Zahl des Tages (14.08.09): 702.400.000

Alle (also z.B. ich), die die Hoffnung hatten, dass sich in der (bzw. durch die) Krise etwas ändert, müssen leider feststellen, dass davon nur wenig zu erkennen ist.

Es gibt bisher keine strengeren Regulierungen für die Banken, es gibt keine zentrale Kontrolle für CDS, es gibt keine Überarbeitung von Basel II, es gibt keine Idee, wie man die nächste Krise vermeiden soll und noch schlimmer keine Idee gegen die nächste drohende Kettenreaktion.

Und wenn man etwas pessimistischer an die Beurteilung geht, muss man zugeben, dass wir am Ende sogar Banken haben, die nicht mehr "too big to fail", sondern "much too big to fail" sind. Die Bilanzen der Banken sagen dank der aufgeweichten Buchhaltungsrichtlinien nichts mehr aus. Die Kontrolle des US-Finanzsystem soll bei der Fed aufgehängt werden, einer Institution, die nichts vorhergesehen hat und sogar maßgeblich verantwortlich für die Krise ist. Sicher ist nur: Wir haben einen Haufen neuer Schulden und mehr Arbeitslose.

Juuuchuuh.

Wir haben den perfekten Bailout mit 100% funktionierendem Moral Hazard bekommen.

Tja, und was ist die passende Meldung dazu? Der Verdienst der CEOs. Der Bericht ist mit dem schönen Titel "The Top Ten Highest Paid CEOs of 2008: Pay Hits the Gas Pedal While the Economy Hits The Brakes" versehen.

Und das Gehalt von Schwarzman, dem Chef der Hedgefondsgesellschaft Blackstone, hat mit

702.400.000 (702,4 Millionen) Dollar

wirklich "Gas gegeben". Rezession? Welche Rezession! Nix für mich!

FT Alphaville: CEO pay: Schwarzman’s $702m package
The Big Picture: Blackstone CEO “Earns” $702 million

Meine negative Einschätzung zum Lernerfolg durch die Krise teilt auch (teilweise) ein Artikel

Handelsblatt: Was uns zwei Jahre Finanzkrise lehren

Ich teile darin nicht alle Einschätzungen, insbesondere nicht die, dass es nur drei Lehren sind, die man ziehen müsste, die in der Politik aber nicht angekommen sind. Es sind nämlich (s.o) eigentlich mehr.

Aber das hier stimmt auf jeden Fall:

"Der Wille, eine neue globale Finanzordnung zu schaffen war vor sechs Monaten stark, scheint aber inzwischen zu verpuffen."

Warum auch? Die Krise ist doch vorbei. Den absurdesten Titel hat Thomas Fricke von der FTD "verbrochen":

FTD: Wie wir die Rezession besiegten

Da wird aus 0,3% Wachstum in der Vorabschätzung des BIPs des dritten Quartals der Sieg über die Rezession gemacht. Wuhah. Das allein dürfte schon etwas arg voreilig gewesen sein.

Schlimmer aber noch: Fricke weiss sogar, woran das gelegen hat: An den Konjunkturprogrammen. Dabei hat er aber das größte Konjunkturprogramm vergessen: Das Kurzarbeitergeld, das maßgeblich dazu beigetragen hat, dass der privaten Konsum nicht eingebrochen ist. Dazu kam dann noch die Abwrackprämie. Die anderen Teile sind überhaupt noch nicht ins Laufen gekommen.

Aber diese Effekte sind - und da bin ich 100% sicher - nur (wie immer) das berühmte Strohfeuer. In einigen Monaten wird das Kurzarbeitergeld nach und nach auslaufen und dann gibt es Entlassungen. Dann läuft die Abwrackprämie aus und der Absatz von Autos wird zurückgehen. Als Folge bricht der private Konsum ein und wir werden wieder ein Minus beim BIP bekommen.

Keine Ahnung, wie der Fricke das dann erklärt? Die Konjunkturprogramme waren zu klein?

