Zahl des Tages (03.09.09): 50.000.000.000

Spannende Entwicklung, die auch voll in die Berichterstattung in diesem Blog passt.

Die Themen sind China, der IWF, der Dollar und Gold. Und ich als (gemäßigter) Gold Bug.

Leider hat mir die Unze Gold heute nicht den Gefallen getan, wieder über die 1.000 Dollar-Marke zu steigen (991,70). Daher muss ich eine andere Zahl nehmen.

China hat heute bekanntgegeben, sich mit

50.000.000.000 (50 Milliarden) Dollar

an den Sonderziehungsrechten des internationalen Währungsfonds zu beteiligen. Europa hat die zugesagte Summe auch von bisher 75 auf 125 Mrd. Dollar erhöht.

Das Geld dient für mögliche weitere Rettungsaktionen des IWF für ins Straucheln geratene Länder. In dieser Krise müssten (Konjunktiv weil aus dem Kopf) Ungarn, die Ukraine, Rumänien und Island (u.a.) Kredite vom IWF bekommen haben.
(Ketzerische Anmerkung: Die Europäer waren wohl deshalb so großzügig, weil sie relativ sicher sein können, dass das Geld nach Europa (Baltikum, etc.) zurückfließen wird ...)

Spiegel: China kauft Anleihen für 50 Milliarden Dollar
Handelsblatt: China kauft IWF-Anleihen für Milliarden

Damit wären die Punkte China und IWF abgehakt. Wie kommt man nun zum Dollar und zu Gold?

Ganz einfach: Die Sonderziehungsrechte des IWF laufen gegen einen Währungskorb aus Dollar, Euro, Yen und Britischem Pfund. Die Sonderziehungsrechte sind also quasi eine eigene Währung und haben sogar ein eigenes dreistelliges Kürzel: XDR.

Der Korb besteht aus 0,632 Dollar, 0,410 Euro, 0,0903 Pfund und 18,4 Yen. In Prozent entspricht das 44% US-Dollar, 34% Euro und jeweils 11% für die beiden anderen (IWF: Illustrative Currency Amounts in New Special Drawing Rights (SDR) Basket).

Und hier wird es richtig spannend. Denn die Chinesen wollen schon länger weniger abhängig vom Dollar werden. Allerdings können die Chinesen auch ihre zu großen Teilen aus Dollar bestehenden Devisenreserven im Wert von mehr als 2 Billionen auch nicht so einfach auf den Markt werfen, ohne den Wert des Rests (und den Kurs des Dollars) komplett zu zerstören. Also muss China irgendwie anders vorgehen.

Nach und nach die dazukommenden Reserven in andere Währungen umzuschichten, wäre eine Möglichkeit. Die Sonderziehungsrechte als neue Weltwährung einzuführen, die andere. Angekündigt hat es China ja bereits zweimal in diesem Jahr:

WSJ: China Takes Aim at Dollar

Und warum jetzt Gold?

Ganz einfach: Aktuell gibt es nur eine Weltwährung: den US-Dollar. In der Geschichte gab es bisher nur eine Währung, die ihren Wert (übrigens über mehr als 6.000 Jahre) behalten hat: Gold. Und es erscheint kaum vorstellbar, dass die eine Weltwährung durch eine neue abgelöst werden kann, ohne dass es dabei zu massiven Verwerfungen kommen wird. Profiteur ist dann ganz klar das Gold.

Und das zeigt sich sogar schon ganz kurzfristig. Während das Handelsblatt was von "Gold steigt, weil man Inflation erwartet" schwafelt, steht bei FT Alphaville, worum es wirklich geht: Die wackligen Staaten wollen ihre Währung stabilisieren (indem sie Dollars verkaufen) oder sie kaufen Gold.

FT Alphaville: The SDR effect on the dollar, and gold
FT Alphaville: What’s driving paper gold?

HongKong holt übrigens sein Gold aus London zurück ...
Marketwatch: Hong Kong recalls gold reserves, touts high-security vault

Sicher ist sicher ...

(Ich will hier jetzt nicht die ganzen alten Argumentationsketten bzgl. Gold, Dollar, USA und Staatspleite aufwärmen. Daher nur stark verkürzt: IMHO ist es klar, dass die USA mehr oder weniger Pleite sind, wenn sie den Dollar also die Weltleitwährung nicht mehr kontrollieren. Und IMHO wollen die Chinesen langfristig auch genau das erreichen: Dem Dollar die Macht nehmen. Denn nur dann können die Chinesen auf Augenhöhe mit der Weltmacht USA kommen).

Kommentare :

  1. Schöner Beitrag, egghat! Drücke Dir&RWO am So. die Daumen - nur ein gutgelaunter Blogger ist ein guter Blogger ;-)

    ts

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  2. Hallo,

    Gold ist auch in meinem Bekanntenkreis immer wieder ein Thema. Ich kenne Leute mit Sparbüchern und Leute mit Futures. Ich bin jedoch eher mittelprächtig konservativ und bleibe beim Tagesgeld.

    Viele Grüße
    Peter

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  3. RBS? Rating A+. Also wirklich konservativ ist das nicht. Zumindest nicht für Gold Bugs ...

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