Zahl des Tages (04.09.09): 10,2%

Am Freitag hat man als Blogger immer das Problem, dass man eigentlich sehr früh bloggen muss, damit der Artikel noch Leser findet. Ab Freitagnachmittag nehmen die Leserzahlen deutlich ab. Nur schaffe ich es fast nie, am Freitag früh genug eine schöne Zahl zu finden. Heute ist da eher die Ausnahme.

Aber wenn es um das Thema Qualität von Bilanzen geht, bin ich gerne dabei. Ich sehe dort nämlich eines der Probleme, das dafür sorgen wird, dass die kommenden Jahr(zehnt)e für die Aktionäre nicht so ertragreich werden wie die knapp 20 Jahre von 1982 bis 2000. 1982 waren die Bilanzen voll mit stillen Reserven. Es wurde konservativ bewertet. Die Immobilien gehörten den Firmen und waren zum Teil auf Null abgeschrieben (und trotzdem noch was wert). Die Firmen hatten Cash. Die Entwicklungkosten für ein neues Automodell galten noch als Kosten und nicht als Vermögenswert (heute kann man die Entwicklungskosten tatsächlich als Vermögensgegenstand aktivieren). Vermögensgegenstände wurden nach dem Niederstwertprinzip bilanziert (sank der Wert, musste abgeschreiben werden) und blieben danach auch auf diesem Wert.

Damals waren die Bilanzen zwar wesentlich schlechter zu durchschauen, aber in fast allen Bilanzen steckten mehr oder weniger große stille Reserven. In der Krise hatten die Firmen einen Puffer, der sie dann oft noch durch die Krise brachte.

Heute hingegen bleibt der Schrott in den Bilanzen stehen und zwar mit dem Wert, den man "damals" mal angenommen hat. Vor allem in den Bankbilanzen stapelt sich der Schrott.

Damit haben die Bilanzen in nur gut 20 Jahren eine beeindruckende Kehrtwende gemacht: Ausgehend von intransparenten Bilanzen, in denen hohe stille Reserven schlummerten, kam es im Rahmen einer Transparenzinitiative zum Heben der stillen Reserven, was dann so weit getrieben wurde, dass die Bilanzen jetzt so ausgehöhlt sind, dass wir jetzt wieder intransparente Bilanzen haben, nur dass jetzt Verluste versteckt werden.

Fantastisch!

Das hat natürlich Auswirkungen. Und zwar auf die Kreditratings. Das ist ein altes Thema an dieser Stelle (Die Kreditprobleme in der USA werden immer schlimmer). Daraus nur die Grafik, die schön zeigt, wie sehr sich die Ratings verschlechtert haben.



Die 2% bedeuten, dass inzwischen nur noch 6 Firmen das bestmögliche AAA-Rating haben (Zahl des Tages (13.4.09): 6). Selbst Unternehmen wie die Lufthansa, die früher mal als eines der am konservativsten bilanzierenden Unternehmen galt (die Flugzeuge wurden extrem schnell abgeschrieben und brachten beim Verkauf fast immer außerordentliche Gewinn), ist inzwischen nur noch Junk (FAZ: Abstufung auf Junk drückt Anleihenkurse; hatte ich gestern auch schon gezwitschert).

Ich bringe diese langwierige Einführung vor allem aus einem Grund: Damit die Zahl des Tages nicht für ein normales Phänomen einer Wirtschaftskrise gehalten wird. Der unten angesprochen Abwärtstrend in einer Wirtschaftskrise ist zwar normal, nur führt die Erholung nicht wieder auf die Ausgangsstufe der Treppe zurück, sondern endet ein oder zwei Treppenstufen tiefer ...

Aber jetzt endlich zur Zahl des Tages. Die sinkende Bilanzqualität führt in einer Krise zu steigenden Ausfallraten. Im August ist die Ausfallrate von US-Junk-Bonds (BB,B,C/D in der Grafik oben) auf

10,2%

gestiegen (nach 9,4% im Juli). Auch wenn die erwartete Stabilisierung der US-Wirtschaft kommen sollte, erwartet S&P noch einen Anstieg auf über 13%. Das wäre der höchste Wert seit der Weltwirtschaftskrise (Top damals knapp 16%). Bei einer Verschlechterung der Wirtschaftslage könnte selbst dieses Hoch überwunden werden. S&P hält dann auch 18% Ausfallrate für denkbar.

Es sind dieses Jahr bereits Anleihen von 147 Unternehmen ausgefallen. Auch Herabstufungen gab es en masse: Anleihen im Wert von 2,9 Billionen Dollar wurden in den ersten acht Monaten des Jahres herabgestuft. In der ersten acht Monaten 2008 waren es "nur" 1,9 Billionen Dollar. Heraufstufungen gab es zwar auch (73,6 Mrd. vs. 35,8 im Vorjahreszeitraum), aber das sind im Vergleich nur homöopathische Dosen.

Reuters: U.S. junk bond default rate rises to 10.2 pct -S&P

gefunden über

Calculated Risk: Junk Bond Default Rate Passes 10 Percent

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