Ich bin kurz davor, wieder eine Rezessionswette anzubieten. So wie "damals". Zwei der kommenden vier Quartale (diesmal in Deutschland statt in den USA) werden im Minus sein. Wobei ich diesmal eher zu 6 Quartalen tendiere, denn ich erwarte einen W-förmigen Verlauf. Und der mittlere Berg könnte das zweite Halbjahr 2009 sein. Bis Ende 2010 müsste ich schon Zeit haben für zwei negative Quartale.

Kommentare :

  1. Es ist die Entwicklung des Außenhandelssaldo, der das BIP-"Wachstum" beschert hat: Die Importe sanken schneller als die Exporte. Damit steigt das BIP - Hurra!

    http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Zeitreihen/WirtschaftAktuell/Aussenhandel/Content100/kah613x12.psml

    Der Saldo wuchs um 8,1%. Bei einem geschätzten Anteil des Exportüberschusses am BIP von 5% (etwa 120 Mrd.) ergibt sich ein BIP Wachstum von 0,4%, das lediglich auf der Veränderung des Außenhandelssaldo beruht.

    Ob man wirklich damit glücklich wird und ob das ein gutes Zeichen ist, wenn vor allem der Ölimport sinkt, mag jeder selbst beurteilen.

    Gruß Zecke

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  2. Ich versuch es nochmal mit dem Link:

    Destatis

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  3. Die Wette würdest verlieren weil wir dann zum "bösen D-Wort" kommen was nach dem "bösen R-Wort" kommen kann. Ich glaube in der Gesellschaft würde es dann sehr unruhig werden. Ich jetzt schon die Bilder vor Augen. Dann lieber das "unangenehme S-Wort".

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  4. Hmmm, aber Mitte 2001 bis Mitte 2005 hatten wir schonmal 4 Jahre "Sägezahnkonjunktur". Da muss man gar nicht von Depression reden. Eher mal wieder von Deutschland als krankem Mann Europas ... Henkel, Sinn etc. bei Anne Will. War alles schon da. OK, damals war es Christiansen ..

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  5. Wenn wir das Basisjahr 2000 nehmen, gab es eigentlich kein/kaum BIP-Wachstum von 2000 bis 2004. Das war ein viel längerer Zeitraum als 97/98 oder 92/93. Meintest du das mit Sägezahnkonjunktur? (Dies bisschen auf und ab in den Quartalszahlen, sind wahrscheinlich nur Erhebungsfehler...aus den dan ein Elephant gemacht wurde)

    Irgendwie sieht es doch so aus dass wir wieder auf dieses 2000-2004 Niveau wieder zurückklatschen - trotz Staatsintervention. Schau' in den Hamburger Hafen und du siehst womit die BRD ihr BIP-Wachstum generierte und jetzt, zuzeit, eben nicht mehr geniert.

    Was den Amis deren Geldillusion ist (d.h. Geldschöpfung sei gleich Wertschöpfung), ist den Deutschen ihre Exportillusion (d.h. für Produziertes findet sich schon irgendwo ein Käufer, einfach so).

    Das mit der Depression sehe ich, dass es eine Rezession ist, wo es keine Gewissheitheit gibt ob es nicht noch schlimmer werden kann (für Physiker: Man kann kein Ornstein-Uhlenbeck Prozess annehmen sondern eine Brown'sche Bewegung; Für Ökonomen: Mean Reversion Annahme funktioniert nicht, folglich auch keine un/sichere Arbitragemöglichkeit, sodass Agenten nicht handeln; Für Psychologen: Es gibt keinen Referenzpunkt, keinen Anker; Für Sozialwissenschaftler: Keiner weiß wie es weiter geht, und die Menschen verfallen in Art Schockstarre).

    Ich denke man muss sich die Aushandelsbilanzen, die Güterströme angucken.

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  6. Stimmt, Christiansen! Was macht die eigentlich? Keine Talkshows mehr?

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  7. Fahrt an den Rhein und schaut was richtung Rotterdam fährt nix und runter richtung Basel nur Tankschiffe so sieht am Rhein kein Wirtschaftsaufschwung aus aber vieleicht sollte ich mal an die Elbe fahren... :)

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  8. @anonym:

    Dass wir einen richtigen Aufschwung haben, hat ja auch niemand (zumindest hier) behauptet. Aber wir haben das Ende des Absturzes ... Ist ja auch schon was ...

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