Zahl des Tages (12.09.09): 1.300.000.000

Open und Steinbrück feiern sich für die Rettung von Opel. Komisch nur, dass die beiden von der Bundesregierung in den Treuhänderausschuss berufenen Experten die angebliche Rettung massiv kritisieren:

Dirk Pfeil von der FDP hat sich enthalten (ansonsten wäre der Deal - zumindest vorerst - geplatzt). Pfeil hat den anderen Bieter RHJ bevorzugt, aber auf "massives politisches Trommelfeuer" nicht gegen den Magna-Deal gestimmt. Laut Pfeil kostet die Lösung mit Magna den Steuerzahler

1.300.000.000 (1,3 Mrd.) Euro

mehr als bisher eh schon eingeplant war. Naja, wenn's sonst nichts ist ...

Handelsblatt: Opel-Treuhänder geißelt Magna-Deal
Tagesschau: "Politische Entscheidung, keine betriebswirtschaftliche"

Die Kritik von Ex-Conti-Chef (und damit aus der Branche kommend) Wennemer habe ich im ersten Kurzartikel schon gebracht, aber er hat nochmal nachgelegt (und übrigens auch konsequenterweise mit Nein gestimmt; damit war das sein letzter Job als Berater der Bundesregierung ... Respekt für so viel Rückgrat):

Nach seinen Berechnungen ist Opel - selbst bei vollständiger Planerfüllung (ach, wie aktuell die Begriffe aus dem real scheinbar wieder existierenden Sozialismus doch sind ;-) ) - 2010 überschuldet und defakto insolvent. Außerdem hält er die Beteiligung am Eigenkapital von 400 Millionen durch Magna für einen Witz. Dies sei viel zu wenig und fast das komplette Risiko läge so beim Staat. Außerdem sei Opel eh zu klein, zu ineffizient und die Autos seien naja soooo doll dann auch nicht.

VEB Automobilbau Adam Opel. Und das beschlossen mit den zwei Stimmen der Abgeordneten von GM, bei einem Nein und einer Enthaltung der deutschen Seite. Mich dünkt, dass schon dieses Abstimmungsergebnis klar macht, wer bei diesem Deal profitiert und wer zahlt.

Es würde mich nicht wundern, wenn nicht einmal die große Gefahr, die angeblich beim alternativen Käufer RHJ gedroht hat, vom Tisch ist: Dass General Motors mit Steuergeldern Opel saniert und nachher wieder (billig) zurückkauft. Alle andere Gefahren (Fass ohne Boden, für das der Steuerzahler haftet) sind eh nicht beseitigt.

FTD: Wennemer legt nach
Handelsblatt: Ohrfeige von deutschen Opel-Treuhändern

Kommentare :

  1. Es gab ein paar Möglichkeiten für diesen Deal:

    1. Insolvenz
    (politisch in einen sozialistischen Land mit Deutschland nicht zu machen!)

    2. chinesische/indische Käufer
    (nicht erwüscht, da kulturell nicht kompatibel)

    3. Finanzinvestor
    (halte auch ich persönlich wegen Erfahrungen von Grohe, Märklin, etc. für die schlechteste Lösung)

    4. GM behält Opel
    (wozu? ist das HighTech-Land USA wirklich zu blöd um eigene Autos zu bauen? Wer das glaubt ist wirklich b...)

    5. Ein anderer Autokonzern kauft Opel, wie z.B. Fiat
    (um den Opel-Blitz zu produzieren braucht man keine 25.000 Leute, das wußten auch deutsche Politiker)

    6. Magna/Sperbank

    war doch die beste Lösung. Keine kulturellen Probleme (Kanada ist genauso sozialistisch wie Deutschland, von Österreich ganz zu schweigen). Magna hat zusätzlich Erfahrung mit Autos - und nach Russland kann man die veraltete Opel-Technologie leicht verkaufen.

    Also, in Anbetracht der Sache - eigentlich die beste Lösung.

    Und sie wird halten.
    Die EU kann sich gar nicht leisten, die Übernahme zu stoppen - erstens weil Deutschland nicht ganz unwichtig ist, und zweitens weil Deutschland der größte Nettozahler dieser Bürokraten ist, nicht mal Bürokraten beißen die Hand die sie füttert.

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  2. Man muss sich fragen, wie stark der Wille von GM war Opel zu kaufen/behalten war (irgendwie machte sie ja beides), obwohl Wennemeier dagegen war und der andere Typ sich zumindestens enthalten hat.

