Zahl des Tages (06.09.09): 50%

Mal wieder was aus dem weiteren Feld der erneuerbaren Energien. Ich habe ja schonmal in meiner Diskussion über das Erneuerbare Energie Gesetz (EEG) erläutert, dass die zu hohe Förderung maßgeblich dazu beigetragen hat, dass zu viele Firmen mit zu schlechten Produkten zu zu hohen Preisen Solarzellen verkaufen konnten. Es entsteht ein klassischer Boom-Bust-Zyklus (auch als Schweinezyklus bekannt). Erst gehen die Renditen durch die Decke, das spricht sich herum (in diesen Fall sogar bis nach China), dann wird begonnen zu investieren und irgendwann sorgt das neue Angebot für zurückgehende Preise. Ist das neue Angebot groß genug, brechen die Preise u.U. auch ein. In der Folge gehen viele Firmen Pleite, solange bis Angebot und Nachfrage wieder in einem sinnvollen Verhältnis stehen.

Genau an dieser Stelle sind wir jetzt. Die Kapazitäten in China und den USA sind im letzten Jahr auf den Markt gekommen. Die Preise sinken deutlich und sind bereits so niedrig, dass nur die besten Firmen noch profitabel sind.

Ich habe aus dem Wust der Zahlen, die ein Analyst in einer Studie errechnet hat, die plakativste und am besten zusammenfassende herausgepickt, obwohl die anderen Zahlen ebenso spannend sind.

Der Analyst Robert Castellano von The Information Network schätzt, dass

50% (die Hälfte)

aller Solarzellenhersteller bis 2011 Pleitegehen werden.

Die Industrie säße auf einem Lagerbestand in Höhe von 122 Produktionstagen (Vorjahr: 71 Tage). Die Auslastung der Fabriken läge bei 27,9% gegenüber 48% in 2008. Die Preise für die Solarzellen seien inzwischen von 4,05 Dollar/Watt im 3. Quartal 2008 auf aktuell 1,80 Dollar eingebrochen.

Für 2010 erwartet die Analyse eine durchschnittliche Auslastung der Produktionsanlagen von 25,7% und einen weiteren Anstieg der Lagerbestände auf 133 Tage.

Das zöge einen weiteren dramatischen Einbruch der Preise nach sich. Bereits 2010 könnte 1 Dollar pro Watt erreicht werden, in 2011 sogar nochmal 50% weniger.

Da bin ich mal gespannt, wie das rot-grüne Märchen von der Solarenergie als dem Win-Win-Win augeht. Es kostet nichts, spart jede Menge CO2 ein und schafft Hunderttausende von Arbeitsplätzen in Deutschland. Ich habe immer gesagt, dass man von diesen Wins maximal zwei bekommt, und wenn man es falsch macht, sogar nur einen ...

Aber immerhin dürften wir bei 50 Cent je Watt Netzparität selbst in einem von der Sonne nicht gerade verwöhntem Land wie Deutschland erreichen. Das ist doch immerhin schonmal was ...

Digitimes: Solar crisis set to hit in 2010, 50% of manufacturers may not survive, says The Information Network
gefunden über
Barron's: Half Of Solar Firms To Fail, Analyst Says

siehe auch meine älteren Postings zu dem Thema:

Nochmal zu den Solarschulden ...

Zahl des Tages (24.08.09): 77.000.000.000

EEG: Subventionen für China

oder eine Suche (auch zu den technologischen Aspekten): Label Solarenergie

Update (23:54)

Mutig. Angesichts der Prognose oben würde ich mich aus dem Markt lieber komplett zurückhalten ...

Spiegel; Börsenprofis empfehlen Solaraktien aus China

Kommentare :

  1. Was hätten SPD/Grüne schon machen sollen? In den letzten Jahren haben andere Leute regiert. Das ist System in Deutschland. Eine Regierung installiert eine Geschenkemaschine, eine andere lässt diese Laufen ohne Hingucken.

    Ach ja die Branchenprognose bzw Beschreibung des Unvermeidbaren sehe ich ähnlich. Die Deutschen Herstellern sind zu teuer und werden am Lagerbestand ersticken. Und wenn man mehr Zeit für Lobbyarbeit verplempert als für Produkt- und Technologieentwicklung ist man auch ein bißchen selbst Schuld.

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  2. Ganz einfach: Eine Einspeisevergütung bauen, die sich *automatisch* mit sinkenden Preisen den Fortschritten bei der Technologie anpasst. Und nicht eine, bei der die Politiker sagen: So wir senken mal um 5,% pro Jahr. Wieso 5,5%? Wieso statisch? Das ist DUMM und *DER* Konstruktionsfehler im EEG.

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  3. Der Hauptzweck des EEG ist die Einsparung von CO2. Und gemessen daran ist das EEG ein Erfolg.
    Es gibt auch keine "Standardpreise" für eine Fotovoltaikanlage, nach der man die Einspeisevergütung berechnen kann. Die Modulkosten sind ja nur ein Faktor. Die Kosten einer Anlage könnnen erheblich schwanken, abhängig vom Gebäude, auf dem man die Anlage baut. Von daher halte ich egghats Vorschlag für unpraktikabel.
    Weiterhin frage ich mich, warum ihr euch so viele Gedanken über Kosten macht, die letztlich die Netzbetreiber zahlen müssen und die sie - wirtschaftswissenschaftlichen Analysen zufolge - nur zu einem geringen Teil auf die Verbraucher überwälzen können. Für den Strompreis hat das EEG keine großen Folgen.

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  4. Wupps. 0,6% des Stroms aus Fotovoltaik für 4 Mrd. pro Jahr?!? Ein Erfolg?

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  5. Außerdem: Diese Diskussion, dass es doch gar nix kostet, ist albern. Es geht darum, mit dem Einsatz des Geldes das Maximum herauszuholen. Auch wenn es angeblich nicht viel Geld ist, wenn man das nur über 40 Millionen Haushalte und 20 Jahre verteile ... So kann ich fast alles an Kosten verteilen und es tut nie jemandem wirklich weh. In der Summe tut's das aber schon.

    Wenn die Förderung der Fotovoltaik erst der Solarenergie das Geld in den A**** bläst (ja der Begriff ist angebracht, die Margen waren extrem hoch) und jetzt der anschließende Einbruch der Solarzellenpreise zur risikolosen Geldverdienmöglichkeit für Besitzer von Dachflächen wird, dann ist die Förderung eben NICHT effizient.

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  6. @wirtschaftswen. Kennst du den Spruch "Strom kommt aus der Steckdose"?

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