Zahl des Tages (11.09.09): 30%

Im Sommer 2007 waren es noch die Meister der Anlagestrategie, die Götter der Diversifikation (auch in diesem Blog: Und der Verwalter des Yale Stiftungsfonds fasst es mal kurz zusammen). Alles sprang auf den Zug auf, kaufte Diversifikationzertifikate, alles musste Hedgefonds, Wald und was weiss ich nicht alles im Depot haben ... Dann kam die Krise und sie wurden entzaubert. So schlimm entzaubert, dass für die Oma mit Sparbuch genügend Schadenfreude (oder Renditevorsprung) für den Rest ihres Lebens übrigbleibt ...

Um wen geht's? Um die Manager der Stiftungsfonds der Eliteuniversitäten Yale und Harvard. Deren Performance, die von der Krise entgegen aller Diversifikationsversuche nicht verschont blieb, litt so stark, dass diese hier schon ein paar Mal thematisiert wurde (Zahl des Tages (21.12.08): 25,Zahl der Tages (23.12.08): 16.000.000.000 und nochmal im Sommer: UTS #21: Harvard - Hazard). Da ich damals schon nach den abschließenden Berichten gesucht habe, aber nichts finden konnte, weil diese noch nicht veröffentlicht waren, war die Zahl bei der Veröffentlichung als Zahl des Tages quasi schon gesetzt.

Jetzt sind die Zahlen für das Geschäftsjahr 2008/2009 (bis Ende Juni) final und sie sehen nicht gut aus.

Der Stiftungsfonds der Harvard University ist um 11 Mrd. Dollar geschrumpft und musste 27,3% Minus verkraften.

Yale traf es noch schlimmer. Dort betrug das Minus

30%.

Das ist vor allem deshalb relativ viel, weil die Erholung seit Anfang März auch schon berücksichtigt ist. Auch im Vergleich zum Dow Jones Index, der knapp 30% verloren hat, gibt es keine Outperformance zu verzeichnen. Und die sollte Pflicht sein, den die Liquidität der Anlagen der beiden Uni-Stiftungsfonds ist deutlich schlechter als die von normalen Aktienanlagen (oder gar US-Staatsanleihen).

Jetzt wird die Anlagestrategie überdacht. Mich würde ein Vergleich mit Warren Buffet brennend interessieren. Aber nicht nur in der Krise, sondern auch in den Jahren zuvor.

Beide Unis musste kräftige Sparmaßnahmen einleiten, da der Geldfluss aus dem Stiftungsfonds nicht mehr zu üppig sprudelt wie bisher. Bei Harvard sind in den entsprechenden 12 Monaten immerhin 1,6 Milliarden Dollar aus dem Stiftungsfonds abgeflossen. Ganz schön teuer so eine Eliteuniversität, vor allem wenn man bedenkt, dass der Fonds die Kosten nur zu etwa 60% deckt. Die Gesamtkosten liegen als bei über 2,5 Mrd. Dollar ...

Spiegel: Elite-Unis Harvard und Yale verlieren ein Drittel ihres Vermögens
FAZ: Harvard und Yale haben sich verspekuliert
 
Harvard Magazin: Endowment Value Declines 29.5% as Investment Return Is Negative 27.3%


Kommentare :

  1. Ich würde es etwas relativer sehen weil diese funds sehr viel pe und vc machten. Das vc ist volkswirtschaftlich super aber extrem risikoreich. Bei pe geht es um sehr große beträge wo exit unter stress mit hohen abschlägen einhergeht. Sagen wir mal so. Die funds haben überlebt was dieser tage keine selbstverständlichkeit mehr ist.

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  2. Es würde es so sehen: Sobald sich ein Finanzexperte zu Wort meldet, egal ob von der Havard Businesschool, oder ein Prof. einer andereren Universität, oder ein selbsternannter, oder von den Medien hochgejazzter.

    Egal, welcher Experte (und wozu auch immer) - das Publikum sollte in ungehemmten Gelächter ausbrechen!
    Aber ich stellte immer wieder fest, das ich der einzige bin, der in sich hineinlächelt - man will ja nicht zu sehr auffallen.

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  3. @nigecus:

    Im Harvard Artikel sind die Vergleichsrenditen der jeweiligen Assetklassen mit drin. Auch danach (also relativ) war die Performance eine Enttäuschung.

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