Zahl des Tages (12.08.09): 41

Eigentlich bin ich auf die Zahl gestoßen, weil irgendjemand (war bestimmt der Knüwer) beim Handelsblatt die clevere Idee hatte, in der aktuellen Meinungsumfrage zur Bundestagswahl die Piratenpartei einzubauen (liegt übrigens bei 2%).

In die Umfrage ist aber auch die Frage eingebaut worden, ob die Banken verstaatlicht werden sollten. Dabei stimmte zwar die Mehrheit (46,7%) mit Nein, aber immerhin

41%

stimmten mit Ja.

Das finde ich einigermaßen überraschend.

Leider kann man die Zahl nicht weiter einordnen, denn dazu hätte man mindestens noch eine weitere Branche abfragen müssen (z.B. die Autobranche oder die Landwirtschaft). Vielleicht wären auch dort, unabhängig von den hier im Blog diskutierten Problemen im Bankensektor, 30 oder 40% der Deutschen für eine Verstaatlichung. Und Deutschland ist immer noch sozialistisch.

Meine Meinung zu den Rettungen der Banken war immer einfach: Geld des Staats nur gegen Eigenkapital. Und wenn dann so oft gerettet werden muss, dass der Staat die Mehrheit hat, dann hat er sie halt. Und kann bestimmen, wohin der Zug fährt. Dann wird entweder abgewickelt oder erstmal saniert und später wieder privatisiert.

Handelsblatt Umfrage: Sollten die Banken verstaatlicht werden?

Kommentare :

  1. Die 41% hatten bestimmt die HRE als Hintergedanken (100+x). Dann kam noch die Commerzbank hinzu (10+x). Aber die hat einen Gut gehabt weil ansonsten die Dresdner bei der Allianz hängen geblieben wäre (40+x). Der ganze Rest sind LBs die eh schon staatlich sind. Die haben glaube ich die Privaten mehrfach in die Tasche gesteckt - mit den Verlusten (xxx).

    Ich glaube der Steuerzahler hatte von Anfang keine Chance. Entweder war es schon seine Bank oder seinen ganzen Finanz- und Versicherungsprodukte bei den Privaten wären explodiert. Kein Entkommen möglich - Außer man hat nichts, dann kann man auch nichts verlieren.

    Eigentlich haben die Amis alles richtig gemacht: Das Geld anderer Leute verprassen und dann einfach nicht bezahlen. So kann ein Land auch zu Wohlstand kommen.

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  2. Man kann sich die 41% schön zusammenreimen,lange diskutieren, ... Aber eigentlich ist es eine Zahl, die mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet ...

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  3. Ich denke ein großer Teil der 41 ist "so eine Phase" im Gemüt der Leute. Das ist doch auch klar. Da macht der Staat so ein xxx Mrd Soffin-Topf "mit meinen Geld" auf und dann "gehört mir das alles" noch nicht mal. Ungefähr läuft der Nachdenkprozess bei vielen Menschen die natürlich über die xxx Mrd nur staunen (ich staune auch immer wieder). Und es weiß ja auch niemand wer wie mit wieviel warum gerettet wurde weil das der Lenkungsausschuss nicht sagt - Man kann nur darüber spekulieren und sich aus bekannten Informationen zusammenreimen. Daraus (und dem Problem selbst auch) entsteht Ambiguität/Mehrdeutigkeit, was Menschen nicht mögen (Ellsberg Paradox). Die Lösungsalternative "alles verstaatlichen" ist dagegen nicht mehrdeutig.

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  4. Ehm. Die Alternative "nichts verstaatlichen" ist auch nicht mehrdeutig, wenn damit gemeint war keiner Bank einen Staatskredit zu geben.

    Es wäre dann aber wieder mehrdeutig aus Sicht der Sparer, Anleger, Versicherungsnehmer (d.h. Allem Wohlhabenden und dem kompletten Mittelschichtsbauch) weil die dann nicht genau wüssten ob sie in Zitronen ihr Geld angelegt haben. Jedoch werden diese Entscheidungsvariablen unwichtiger wenn es sich um kleine Anlagesummen handelt oder die Person garnicht weiß wie Kugeln in der Urnen vermischt sind bzw dass es so ist. Dann würde man sagen "pleite gehen lassen" ohne zu bedenken dass man am Ende selbst was verlieren könnte.

