Zahl des Tages (17.09.09): 1.087.000.000.000

Wenn ich am Jahrestag der Lehman-Pleite angedeutet habe, dass ich diese Krise noch nicht für ausgestanden halte, bin ich natürlich in der Pflicht zu sagen warum.

Gestern und vorgestern gab es einen Blick auf den Immobilienmarkt in Irland und die jetzt beschlossene Rettungsaktion über eine Bad Bank, die man eigentlich eher Worse Bank nennen müsste, denn die vom Staat übernommenen Hypotheken werden schon in der Mehrzahl nicht mehr bedient (siehe Zahl des Tages (16.09.09): 30% und Zahl des Tages (15.09.09): 90.000.000.000).

Heute mal wieder ein Blick auf den US-Immobilienmarkt. Dabei weniger auf den privaten Sektor (der meiner Meinung nach mehr oder weniger den Boden gefunden hat, nicht umsonst habe ich darauf ja auch eine Wette laufen), sondern auf den geschäftlichen Bereich (Mietwohnungen, Büros, etc.). Auch dieses Thema ist nicht ganz neu und Stammleser wissen sowohl dass der Markt groß ist als auch dass die Preise dort schon kräftig gesunken sind. In die aktuell ziemlich positive Stimmung hinein kann man das aber ruhig beides nochmal erwähnen ... Vor allem wenn es aus dem Munde eines renommierten Mitglieds der Fed stammt.

Janet Yellen von der Fed of San Francisco warnt vor massiven Verlusten bei den Hypotheken auf gewerbliche Immobilien. Durch die dort zu erwartenden Verluste sei der Aufschwung der Gesamtwirtschaft und die Stabilisierung des Bankensektors äußerst wacklig. Kein Wunder, geht es doch laut Real Estate Monitor um Hypotheken in den Bankbilanzen im Gesamtwert von


1.087.000.000.000 (1,1 Bilionen) Dollar. Wohlgemerkt nur bei den Banken.

Das kann man jetzt kombinieren mit den Wertverlusten von 36% seit dem Hoch 2007 (Zahl des Tages (26.08.09): -36%). Und kommt dann schon auf ein schönes Sümmchen. Angesichts der aufgeweichten Buchführungsrichtlinien kann man fast sicher sein, dass die Verluste noch nicht sauber in den Bankbilanzen berücksichtigt sind. Auch bei den Pleiten der Banken, die die FDIC jedes Wochenende meldet, bleibt regelmäßig ein Loch von 25 oder 30%. Das macht wenig Hoffnung darauf, dass die sinkenden Werte sauber in den Bilanzen berücksichtigt sind. (Aber darum geht es ja eigentlich auch: Die Wahrheit verstecken solange es geht oder die Inflation das Problem gelöst hat ...).

Und der Abwärtstrend ist wohl auch noch nicht  beendet. Zumindest sehen einige Experten den Boden erst 2011 oder 2012, da das Überangebot groß ist und die Mieten weiter (kräftig) sinken.

FTD.de | Problempapiere: Fed-Vertreterin warnt vor "verheerenden Verlusten"

Was ich mich sofort gefragt habe: Sind in der etwa 1,1 Billionen schon die verbrieften Hypotheken (Commercial Mortgage Backed Securities=CMBS) enthalten oder nicht? Aber diese Krise wäre ja nur eine normale Krise, wenn es so wäre. Aber es ist keine normale Krise.

Reuters hat die Zahlen zusammengetragen und kommt auf knapp 3,5 Billionen Dollar. Also Hypotheken bei Banken (s.o.) + bei Versicherungen + bei Frannie Mae + CMBS.

Da ich nicht weiss, in wie weit die Zahlen aus dem Reuters Blog stimmen, möchte ich mir die Rechnung jetzt sparen ... Aber trotzdem: 3,5 Billionen mal 0,6 ... Schluck ...

Reuters: America’s Japanese banks

Ach so die Rede von Yellen gibt's hier:
The Outlook for Recovery in the U.S. Economy1

Kommentare :

  1. "(Aber darum geht es ja eigentlich auch: Die Wahrheit verstecken solange es geht oder die Inflation das Problem gelöst hat ...)."

    Wie löst denn die Inflation dieses Problem? Die müsste ja enorm hoch sein, damit die versteckten Summen sich relativierne, nicht?

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  2. Nee, so hoch muss die nicht sein.

    Mal angenommen die Immobilienpreise sind jetzt 40% unter dem Top. Die Bad Banks haben die Hypotheken übernommen und entschließen sich, diese bis zum Ende zu halten. Dann lässt die Inflation die Preise jedes Jahr um 5% steigen (in den 70er war die Inflation im Mittel sogar noch etwas höher IIRC). Das macht am Ende 62% Preisanstieg und damit sind die Immobilienpreise wieder etwa auf Ausgangsniveau und die Hypotheken wieder gedeckt. (Bei einer Inflation von 7% über 10 Jahre steigen die Preise übrigens auf fast das Doppelte). Die Effekte von Inflation werden massiv unterschätzt. Und nicht zuletzt deswegen ist die Inflation für Politiker so spannend ...

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