Zahl des Tages (28.09.09): 35.000.000.000

Heute mal was ganz anderes ... ein Blick auf den US-Immobilienmarkt ...

Ich hatte ja quasi zu jedem der von mir genannten einzelnen Punkte für bzw. gegen steigende Immobilienpreise ein Posting gemacht,  was noch fehlt, ist ein Blick auf die Kreditsubventionen für Hauskäufer (die IMHO eigentlich viel früher hätten beginnen sollen, um ein Absacken der Hauspreise um 30% und mehr zu verhindern).

Es gibt die (bisher) relativ kleine FHA, eine staatliche Bank, die zinsgünstige (Zins 0,5% niedriger als normal) Kredite an (vergleichsweise) finanzschwache Haushalte vergibt. Fannie Mae und Freddie Mac hingegen vergeben kaum (keine?) eigenen Hypotheken, sondern garantieren nur. (Wobei ich gestehen muss, dass ich die Details der Unterschiede nicht wirklich verstanden habe, für die folgende Diskussion ist der Unterschied zwischen direkter Vergabe und Garantie aber eigentlich auch nebensächlich).

Nachdem sich bereits Mitte des Monats leere Kassen bei der FHA ankündigten (WaPo: FHA Cash Reserves Will Drop Below Requirement), stellt Obama der FHA jetzt weitere

35.000.000.000 (35 Mrd.) Dollar

zur Verfügung, damit die FHA auch ja fleissig weiter Kredite vergeben kann.

FTD: USA stützen Hausmarkt mit 35 Milliarden

Stutzig machte mich jedoch der niedrige Marktanteil der FHA-Hypotheken von etwa 5%, den die FTD im Artikel nennt. Da hatte ich ganz anderes im Kopf und eine kurze Suche über meine viel zu vielen Feeds im Google Reader ergab dann auch schnell, dass der Marktanteil aktuell *deutlich* höher liegt. Im zweiten Quartal ging es dabei laut Wall Street Journal um fast ein Viertel, im August sogar um etwa 40% alle Hypotheken. Die FTD Zahl dürfte also eher einen Schnitt über alle von der FHA vergebenen Hypotheken darstellen, was die aktuelle Bedeutung der FHA aber überhaupt nicht widerspiegelt.

Wie das WSJ ebenfalls meldet, geht es (natürlich ...) um ziemlich spekulative Hypotheken mit hoher Beleihung, niedriger Tilgung und wenig Eigenkapital. Die FHA Hypotheken haben dann - welch Überraschung - auch eine überduchschnittlich hohe Ausfallrate.

Wir sehen hier also exemplarisch, wie die Amerikaner die Auswirkungen des Platzens der letzten Blase beheben wollen: Mit einer neuen Blase. Nur dass der Staat diesmal nicht nur indirekt dafür sorgt, sondern die direkt auch noch selber anschiebt. (Wer dauernd nach mehr Staat ruft, sollte sich das angesichts solcher Entwicklungen eigentlich zweimal überlegen. Oft ist der Staat auch nicht schlauer ...)

Das wird langfristig noch zu einem bösen Erwachen führen. Vor allem hat der Staat dann keine Ausrede. Es waren dann keine skrupellosen Kredithaie, keine Verbriefungsverbrecher an der Wall Street, sondern über eine Tochter der Staat selber ...

The Big Picture: Yet Another Bailout: Housing’s Hair of the Dog

Übrigens ist ein Punkt der US-Immobilienmarkt-Diskussion noch offen und da ich daraus noch ein weiteres Posting machen will, empfehle ich, die 2. Seite im FTD-Artikel nicht zu lesen, damit es hier spannend bleibt ;-)

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