Zahl des Tages (14.08.09): 30%

Auf besonderen Wunsch von drei einsamen Wettern, die gegen meine Immo-Wette gehalten haben, heute mal wieder ein skeptischer Blick auf den US-Immobilienmarkt.

Nach einer Studie von Zillow werden durch die Kombination aus weiter fallenden Preisen und steigender Arbeitslosigkeit im Sommer 2010 etwa

30%

der Hypotheken "unter Wasser" sein.

So nennen die Amerikaner die Situation, wenn die Hypothek höher ist als der Wert des Hauses. Es schadet an dieser Stelle nicht, mal wieder darauf hinzuweisen, dass der Hausbesitzer dann einfach ausziehen und den Schlüssel für das Haus bei der Bank abgeben kann und aus der Nummer raus ist. Er haftet nämlich ausschließlich mit der Immobilie für die Hypothek und nicht mit seinem gesamten privaten Vermögen (und vor allem nicht mit seinen zukünftigen Einkommen). OK, das wird man trotzdem nicht leichtfertig machen, wenn man nur knapp "under water" ist, aber gemacht haben es schon genügend (Ex-)Immobilienbesitzer in dieser Krise.

Ansonsten ist die Studie leider ein wenig tendenziös, denn sie weist zwar darauf hin, dass der Lagerbestand an unverkauften Häusern wesentlich höher ist als 2000-2005, vergisst aber zu erwähnen, dass erstens diese Jahre ausgesprochen gute waren und zweitens der Lagerbestand im Winter schon deutlich höher lag, also eine Besserung zu sehen ist.

The Big Picture: Zillow: Underwater Mortgages May Reach 30%

Übrigens gibt es auch in Großbritannien ähnliche Schätzungen. Dort geht die Ratingagentur Fitch von bis zu 23% der Hypotheken aus, die bis 2010 under water geraten könnten:

FT: Fitch report highlights negative equity woe

Aber zurück in die USA. Hier gibt es noch eine weitere Zahl, die in das "heute mal pessimistisch"-Posting passt: Die Anzahl der Foreclosures.

Diese Foreclosures (am ehesten mit der deutschen Zwangsversteigerung zu vergleichen) steigen weiterhin deutlich. Ein Plus von 7% im Juli hört sich dabei nicht so dramatisch an, aber es ist kein Jahresvergleich, sondern ein Monatsvergleich. Im Jahresvergleich beträgt das Plus satte 32%.

Von dieser Seite kommt also weiter Druck auf den Markt. Ich glaube aber, dass sich wegen die niedrigen Preise die Nachfrage inzwischen so weit stabilisiert hat, dass die Preise nicht mehr wesentlich weiter fallen und (im zugegeben optimistischen Fall) sogar schon den Boden gesehen haben.

Realitytrac: U.S. FORECLOSURE ACTIVITY INCREASES 7 PERCENT IN JULY
Spiegel: Zwangsvollstreckungen in den USA erreichen Rekordhoch

Kleine Randnotiz: In den USA kann man eine Übersicht über Foreclosures als Dienst einkaufen. Sogar als Karte, in denen die Foreclosures eingezeichnet sind. Wer sowas mal braucht:

Foreclosureradar

Kommentare :

  1. "dass der Hausbesitzer dann einfach ausziehen und den Schlüssel für das Haus bei der Bank abgeben kann und aus der Nummer raus ist. Er haftet nämlich ausschließlich mit der Immobilie für die Hypothek und nicht mit seinem gesamten privaten Vermögen (und vor allem nicht mit seinen zukünftigen Einkommen)"

    Dazu mal ne Frage Egghat: Ich habe von Freunden aus Kanada gehört, dass dieser Weg versperrt ist, wenn mit der Hypothek Konsumkredite besichert sind. Dass also Hausbesitzer, die ihr Haus belastet haben um sich einen tolles Auto zu kaufen, so einfach aus dieser Nummer nicht rauskommen.

    Weisst Du da genaueres?

    Gruß Zecke

    AntwortenLöschen
  2. Neeh, keine Ahnung.

    (und wenn es sich im Kanada handeln sollte: Da kann es sowieso alles nochmal ganz anders sein kann)

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore