MBIA ist Pleite. Egal.

Hmmm, MBIA ist natürlich nicht Pleite, wobei nach meiner Interpretation der Lage es eigentlich "noch nicht Pleite" heißen müsste (Die ganze Entwicklung dieser Firmen, die ich schon Anfang 2008 als angekündigste Pleiten des Jahres bezeichnet habe: Suche nach MBIA.)

Immerhin ist MBIA aber schon so weit, dass die JP Morgan vor einigen Tagen betonte, dass MBIA durchaus vor so viel weiteren Abschreibungen stehen könnte, dass das Eigenkapital komplett aufgefressen würde (finde den Artikel bei mir nicht, habe ich wohl nur getwittert).

Und was hat MBIA an den Abgrund gebracht? Nachdem MBIA (und die Konkurrenten) jahrzehntelang fast ausschließlich Schulden von öffentlichen Institutionen (Städte, Gemeiden, Wasserwerke, etc. pp.) versichert haben, kam vor ein paar Jahren irgendjemand auf die glorreiche Idee, auch Hypotheken zu versichern. Bis dahin gehörten die US-Kreditversicherer übrigens zu den profitabelsten Firmen der Welt, was Gewinn pro Mitarbeiter angeht.

Das Desaster kam in Form der berühmten besicherten Wertpapiere, die mit privaten und gewerbliche Immobilien hinterlegt wurden. Und dann noch dummerweise in Form von CDOs in Scheiben geschnippelt wurden, bei denen am Ende niemand mehr wusste, was drin war und damit eigentlich auch niemand mehr das Risiko beurteilen konnte. Auch die Ratingagentur nicht (was sie inzwischen auch ansatzweise eingesehen hat), was diese aber nicht daran gehindert, auf die Scheiben AAA, A, BBB und B zu kleben. Dummerweise stellten sich dann mit dem Preisrückgang der Immobilien auch die AAA-Scheiben als (bestenfalls) B heraus.

Die Kreditversicherer, die vom Eigenkapital her gesehen nur auf Ausfallraten im Promillebereich wie bei den öffentlichen Kreditgebern vorbereitet waren, sahen sich plötzlich mit deutlich höheren Ausfällen konfrontiert.

So weit, so bekannt.

Die Nachricht von heute ist nach der Historie nur mit einem Schuss Ironie zu verkraften. FT Alphaville berichtet, dass die Ratingagentur Fitch im Auftrag eines Vermögensverwalters/Fondsinitiator (Vertical Capital, LLC) untersucht hat, ob MBIA die Verwaltung eines Portfolios von (... Trommelwirbel ...) CDOs übernehmen könnte.

Es gibt wohl (noch?) kein Ergebnis der Einschätzung, aber allein die Tatsache, dass jemand auf die Idee kommt, für die Verwaltung eines Portfolios von CDOs eine Firma in die engere Auswahl zu nehmen, die sich selber mit CDOs an den Rand des Abgrunds gebracht hat, ist sehr sehr seltsam ...

FT Alphaville: Monoline vertigo

Aber wenn man erst einmal in den erlauchten Kreis der Hochfinanz aufgenommen wurde, fliegt man offenbar so schnell nicht wieder raus.

Dazu passt dann auch noch folgende Meldung von Spiegel Online. Danach beraten ehemalige verantwortliche Manager der (ohne Staatshilfe) Pleite gegangenen SachsenLB jetzt Hamburg und Schleswig-Holstein bei der Sanierung der (ebenfalls ohne Staatshilfe Pleite gegangenen) HSH Nordbank ...

Spiegel Online: Pleitebanker beraten Nordländer im HSH-Debakel

Ich fürchte, ich könnte die Liste noch geradezu unendlich erweitern ... Versager, die auch heute noch dank bester Connections einen Batzen Geld (das im schlimmsten Fall auch beim zweiten Mal vom Steuerzahler stammt) verdienen ... In Großbritannien erinnere ich mich ebenfalls an einige Fälle dieser Art.

Ich ergänze gerne, wenn ihr besonders krasse Beispiele habt ...

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