonym #3:

    Also die Formulierung kann man falsch verstehen, man muss aber auch nicht.

    Wenn 3 von 4 per Abwrackprämie geförderte Autos auch so gekauft worden wären, lässt das *keinerlei* Rückschlüsse auf den Gesamtmarkt zu. Es wurde ja nur der private Käufer gefordert. Gewerbliche Käufer, Mietwagen, etc. waren nicht "betroffen", die entsprechenden Märkte sind auch geschrumpft.

    Übrigens habe ich nichts von einem massiven Einbruch geschrieben, das war wohl eine Antwort auf Anonym #1.

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  5. Ich bin ja auf die Absatzzahlen der nächsten beiden Jahre gespannt - zumindest sofern sich die Krise nicht allzu schnell erholt.

    Im Kern waren bei den aktuellen Verkäufen sicherlich diverse Vorgezogenen Verkäufe dabei ...d.h. die Zahlen werden tendneziell sinken.

    abgesehen davon hat die Prämie den Gebrauchtwagen Markt kaputt gemacht .... der tendenziell von den finanziell schwachen Schichten genutzt wird.

    Von alle diesen Kritikpunkten an der Abwrackprämie mal abgesehen war es eine reine Massnahme für eine Branche ...egal wie stark diese in DE ist oder eben nicht ... eine Abgabe je Haushalt wäre sicherlich ebenso sinnig / unsinnig gewesen und dabei tendenziell gerechter verteilt.

    naja

    Gruss
    fidel

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  6. Da 70 bis 80 Prozent der in Deutschland produzierten Autos in den Export gehen, ist die Auswirkung der Abwrackprämie schon mal grundsätzlich sehr begrenzt. Viel wichtiger ist, wie sich der Weltmarkt entwickelt. Die weit verbreitete Meinung, ab 2010 würden die deutschen Autohersteller niemand mehr finden, der ihnen ein Auto abkauft, dürfte daher falsch sein. Klar ist natürlich: die deutschen Autohändler werden einen Einbruch haben. Aber dafür hatten sie jetzt ein fettes Jahr und haben hoffentlich ein paar Rücklagen gebildet.

    Mag sein, dass ein "großer Teil" der geförderten Autos aus dem Ausland stammt. Aber: Immerhin mehr als die Hälfte aller durch die Verschrottungsprämie geförderten Autos stammen von deutschen Herstellern (laut VDA).

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  7. @Anonym:

    Jetzt bedenke aber mal die Wirksamkeit.

    Wenn drei von 4 Autos auch ohne Abwrackprämie gekauft worden wären, sind 10.000 Euro für ein zusätzlich verkauftes Auto ausgegeben worden. Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass nur etwa die Hälfte von deutschen Herstellern kamen (was noch nicht einmal heisst, dass das Auto auch in Deutschland gebaut wurde), hat man jedes Auto eines deutschen Herstellern mit 20.000 Euro gefördert.

    Das ist mehr als das (zusätzliche) Auto im Schnitt gekostet hat, denn das waren überwiegend Kleinwagen.

    Das ist ein Desaster! Da hätte der Staat auch einfach 500.000 Polos kaufen und verlosen können!

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