Kleines, geheimes Update zur AIG

Da wird der Kursanstieg von 60% der AIG-Aktien von gestern (What a Shortsqueeze!) ja noch viel seltsamer ...

Ich habe gerade bei DonAlphonso einen Hinweis (Rebellmarkt: Nachrichten, die irgendwie nicht ankamen) auf einen interessanten Artikel in der New York Times gefunden (NYT: After Rescue, New Weakness Seen at A.I.G.), der schon vor dem Anstieg erschien.

Darin wird schön beschrieben, dass die AIG trotz der enormen Staatszuschüsse scheinbar Probleme im laufenden Geschäft hat. Dabei wurde immer (von der AIG selbst und dem Retter Staat) betont, dass das Kerngeschäft solide und profitabel sei.

Einige Zeichen deuten aber nicht darauf hin. So hat die AIG innerhalb der eigenen Firmengruppe auffällig viele Geschäfte abgeschlossen. Das kann immer ein Hinweis auf unsaubere Geschäfte sein, z.B. um Verluste zu verstecken. Die Betonung liegt auf "kann" und nicht auf "muss". Allerdings hätte es die AIG auch relativ einfach. Mit 71 Gesellschaften allein in den USA, die von 19 unterschiedlichen Aufsichtsbehörden kontrolliert werden, wäre eine Manipulation recht einfach ...

Stutzig macht die Begründung der AIG: Es wären Rückversicherungsgeschäfte, also quasi ein Verteilen des Risikos und das wäre bei Versicherungen so üblich. Dass das üblich ist, stimmt zwar, aber das macht innerhalb eines Konzerns keinen Sinn. Sollte ein großer Schadensfall eintreten, bliebe der so ja doch im Konzern.

Das Risiko eines Erdbebens (o.ä.) versichern Berkshire Hathaway, Münchner Rück, Swiss Re und wie sie alle heißen. Denn genau dafür sind die Rückversicherer da. Innerhalb eines Konzerns kann ich kein großes Schadensereignis sinnvoll rückversichern. Da muss schon jemand Externes her.

DonAlphonso wundert sich, dass die Geschichte nicht mehr Aufmerksamkeit bekommen hat. Tja, so ist das manchmal. Hat jemand ein Interesse daran, kommt es überall, hat niemand ein Interesse daran, verpuffen solche Geschichte oft und die lahme Story, dass die SEC Ermittlungen gegen den ehemaligen Chef der AIG gegen Zahlung von 15 Millionen Dollar eingestellt wurden (Ex-Chief of AIG Settles SEC Case for $15 Million), erhält mehr Gehör. Komisch.

Aber im Fall der AIG liegen die Interessen auch klar auf dem Tisch. Die AIG soll zerschlagen, neu strukturiert und möglicherweise auch neu an die Börse gebracht werden. Wie Marketwatch gestern meldete, winken den Investmentbanken an der Wall Street dabei Einnahmen von etwa 1 Mrd. Dollar. Ganz nebenbei sind die Banken alle Schuldner der AIG. Schon die Rettung der AIG war ein Bailout der anderen Banken um eine Ecke (Zahl des Tages (16.03.09): 12.000.000.000). Die Investmentbanken haben also direkt zwei ganz egoistische Gründe, um die AIG gut aussehen zu lassen.
Der zweite Profiteur ist der Staat, der ja seine knapp 80% loswerden wird. Und auch dafür muss dir Braut hübsch gemacht werden.

Und wenn die Interessenslage so ist, bekommt eine Geschichte schonmal überraschend wenig Aufmerksamkeit ... Also pssst nicht weitersagen ...

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