Nobelpreisträger Akerlof im Interview

George A. Akerlof hat zusammen mit Joseph E. Stiglitz 2001 den Wirtschaftsnobelpreis bekommen. Beide beschäftigen sich mit Entscheidungsfindung bei Informationsasymmetrien. Also wie handeln Personen A und B, wenn diese nicht die gleichen Informationen haben. Wichtig ist (für Normalsterbliche) daran nicht unbedingt, wie die beiden handeln, sondern zu erkennen, dass es diese Informationsungleichheiten gibt. Denn damit kippt eine der Basisannahmen vieler wirtschaftswissenschaftlicher Modelle. Und damit sind diese Modelle mehr oder weniger großer Murks. OK, man kann wie an jedem (korrekten) Modell ein paar Zusammenhänge erkennen und erklären, aber man darf eben auch nicht erwarten, dass dieses Modell die reale Welt umfassend abbildet und erkärt.

Die NZZ hat ein interessantes Interview mit Akerlof gemacht (danke an m106 für den Hinweis), das ich euch für den Samstagabend empfehle (zumindest wenn ihr sonst nichts vorhabt, Fernsehgucken zählt nicht):

NZZ Web-TV: Über die Macht von Vertrauen und Geschichten

Akerlof spricht dabei auch eine der Sachen an, die ich an den Kreditausfallversicherungen auch schonmal kritisiert habe: Warum kann man eigentlich einen CDS kaufen und damit auf den Ausfall eines Kreditnehmers spekulieren, wenn ich gar kein Geld an diesen verliehen habe? Die Versicherung macht so lange Sinn, wie ich mich selber gegen einen Ausfall absichere. Wenn ich mein Auto versichere, wenn ich mein Haus versichere. Aber wenn ich das Haus meines Nachbarns versichere, würde man sich in der Realität doch an den Kopf fassen. Bei CDS aber kein Problem ... Und damit sind allen legalen und illegalen Spielarten die Tore geöffnet ...

Guter Anlass übrigens, nochmal das Buch "Animal Spirits" von Akerlof und Shiller (auf den ja hier auch dauernd verwiesen wird) zu empfehlen:

Amazon: Animal Spirits: Wie Wirtschaft wirklich funktioniert

Kommentare :

  1. Das mit dem kaufen von CDS ist eine gute Frage. Warum eigentlich nicht eine Versicherung auf das Haus seines Nachbarn? Oder eine Lebensversicherung auf einen Menschen, den man nicht persönlich kennt, der auch davon nichts weiß?

    Für den Versicherer hätte das den Vorteil, daß er die zweifache Versicherungsprämie kassiert. Diese (eine Versicherungsprämie) aber in jedem Fall höher ist als die Schadenswahrscheinlichkeit (also zwei Prämien einen mehrfachen Gewinn versprechen) - sonst würde er sich doch gar nicht auf die Versicherung einlassen. Während der Versicherte hofft das ein Schadensfall nie eintritt (die Wahrscheinlichkeit von der Versicherung als gering eingeschätzt wird, da sonst die Prämie höher wäre).

    Das wiederum auf CDS übertragen hieße, das man als Versicherung (die die Prämie festlegt) mehr Gewinn erzielen kann, da die Prämie auch mehrmals bezahlt wird. Bei komplexen Produkten, wie z.B. Ausfallsversicherungen ergibt sich dann, je mehr Versicherungen abgeschlossen werden, je höher die Prämien, da der Markt (die Versicherten) einen Zusammenbruch befürchtet, warum sonst würden die Versicherungen nachfragt? Blöd nur, wenn die Schadenswahrscheinlichkeit auf den falschen Annahmen (Ratingagenturen) beruht.

    Für mich ist das alles rational. Und ich sehe eine Marktlücke darin, das man nicht Versicherungen auf fremde Häuser abschließen kann.

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  2. Ich fand am Anfang das kurze Kommentar zu den Medien ganz gut, dass Nachrichtenanbieter sich gegenseitig kopieren. Klar, Blogs machen das, aber Zeitungen machen das systematisch.

    Die Diffusion von Informationen (mit ihren Effekten) sind quasi ähnlich wie die Innovationsdiffusion (mit ihren Effekten). Das schoss mir so ein bisschen durch den Kopf dabei.

    Zu den Modellen... nunja. Da hat er schon drumherum geredet, weil er weiß, dass Modelle der Neue Institutionen-/Verhaltensökonomik super blöd zu modellieren sind, und ebenfalls unvollständig sein - Man kann nicht ALLES modellieren, weil es ansonsten kein Modell mehr wäre.

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  3. @Pierre Sanft

    Weil das dann keine Versicherung, sondern eine Wette ist.

    Und derjenige, der das Haus des Nachbarn versichert, ohne dass es ihm gehört, hat jetzt plötzlich ein Interesse, dass es abbrennt. (Wenn ich das das Haus besitze, will ja normalerweise nicht, dass ein Versicherungsschaden eintritt.)

    Ich schätze, wenn es erlaubt wäre, fremde Häuser zu "versichern", gäbe es plötzlich eine Reihe abgebrannter Häuser mehr. Ganz zu schweigen davon, wenn man Lebensversicherungen auf fremde Leute abschließen könnte...

    Und wenn Häuser mehrfach versichert werden könnten, steigt plötzlich das Risiko für die Versicherung. Denn bei einem abgebrannten Haus müsste sie plötzlich ein mehrfaches des Hauswertes zahlen. Blöd nur, wenn alle das gleiche Haus "versichert" haben. Ich schätze, für eine "Versicherung" wäre das ein völlig anderes Geschäftsmodell.

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  4. Eine Wette ist es sowieso, zumindest bei Lebensversicherungen kann man aber im Normalfall davon ausgehen, daß Versicherungsnehmer und Versicherer beide den Eintritt des Schadensfalls solange wie möglich hinauszögern wollen.

    Bei Brandversicherungen auf Scheunen kann das schon ganz anders aussehen.

    Und wo ist bei diesen Wetten jetzt eigentlich der Unterschied zu "naked shorts"?

    Auch da hat der Short Seller ein Interesse daran, daß es dem Unternehmen bzw. dessen Aktienkurs möglichst schlecht geht.

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