Nochmal zu den Solarschulden ...

Die Nachdenkseiten veröffentlichen heute zwei Leserbriefe zum Thema Solarschulden. Da ich das Thema auch schon hatte (Zahl des Tages (24.08.09): 77.000.000.000), würde ich darauf gerne antworten, aber dahinten kann ich keine Komentare hinterlassen ... Aber wofür hat man ein eigenes Blog ...

Die Leserbriefe stehen hier:
Nachdenkseiten: Anmerkungen und Daten zu “Solarsubventionen sprengen Prognosen”

Ein paar Ausschnitte:

"2006 wurden in Deutschland ca. 560 Milliarden kWh verbraucht. Angenommen, das bliebe über die nächsten 20 Jahre konstant, dann würden 20 Milliarden Euro zusätzlich 20/(560*20 Jahre) Euro/(kWh/Jahr) = 0,001786 €/kWh extra kosten, also nicht mal 0,2 Cent mehr. (Lesehilfe KR: Die Zusatzkapazitäten sollen insgesamt 20 Mrd. € kosten und in 20 Jahren abbezahlt werden. Also eine Mrd. € je Jahr. Je Jahr werden 560 Mrd. kWh Strom verbraucht. Die Preiserhöhung beträgt somit 1 Mrd. € je 560 Mrd. kWh = 1/560 €/ kWh = 0,0018 €/kWh = 0,18 Cent/kWh.)"

Die Argumentation ist einfach: Es gibt kaum Solarzellen und wenn man die paar Euro Förderung auf alle Stromabnehmer umlegt, dann bleibt kaum was übrig. Also who cares? Das kann man auch gut so argumentieren, aber umgekehrt wird natürlich auch ein Schuh raus: Kaum Fotovoltaik heisst dummerweise auch kaum CO2 Einsparung ...

Allerdings hat die Argumentation von oben natürlich einen größeren Fehler: Sie argumentiert mit Zahlen von 2006, die Studie des RWI hingegen rechnet die Flächen bis 2013(!) hoch und auf diesem Niveau auch die Solarschulden. In meinem Artikel stehen die Wachstsumzahlen: "2008 wurden aus dem erwarteten 700 Megawatt neuer Fotovoltaikanlagen 1.500 und für 2009 liegt die Prognose sogar bei 3.000 Megawatt." Spätestens jetzt wird deutlich, dass man nicht mit Zahlen von 2006 argumentieren kann, dazu wächst der Markt einfach zu kräftig.

Wieso der Leserbreif mit 20 Mrd. Solarschulden argumentiert, weiss ich auch nicht, die aktuelle Studie des RWI hat ja anscheinend 77 Mrd. errechnet.

Dann kommt eine Anmerkung über die Peakleistung, die ich aber nicht beurteilen kann, weil ich die RWI Studie nicht kennen (liegt ja offiziell noch nicht vor).

"Auf der einen Seite zu behaupten, die Gewinnspanne der Solarmodulproduzenten sei zu hoch, die sinkenden Preise würden nicht weitergegeben, daher müsse die Vergütung sinken, und im selben Atemzug die drohende Abwanderung der Arbeitsplätze nach Fernost aufgrund zu starker Konkurrenz an die Wand zu malen, ist doch widersprüchlich."
Das ist dann so spannend, weil hier ein Widerspruch konstruiert wird, der keiner ist. Es fehlt nämlich die Dimension "Zeit". Es kann nämlich sehr wohl sein, dass man 2005 bis 2007 eine Branche mit überhöhten Gewinnmargen verwöhnt hat, die Chinesen das merken, anfangen zu investieren. 2008 kommen die Chinesen auf den Markt und verdrängen die deutschen Hochpreishersteller vom Markt. Dieser Wechsel von "Branche mit überhöhten Einspeisevergütungen vollpumpen" hin zu "Branche krepiert unter der neu geschaffenen Produktionskapazität" kann schnell gehen. Wie schnell sehen wir gerade (und ich gebe zu, dass selbst mich die Wucht des Umschwungs überrascht).

