Zahl des Tages (17.08.09): 747

Hmmm, ist es ein Flugzeug? Nein, es ist die Anzahl der Bankenpleiten ... Aber keine Angst, nicht die in der aktuellen Krise (und nein, es ist auch nicht meine Prognose), sondern es ist die Anzahl der Bankpleiten in der Savings & Loans Krise 1989-1995. Damals sind

747

Banken von der FDIC gerettet bzw. abgewickelt worden.

Es lassen sich aus dieser Zahl ein paar interessante Vergleiche ziehen.

Erstens zeigt sich, dass die jetzige Krise zumindest aus Sicht der Anzahl von Bankenpleiten nicht ungewöhnlich ist. Das gab es schonmal und zwar in deutlich größerem Umfang. Und wir haben es überlebt.
Allerdings unterscheidet sich die Krise natürlich schon, denn mit Lehman ist eine der systemkritischen Megabanken Pleite gegangen. Und ohne die riesigen staatlichen Rettungsaktionen hätte es wohl auch Bear Stearns, JP Morgan und zumindest die Citigroup erwischt. (OK, wenn noch eine von den vorgenannten zusätzlich zu Lehman gefallen wäre, hätte es die anderen auch mitgerissen).

Außerdem ist eine Sache auffallend, die ich in meiner samstäglichen Bankenpleiten-Zahl-Des-Tages auch schonmal angesprochen habe (wobei der Hinweis von einem Kommentator stammte): Der Betrag, mit dem sich die FDIC bei den geretteten Banken engagieren muss, ist hoch und wird höher. Bei drei der 5 Pleiten am Wochenende betrug der Schaden für die FDIC etwa die Hälfte der Assets (Zahl des Tages (15.08.09): 99).
Da fragt man sich schon, warum die Bankenaufsicht Banken, bei der offenbar eine Hälfte der Aktiva nur heiße Luft zu sein scheint, so lange weiter machen lässt.
In der großen Sparkassenkrise (Savings & Loans Anfang der 90er) lag die Lücke, die die FDIC decken musste, im Durchschnitt bei "nur" 19%. In dieser Krise beträgt der Wert im Schnitt 25% und nach meinen Beobachtungen steigt der Wert weiter. Die drei 50-Prozenter vom Wochenende sind nur ein weiterer Beweis dieser These.

(NB: Bei Calculated Risk werden andere Werte aus dem WSJ zitiert. Diese sind beim WSJ inzwischen verschwunden/verbessert: "For the 102 banks that have collapsed in the past two years, the FDIC's estimated cost averaged 34%. That is sharply higher than the 24% rate between 1989 and 1995, when 747 financial institutions were closed by regulators." Calculated Risk: WSJ: Loss Rates for FDIC higher than during S&L Crisis. Den Unterschied kann ich nicht erklären, es ist aber egal, weil die Tendenz gleich bleibt; die (prozentualen) Verluste dieses Mal sind höher als in der letzten großen Bankenkrise).

Durch die großen Lücken ist der Cashbestand der FDIC auf nur noch 13 Mrd. Dollar gesunken. Es wird bei der aktuellen Zahl von Pleiten wohl nicht mehr lange dauern, bis die FDIC auf die neu geschaffenen Geldquellen (die übrigens IIRC unbegrenzt sind) zurückgreifen muss. (Aus deutscher Sicht sollte man eh nicht mosern, der deutsche Rettungsfonds war bereits nach einer einzigen Pleite einer einzigen Niederlassung einer einzigen amerikanischen Bank (Lehman Brothers Deutschland in Frankfurt) komplett leer ...

WSJ: Failed Banks Weighing on FDIC

Aber man kann dem Ganzen auch einen positiven Aspekt abgewinnen: Die Krise 1989-1995 haben die USA (und der Rest der Welt) auch überlebt ...

