Zahl des Tages (25.09.09): 11,9

Ausnahmsweise mal keine Zahl vom US-Immobilienmarkt, aber im Lande bleibe ich doch.

Wer sich über den Vermögenszuwachs der amerikanischen Haushalt um 2 Billionen Dollar gefreut hat (Zahl des Tages (18.09.09): 2.000.000.000.000) und dabei auch ins Kleingedruckte geschaut hat, wird festgestellt haben, dass dort ein paar Sachen etwas anders dargestellt werden als man als naiver Betrachter vermuten könnte.

Die Rede ist vom Deleveraging, vom Abbau der hohen Hebel in den Bilanzen. Mit wenig Eigenkapital (und damit auch wenig Sicherheitspuffer) wurden/werden riesige Mengen Geld bewegt. Das ist bei den Privathaushalten nicht wesentlich anders. Bei kaum gestiegenen Nettoeinkommen in den letzten 10 Jahren (hatte ich mal drüber gebloggt, finde ich aber nicht wieder) steigerten die Amerikaner ihren Konsum und kauften auch immer teurere Häuser. Das geht natürlich (wie bei den Banken auch) nur mit mehr Schulden, sprich mehr Risiko.

Die im ersten Halbjahr deutliche gestiegene Sparquote legt jetzt nahe, dass die amerikanische Verbraucher (endlich!) begonnen haben zu sparen und so versuchen, ihre private Bilanz wieder ins Lot zu bekommen. Das spiegelt sich im Vermögenszuwachs aber nicht wieder, denn dort war der Grund für die gestiegenen Nettovermögen NICHT der Rückgang der Schulden, sondern der Wertanstieg bei Aktien (großer Teil) und bei Immobilien (kleinere Teil).

So ganz schlüssig ist das Ganze also nicht. Und noch weniger stimmig wird das Bild, wenn man die Kreditkartenschulden betrachtet. Hier ist von einem Abbau weit und breit nichts zu sehen. Das was sich entwickelt - und zwar in die falsche Richtung -  sind die Ausfälle. Im August stiegen diese auf

11,9%.

Und das sind nicht die Kredite, die erst ein paar Tage überfällig sind, sondern die, die die Banken schon unter "forget it, da gibt's keinen Cent mehr" verbucht haben.

Inwieweit diese Ausfälle in den Bankbilanzen schon berücksichtigt sind, ist schwer zu sagen. Man kennt weder die Wertansätze in den Bilanzen, noch weiss man, ob die Schulden dort überhaupt noch stehen. Denn Kreditkartenschulden wurden wie die Hypotheken lustig verbrieft und in die ganze Welt verkauft. Es kann also gut sein, dass demnächst eine deutsche Bank wieder ein paar Hundert Millionen (oder noch mehr) abschreiben muss, weil das Zeugs dort gelandet ist.

Tagesschau: Kreditkartenschulden in den USA wachsen

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