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  3. @Pierre:

    Fiat wäre IMHO die bessere Lösung gewesen. Weil die weltweit hätten agieren können (Chrysler gehört ja jetzt auch dazu) und die Firma eine ausreichende Größe gehabt hätte.

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  4. Ich glaube auch, dass es bezeichnend war, dass GM für diese Lösung gestimmt hat, während sich die deutschen Vertreter enthalten haben bzw. dagegen gestimmt haben.

    GM wolltee an den Subventionstopf

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  5. @egghat
    Fiat hätte sich nur Marktanteile gekauft, Fiat baut selbst viel zu viele Autos. Sie hätten also die ganzen Werke in D nicht benötigt - und nachdem die Subventionen ausgelaufen wären, sofort mit den Werksschließungen (man erinnere sich nur an Nokia) begonnen.

    Wenn das Magna-Konzept aufgeht ist zumindest nicht mit Werkschließungen zu rechnen.

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  6. @Pierre:

    Du glaubst, dass die die Werke länger behalten als Fiat?

    Never ever!

    Ein Werk wie Bochum mit demnächst 3.000 Arbeitern macht eigentlich keinen Sinn mehr. Es ist zu klein. Dito Eisenach.

    Die Überkapazitäten werden verschwenden. Egal ob mit Fiat oder ohne. Das Problem mit Fiat ist wahrscheinlich ganz einfach: Die Italiener hatten wahrscheinlich keine Lust, selber Arbeitsplätze abzubauen, sich also am notwendigen Abbau signifikant zu beteiligen. Also kam nur ein Käufer in Frage, ein Käufer, der selber noch nichts abbauen muss bzw. durch Verlagerung der Produktion ins Heimatland sogar Arbeitsplätze schaffen kann.

    Ich bin mir fast sicher, dass wenn man in 10 Jahren auf Opel zurückblickt, das Verhältnis von von gesicherten Arbeitsplätzen zu Subventionen so erschreckend schlecht sein wird, dass das als Negativbeispiel in die Geschichte eingehen wird ..

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  7. Ich kann natürlich nicht die Zukunft voraussagen.
    Aber die nächste Zukunft traue ich mir zu.

    Also:
    Wenn die Tinte endlich unter den Verträgen trocken ist (falls sie jemals zustande kommen) wird ein beinhartes Sanierungskonzept kommen. Die Gewerkschaften werden aufheulen, falls Frankie, wie in Ö nicht gleich die ganze Bande fired. (Ich kann leider nicht genau seinen Dialekt nachmachen :-)).
    Merkel und Steinmeier werden noch den Tag verfluchen, oder wenn sie nicht mehr in Amt und Würden sind, bei Stronach arbeiten (sämtliche Politiker in Ö, egal ob von ÖVP, SPÖ, FPÖ haben in Ö nach ihrem Ausscheiden bei Magna angeheuert).

    Ich glaube, das dies auch euch und Opel bevorsteht. Am Ende, also in 10 Jahren wird Opel nicht 25000 Arbeiter haben, sondern 40000, und Magna Deutschland wird ein gewisser Karl T. Guttenberg leiten, beraten werden ihn Merkel, Künast und Drohsel.

    Und am 14.09.2019 werde ich ...

    (Dieser Beitrag ist wirklich das, was ich denke, bis auf die Namen ...)

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  8. Ich sehe Pierre spielt die "Jeder-ist-käuflich"-Karte

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  9. @nigecus

    Nein, ich spiele keine Karte. Ich beschreibe die Realität in Österreich.

    siehe:

    Vranizky: Bundeskanzler (SPÖ)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Vranitzky

    Grasser: Finanzminister (FPÖ, ÖVP)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Grasser

    Reichhold: Infrastrukturminster (FPÖ)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Mathias_Reichhold

    Westenthaler: diverse Parteifunktionen (FPÖ, BZÖ)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Westenthaler

    usw. ...

    Ich will damit keinesfalls sagen, das das schlecht für Österreich gewesen wäre - bei uns nimmt man das bestimmt nicht so genau wie in Deutschland.

    Ich wollte damit nur die Leute die Magna nicht so genau verfolgen konnten, wie wir das in Österreich taten, darauf vorbereiten wie Magna die Verbindungen pflegt und ihre Geschäfte betreibt. Eben auf sehr amerikanische Art ...

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  10. Ja, der Hintergrund von Magna ist spannend.

    Ich frage mich, ob die das in Deutschland auch so machen werden. Hier scheint es ja einfacher zu sein. Selbst ohne Connections werden die Milliarden schon locker gemacht ...

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