Das Argument, dass es die Verbesserungen der Solarzellen nicht gegeben hätte, wenn es keine Einspeisevergütung gäbe, ist zwar eine ganz nette, aber am Ende leider unbelegbare Behauptung. Dagegen könnte ich (genauso unbelegbar) behaupten, dass man die 10 oder 20 Mrd., die bisher investiert wurden und die weniger als 1% des Stroms erzeugen, besser in die Forschung gesteckt hätte und erst jetzt mit der Produktion beginnen sollte.

Die Firma FirstSolar in den USA zeigt, dass es sehr wohl Firmen geben kann, die den Quantensprung in den Kosten ganz ohne Einspeisevergütung schaffen können. Weil sie sich nicht an den 40 Cent orientieren, sondern an den 10, die der Strom heute in den USA kostet.

Die alles entscheidende Frage muss doch sein, wie hoch man die Einspeisevergütung macht. Diese darf nicht so hoch sein, dass alle - auch die schlechten - Produzenten auf dem Markt bleiben. Die Förderung muss fordern! Sie darf natürlich auch nicht zu niedrig sein.
Aber ich habe in meinem Posting (und das war ja auch der eigentliche Anlass für's Schreiben) einen Vorschlag für die Anpassung der Vergütung gemacht. Einfach die Förderung jedes Jahr um x% zu senken, ist offensichtlich nicht so sonderlich sinnvoll oder intelligent ... Ich erzeuge so den oben beschriebenen Boom'n'Bust Zyklus. Mit allen negativen Folgen ...

Man sollte auch immer bedenken, dass eine Senkung der Erzeugungskosten von 55 Cent auf jetzt unter 40 Cent sich zwar wenig dramatisch anhört, es aber doch ist. Warum? Weil der normale Strom schließlich auch schon 20 Cent kostet. Man darf also nur die Differenz berücksichtigen, denn ab 20 Cent brauche ich theoretisch gar nicht mehr fördern. Ziehe ich diese 20 Cent ab, komme ich auf eine Senkung von 35 auf 20 Cent. Mithin nahezu eine Halbierung. Mit jedem Euro Förderung kann ich heute die Installation der doppelten Fläche Solarzellen anschieben. Wenn die Kosten auf 30 Cent sinken sogar fast die dreifache Menge! Es ist also schon entscheidend, wann ich wie viel Geld in Forschung (und mglw. andere Energiesparmaßnahmen) stecke und wann in die Produktion. Meiner Meinung nach wurde viel zu früh viel zu viel Geld in die Produktion gesteckt. Und zu wenig in die Forschung.

Das EEG ist in der Idee schon gut (auch wenn es die Kosten verschleiert und zusätzlich noch in die Zukunft schiebt). Die Ausgestaltung und insbesondere die Anpassung der Vergütung ist aber - sorry - dumm.

Update (02.09.09):

An die Leser, die über die Nachdenkseiten hier her gefunden haben: Ich habe noch einen Artikel zum Thema geschrieben: Zahl des Tages (01.09.09): 0,245889%

Ich freue mich übrigens immer auf eine spannende Diskussion!

Kommentare :

  1. wenn ich da noch was zum thema ergänzen darf:

    "Der deutsche Markt ist besonders interessant wegen der enormen Subventionen, die der Verbraucher mit seinen Stromrechnungen bezahlt: je Kilowattstunde Sonnenenergie rund 47 Cent, insgesamt bis zu 90 Milliarden Euro. Deutschland stellt so fast die Hälfte des gesamten Weltmarktes . Praktisch subventioniert also der deutsche Verbraucher den chinesischen Produzenten von Solarzellen und baut ihn so zum deutschen Konkurrenten auf."

    quelle: http://www.jjahnke.net/rundbr60.html#son

    AntwortenLöschen
  2. Man könnte auch argumentieren, dass die Subventionen die Entwicklung der Photovoltaik verlangsamt. Solange die Nachfrage kaum zu decken ist mach ich mir als Anbieter wenig Gedanken um effizientere Produkte. Siehe Autoindustrie.