(Allerdings muss ich gestehen, dass mich die immer größer werdenden Lücken, die durch die Rettungsaktionen sichtbar werden, nicht gerade beruhigen. Und darauf hinzuweisen, dass dahinter möglicherweise die aufgeweichten Bilanzierungsrichtlinien stecken, spare ich mir. Das würde nämlich nur heissen, dass in den anderen Bankbilanzen ebenfalls ähnliche Löcher stecken. Und wenn man anfängt, über sowas nachzudenken, kann man nur schlecht einschlafen ...)

Die FAZ hat übrigens auch einen Artikel zu den Pleiten und dem schrumpfenden Cashbestand bei der FDIC. Der Aspekt "größer werdendes Loch" fehlt dort aber (dafür gibt's dort ein paar schöne Charts, von denen aber die Hälfte nur peripher mit dem Thema zu tun hat ...)

FAZ: Dem Einlagensicherungsfonds gehen die Mittel aus

Update (18.08.09):

Vielleicht noch eine interessante Zahl in diesem Zusammenhang:

Es gibt in den USA insgesamt (noch ...) etwa 8.300 Banken.

Handelsblatt: Dreikampf um US-Institute

Kommentare :

  1. Moin!

    Der FDIC ist meiner Meinung nach schon Pleite, wenn man nur die Einlagen in den DIF von den "Kunden" Zählt. Da anscheinend die FDIC unbegrenzt bei dem Tresury Department $ anfordern kann, ist es dann aber doch nicht sooooo schlimm.

    Link 1: FDIC artikel bei B4RP

    Link 2: 2ter FDIC Artikel bei B4RP nach den neuesten Bankencrashs

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  2. Uups. Ich meinte: "Der DIF der FDIC"
    Anmerkung, warum es nicht soooo schlimm ist: Eigentlich wäre es schon schlimm denn normalerweise müssten dadurch die T-Bills abverkauft werden, und der Staat aufgrunddessen die Verzinsung stark anheben, das sie wieder Gekauft werden. Aber da das Treasury Department so gut mit der FED und den Primary Dealern zusammenarbeitet, macht das momentan nichts, denn sie können da munter herrummaniouliueren.

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  3. Dabei sollte man allerdings auch nicht vergessen, dass viele Pleitebanken von anderen Banken übernommen werden. So verschafft man sich zeit, in dem die ganz Schlechten bei den etwas weniger Schlechten Unterschlupf finden. Dadurch gewinnt man Zeit, denn die maroden Assets verschwinden erst einmal in einer anderen Bilanz...

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  4. @Oliver:

    Dass die FDIC (jetzt) eine unendliche Finanzquelle hat, habe ich ja geschrieben, war nur zu faul, noch einen Link dazu rauszusuchen. Danke für den Nachtrag.

    @Magnum:

    Dass die übernehmende Bank noch schlechte Assets schlucken muss, glaube ich ehrlich gesagt nicht. Das ist ja genau der Part, den die FDIC übernimmt. Ich schätze, dass die Bilanz der fusionierten Bank im Schnitt besser ist als vorher. Also sich die "übernehmende" auf Kosten des Steuerzahlers saniert (was übrigens politisch auch gewünscht sein dürfte).

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  5. Okay, danke für den Hinweiss auf dieses weitere staatliche "Banken-Unterstützungprogramm", egghat!

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  6. General Desaster19 August, 2009 21:13

    Ich bin ein begeisterter Leser deines blogs - keep up da good work

    Btw ein nettes excel, demnach die FDIC fast pleitze ist..

    lgK

    http://www.tradingfloor.com/EN/Documents/Research%20Note/Banking%20Failures.xls

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  7. @General Desaster:

    Danke für den Link, auch wenn ech glaube, dass das Sheet falsch ist, weil es die Einnahmen der FDIC nicht berücksichtigt. Die Banken müssen ja a) in den FDIC einzahlen und b) fließen für die übernommenen Assets ja durchaus manchmal noch Gelder (Zinsen).

    Die Lage ist trotzdem schlecht, denn die Deckung der FDIC liegt jetzt (Ende Q01/09) unter 0,30% der versicherten Summe. Im Vorquartal war es noch 0,37%, davor 0,76, 1,01 und 1,2 (und da lag der Wert auch lange).

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