    Dann gibt es noch Hardliner (wannabe Fundamentalisten) die aus Equity-Sicht sagen dass man auf garkeinen Fall verstaatlichen darf - Dann darf man aber auch keine Staatskredite annehmen (z.b. HRE Aktionärsaufstand). Da sind oft Eigeninteressen im Spiel und manchmal auch etwas Propaganda-Blindheit.

    Dann gibt es noch (echte) Markt-Fundamentalisten die sagen dass der Staat garnicht hätte retten dürfen und die Banken in ein Insolvenz- bzw Liquidationsverfahren hätten schicken müssen. Das ist anreiztechnisch die sauberste Lösung.

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  5. Jaja, es gibt mehr neue Fragen als Antworten durch die Umfrage, so viel steht fest.

    Wenn man die genaue Frage nicht kennt, kann man eh nichts beurteilen. Schon die reihenfolge der Fragen kann das Ergebnis komplett umwerfen.

    (wenn man vor der Frage zur Verstaatlichung der Banken etwas Unsinniges zur Verstaatlichung vorschlagen würde (also z.B. Friseursalons) würde die Zahl direkt niedriger ausfallen. Fragt man nach einer anderen Sache, bei der der Großteil der Bevölkerung für Staatseinfluss ist (z.B. Mindestlohn), fällt die Zustimmung zur Verstaatlichung höher aus).

    Bei der HRE habe ich die verlogene Diskussion nie verstanden. Hilfe des Staats nur gegen Eigenkapital. Eigenkapital über den normalen Weg mit Zustimmung und Bezugsrecht der Aktionäre. Haben die dann ein Interesse daran, für die neuen HRE Aktien noch 10 Euro zu bezahlen, sollen sie es machen. Wenn nicht, kauft der Staat. Dann hat der Staat irgendwann seine 95%, macht einen Squeeze Out und hat die Bank unter Kontrolle. Die Aktionäre können dagegen klagen, aber halten den Zug nicht auf.

    Man müsste so ein Verfahren u.U. noch in ein neues Gesetz gießen, das die nötige Beschleunigung erlaubt, aber sonst steht der Rahmen eigentlich komplett ...

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  6. Ich habe in der DerivateV §12 Abs.3 reingeguckt. Ist zwar eine alte Version von 2005 aber warum sollte man das ändern. Da steht ganz klar dass bei kurz mit lang die Spreadrisiken zu bewerten sind. Und da Zinsstrukturen wirklich keine Neuheit im Bankgewerbe ist und alle paar Jahre ordentlich umherwirbelt zählt die Ausrede man hätte es nicht ahnen können garnicht. Und die HRE hatte nur ein Zinsstruktur-Derivat was Depfa hieß. Von Aktionären kann man verlangen dass sie sich damit beschäftigen woher die Gewinne ihres Investment kommen. Darum müssen die sich mal an die eigene Nase fassen wenn es in die Hose geht. Unsere Politiker sind aber still weil ihre IKB, Sachsen LB und Co genauso einen Mist machten. Am Ende helfen keine Gesetze, Verordnungen und noch nicht mal Fachwissen gegen Dummheit. Man muss es sich mal vorstellen: unsere Politiker stellen sich vor die Presse verlangen schärfere Regeln, aber haben auf die vorhanden Regeln gepfiffen als sie selbst im Verwaltungsrat einer (Pleite-)Bank saßen. Wenn man einen Politiker darauf festnagelt kommt dann etwas wie "das steht in einem anderen Gesetz was hier keine Anwendung findet" - Das ist Dummheit pur.

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  7. Ich würde sagen, dass dies vor allem an der aktuellen Finanzkrise liegt. Die Menschen sehnen sich nach einem starken Staat. Mit sozialistischem Gedankengut hat das, meiner Meinung nach, wenig zu tun.

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