    Außerdem glaube ich nicht an die Lauf- und damit Ammortisationszeiten in den ganzen Photovoltaik-, Solar-, Dämmungs- und Heizungskalkulationen.

    Es kann schon sein, dass die Photovoltaik-Anlage meiner Eltern 25 Jahre lang funktioniert. Es kann aber genauso gut sein, dass in zehn Jahren eine neue effizienter und wirtschaftlicher wäre.

    1950 hat man für eine Heizungsanlage eine Laufzeit von 30 Jahren (oder für "ewig" oder bis sie kaputt geht) kalkuliert. Heute kann ich bei meiner fünf Jahre alten schon überlegen, ob eine neue nicht besser wäre.

    Vor zwei Jahren hat mir mein Freund, der Architekt, Fenster mit Zweifachverglasung empfohlen, der Aufwand sollte sich nach 15 Jahren rentieren. Heute wäre das zweite Wahl, er redet nur noch von dreifach.

    Dem kalkuliere ich demnächst ein neues High-End-Notebook, sehr günstig, auf 25 Jahre gerechnet...

    AntwortenLöschen
  3. @Anonym:

    Den Gedanke habe ich auch vor 1,5 Jahren schonmal aufgeschrieben:

    EEG: Subventionen für China

    AntwortenLöschen
  4. @Robert:

    Jaja, sehr richtig.

    Deshalb schreibe ich ja auch, dass man nicht zu früh zu viel fördern darf. Man muss sich genau überlegen, wann man wie viel Geld in die Forschung steckt und wie viel in die Produktion. IMHO ist ganz eindeutig zu früh zu viel Geld in die Produktion gelaufen. Das können wir jetzt über 20 Jahre abbezahlen.

    Es wird so getan, als würden die Preisverbesserungen der Fotovoltaik NUR dadurch entstehen, dass produziert wird.

    Das ist aber Murks. Denn die Forschung (neue Produkte) sind daran genauso beteiligt. Meine Theorie stützt die Tatsache, dass der Hersteller, der im Moment das beste Preis-Leistungsverhältnis hat, aus den USA kommt und die Produktion erst 2008 aufgenommen wurde. Vorher hat der Laden ausschließlich geforscht.

    Wir Deutschen haben Milliarden bezahlt, eine Industrie aufgebaut, die mit Massenprodukten gegen Niedriglohn-China kämpfen muss und die Amis haben NIX gefördert und das beste Produkt.

    Ein klare Erfolgsbilanz sieht anders aus ...

    AntwortenLöschen
  5. > Meiner Meinung nach wurde viel zu früh viel zu viel Geld in die Produktion gesteckt.

    Politik, Idealismus und Lobbyismus halt.
    Der Staat sollte gar keine Branche fördern, indem er den Ausbau von irgendwas subventioniert. Entweder die Leute wollen es, oder eben nicht. Wenn man was für den Standort tun will, muss man sich strikt an diesem Kritierium orientieren, wenn man CO2 einsparen will daran, statt sich irgendein Ziel vorzunehmen wie 10% Solarstrom. Das ist Planwirtschaft.

    AntwortenLöschen
  6. Natürlich wäre eine CO2 Steuer die Idee gewesen, die als einzieg gute Idee der Grünen in die Geschichte hätte eingehen können ...

    Dagegen sprachen dann aber die Atomenergie (dummerweise CO2 frei, aber von den Grünen gehasst) und die Kohle (dummerweise CO2 haltig, aber von der SPD geliebt). Außerdem gab es noch soziale Überlegungen und einfach alles CO2 verteuern ging dann auch nicht. Hätte halt auch Heizen für Hartz IVler teurer gemacht. Geht nicht.

