Die USA haben zuviel Schulden? Nein!

Die These ist sooo hirnig, dass ich mich echt frage, wer Ken Fisher Milliarden anvertraut ...

Ich mag ja Querdenker, aber zu behaupten, die USA gesamt hätten zu wenig Schulden und nicht zu viel, ist schon sehr gewagt.

Man kann darüber diskutieren, ob die Schulden der USA wirklich so dramatisch hoch sind wie manche meinen und der Point of no Return schon überschritten ist. Das tue ich auch und habe daher schon mehrfach darauf hingewiesen, dass die USA nach dem 2. Weltkrieg höher verschuldet waren als heute. Und das haben die USA relativ problemlos und ohne große Inflation abgebaut.

Aber das betraf NUR die Staatsverschuldung. Die Verschuldung der Privathaushalte damals war niedriger. Die Verschuldung der Unternehmen war niedriger. Insgesamt gesehen dürfte die USA noch nie so hoch verschuldet gewesen sein wie heute.
Vielleicht noch wichtiger: Die Schulden damals lagen im eigenen Land (die Staatsschulden wurden von den Amerikanern selber finanziert) bzw. bei Verbündeten. Heute liegen die Schulden im Ausland und das macht die USA viel angreifbarer.

Außerdem waren die USA damals Kriegsgewinner und nicht -verlierer. Die Demografie stimmte. Und die Bilanzen (sowohl von Unternehmen wie auch von Banken) waren voller stiller Reserven und nicht aufgeblasen mit heißer Luft.

Ken Fisher hat sehr viele spannende Ideen und Überlegungen. Aber wie er immer darauf kommt, nur die positiven herauszupicken und solche wie schlechtere Bilanzqualität oder höhere Auslandsverschuldung zu ignorieren, versteh ich nicht. Er kann doch denken ...
Für's Timing kann man den Mann definitiv vergessen: Haltet den Begriff Permabullen im Hinterkopf und mit diesem Disclaimer kann man sich dann seine Überlegungen anhören ... Vor der großen Krise hat der auch nur blauen Himmel gesehen. Nicht einmal Wolken waren da ...

The Big Picture: Too Much Debt? We Need MORE Debt, Says Ken Fisher

Kommentare :

  1. Das dürfte alle deine Frage zu Ken Fischer beantworten:

    Als selektive Wahrnehmung bezeichnet man die im Unterbewusstsein verankerte Fähigkeit des Menschen, Tatsachen und Fakten zu verdrängen und nur den annehmbaren Teil der Realität wahrzunehmen, also den Teil, der die Integrität und das Ego des Wahrnehmenden nicht in Frage stellt. Diese Fähigkeit ist angeboren und verhilft dem Menschen dazu, sich seine eigene, auf die persönlichen Lebensumstände angepasste, Realität zu entwerfen und erfolgreich gegen äußere Einflüsse zu verteidigen. Das Wunschdenken ist eng mit der selektiven Wahrnehmung verwandt, bzw. geht aus derselbigen hervor.

    Die selektive Wahrnehmung erfolgt durch einen im Gehirn eingebauten Rezeptorenfilter, der die eingehenden Probleme erkennt, aussortiert und nur die Fakten an das kognitive Verständniszentrum des Gehirns weiterleitet, die für den Wahrnehmenden annehmbar und unbedrohlich erscheinen. Das Verdrängen von Problemen, die ein Umdenken des Wahrnehmenden oder die Änderung seiner Handlungsweisen erfordern würden, wird so ermöglicht und störende Eigenschaften wie Einsichtigkeit und Selbstkritik werden unterdrückt. Sollte bei einem Menschen die angeborene Fähigkeit der selektiven Wahrnehmung nicht stark genug ausgeprägt sein, kann er diese mit Hilfe eines Bretts vorm Kopf verstärken und ausbilden.

    Die selektive Wahrnehmung verhilft dem Menschen also dazu, sich selbst zu schützen und seinen geistigen Horizont adäquat einzuengen. Sie ist der Garant für persönlichen Erfolg aber auch Ursache für gesellschaftliche Missstände. Mit ihrer Hilfe kann Schuld und persönliche Verantwortung erfolgreich abgewälzt und eine mühsame Ursachenforschung von Problemen vermieden werden. Ob die selektive Wahrnehmung als Tugend oder Makel zu bewerten ist, sei dem Leser selbst überlassen.

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  2. ich habe Fishers Kommentar auch die Tage gelesen und mich ehrlich gesagt gefragt, ob ich mir über seine Aussage überhaupt Gedanken machen sollte.
    Das Problem ist ja, dass man den "optimalen Verschuldungsgrad" vermutlich nicht eindeutig bestimmen kann. In der freien Wirtschaft soll sich alles ungefähr im Gleichgewicht halten. Der Markt lotet dieses natürl. Gleichgewicht derzeit wohl aus. Von allzu experimentellen Eingriffen sollte man wie immer Abstand nehmen.

    Dass wir in den letzten Jahren Kreditexzesse hatten, die zu unkontrollierter Spekulation geführt haben, dürfte unbestreitbar und noch heute anhand der Kursschwankungen sichtbar sein. Wenn jeder Bankkunde befürchten muss, dass Kredite mit zweifelhaften Sicherheiten besichert sind, dann fordert man sein Geld zurück oder fordert eine höhere Risikoprämie/Zins oder Mischformen davon. Das schränkt die Kreditnachfrage automatisch ein.
    Wie man im derzeitigen Umfeld aber eine höhere Verschuldung anstreben kann, ist für mich nicht mehr nachvollziehbar. Wer soll die zusätzlichen Kredite vergeben, wer stellt die nötigen Sicherheiten ? oder soll beides der Staat machen ?
    Ich frage mich ohnehin, ob man überhaupt noch Banken braucht, außer für Dienstleitungen/Vermittlungen. Einlagen bei einer Bank sollte man meiner Meinung nach jenseits der gesetzl. Einlagensicherung ohnehin nicht mehr besitzen, weil man sich voll in Abhängigkeit seines Instituts begibt.
    Was weiß ich, wie risikoreich die Bank meine Einlagen verleiht ?
    Bei Pfandbriefen, Anleihen oder Aktien weiß man eher, welches jeweilige Risiko mein eingeht.
    Bei unserem aktuellen Banksystem muss man doch leider befürchten, dass sein mit 1% verzinstes Spargeld irgendwo in der Welt auf der Suche nach hohen Renditen vagabundiert und nicht mehr heimkehrt.

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