Zahl des Tages (04.08.09): 206

Die CDS waren oft ein Thema hier. Nun ist in diesen Markt der Kreditausfallversicherungen die Normalität zurückgekehrt. Und die Forderungen nach mehr Transparenz haben inzwischen immerhin auch zu Ergebnissen geführt. Gut, die zentrale Clearingstelle ist (noch?) nicht gegründet, aber immerhin werden die Preise und auch die Umsätze transparenter.

So klärt sich auch die Frage, wer zum Teufel einen CDS auf die USA kauft, weil mir (und anderen) völlig unklar ist, wer noch zahlen kann, wenn dieser Fall eintreten sollte. Denn wenn die USA zusammenbrechen sollten, kann man wohl das gesamte Weltwährungssystem abhaken ... Die Antwort auf die Frage am Anfang des Abschnitts ist einfach: Fast niemand. Auf die USA stehen nur magere

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Kontrakte aus, also so gut wie nichts (IIRC lautet ein Kontrakt auf 10.000 Dollar Nennwert, es wären also nur US-Staatsanleihen im Wert von etwa 2 Millionen versichert. Bei ein paar Billionen Staatsschulden ist das nicht einmal in Promille sinnvoll auszudrücken).

Auch andere solide Schuldner (Deutschland, Japan, Frankreich und übrigens auch Großbritannien) werden kaum gehandelt. Der Grund ist wahrscheinlich ähnlich: Ein Ausfall erscheint einfach nicht vorstellbar und wenn doch, dann nicht, dass in diesem Fall noch jemand für dem Ausfall geradesteht, daher also der Abschluss einer Versicherung sinnlos ist.

Bei den Schuldner, bei denen ein realistisches Ausfallrisiko gesehen wird (und im Fall der Pleite auch noch jemand da ist, der zahlen kann), sehen die Zahlen schon ganz anders aus. Auf Brasilien z.B. gibt es über 11.000 Kontrakte, auf die Türkei über 10.000 und auf Russland 7.000.

Aber generell werden die Staatsanleihen verblüffend wenig gehandelt. Das fällt vor allem im Vergleich zu relativ kleinen Firmen wie z.B. Volvo auf, wo allein schon über 3.000 Kontrakte offen sind.

Übrigens tauchen in den Listen auch meine beiden Favoriten MBIA und Ambac mit sehr niedrigen Versicherungsprämien auf. Dabei habe ich aber zuerst übersehen, dass bei beiden direkt 500 Basispunkte im Voraus fällig werden ...

So aber jetzt zum Abschluss noch die CDS-Prämien für die USA: 24 (war mal fast bei 100), für Deutschland 25, für Japan 26 und selbst für Großbritannien, das manche schon im freien Fall gesehen haben, nur noch 49. Die hohen Prämien zur Jahreswende waren wohl doch nur viel Lärm um nichts. Aber ein guter Zeitpunkt um silberne Teekannen zu kaufen ...

Spannend z.B. auch die Prämien für Ford: Von 1.757 vor einem Monat auf jetzt "nur noch" 980 Punkte. Das Cash for Clunkers wirkt auch am CDS Markt.

Es lohnt sich ein Blick auf die sehr umfangreichen Daten, die Markit inzwischen glücklicherweise kostenlos zur Verfügung stellt:. Hätte ich die damals gehabt, wäre wohl manche Diskussion weniger hysterisch ausgefallen.

Markit: CDS Center

Markit: Free CDS Pricing Report

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