    Also kommt am Ende dann so ein kompletter Schwachsinn raus ..

    AntwortenLöschen
  7. Nebenbei hätte man die Förderung zumindest auf den netto gelieferten Strom begrenzen müssen. Also erzeugter Solarstrom minus Eigenverbrauch. Dass jemand billigen Strom aus Kohle oder Atom verbraucht, für den "selbst" erzeugten Solarstrom komplett den subventionierten Preis bekommt ist ja irre.

    AntwortenLöschen
  8. techinno.wordpress.com28 August, 2009 17:42

    Die Einspeisevergütung muss kurz oder lang zurück gefahren werden, d.h. auf 0. Wenn man subventioniert, sollte man sich am bestmöglichen Preis halten (z.B. First Solar). Das funktioniert aber nicht, weil die Politik bzw. ein Parlament viel zu lahm ist (Unter der Annahme Lobbyisten hätten keinen Einfluss). Selbst wenn die Politik einen "Ausschuss" oder "Kommission" einsetzt um Einspeisevergütungen laufend anzupassen (was glaube ich garnicht existiert), würden die sich niemals am Besten Preis orientieren, sondern einfach nur rumsitzen und Sitzungsgeld abkassieren (Und ja, in Wirklichkeit gibt es noch Lobbyisten die nichts dagegen haben).

    Es ist ja nicht so, als ob es nicht möglich wäre mit relativ wenig Aufwand die Einspeisevergütung laufend anzupassen. Es scheitern aber am Können (Und vielleicht auch am "Willen"). Das ist das Prinzip von Politik: Man staut die kleinen Fehler den selbst eingeführten Maßnahme, solange auf, bis man sagen, dass man jetzt eine Reform macht. Ich glaube das ist das Hauptargument von Marktradikalen, dass der Staat zu doof zum wirtschaften sei. Und es stimmt irgendwo auch, dass jede Firma pleite geht, wenn sie ihre Fehlerchen zulange aufstauen.

    AntwortenLöschen
  9. So kommt es leider immer wenn der Staat meint den freien Markt zu ignorieren und durch Subventionen künstlich Nachfrage zu schaffen, die keinen Sinn ergibt.

    Es wurde der Umwelt dadurch bisher überhaupt kein Gefallen getan. Grade auch bei den ersten Anlagen stellt sich die Frage ob der Energieertrag überhaupt die Energie decken kann, die bei der Herstellung verwendet wird. Energie kostet nunmal grob 10 cent pro Kilowattstunde, wenn ich durch alternative Energieträger diesen Preis wirtschaftlich unterbieten kann, kann ich mir auch sicher sein der Umwelt zu nutzen. So aber könnt ich die 47 cent einsacken und vereinfacht gegesprochen bei der Herstellung Energie für 30 cent verbraten.

    AntwortenLöschen
  10. @techinno:

    Diese Best-of-Regelung machen die in Japan. Man nimmt einfach 20% der besten Kühlschränke und nimmt die als Maßstab. Dieser Wert wird dann in 2 oder 3 Jahren verbindlich.

    Sehr sehr sinnvoll.

    Genauso könnte man es auch bei den Einspeisevergütungen machen. Ich habe das in dem Vorartikel beschrieben.

    AntwortenLöschen
  11. @Joerg:

    Das Gerücht mit der Frage "Kommt die Energie überhaupt zurück, die ich bei der Produktion verbraucht habe" kommt immer wieder auf. Es ist aber falsch.

    Selbst in Deutschland und selbst bei den ersten Anlagen war die "Stromernte" höher als der Verbrauch. Heute liegt die Amortisationsdauer bei weniger als 3 Jahren (und das sind die schlechtesten Werte). Moderne Dünnschichtzellen in sonnenreichen Regionen (Mittelmeer) amortisieren sich inzwischen in weniger als 1 Jahr.

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore