Autoabsatz bricht ein - In Deutschland und den USA

Ich habe es gestern abend nicht mehr geschafft, etwas zu den desaströsen Absatzzahlen am US-Automarkt zu schreiben. Die Nachricht, dass sich der Absatz von GM im September halbiert hat, habe ich immerhin gezwitschert.

Dass war gestern besonders spannend, weil in die USA und in Deutschland die staatlichen Hilfsprogramme ausgelaufen sind; in den USA Cash for Clunkers, in Deutschland die Abwrackprämie. Beide haben - aus rein wirtschaftlicher Sicht - funktioniert: Der Autoabsatz stieg, Arbeitsplätze wurden gesichtert. Allerdings nur temporär und auch zu sehr hohen Kosten, siehe hier Zahl des Tages (03.05.09): 10.000 und hier  Die Abwrackprämie war nur zu 1/4 wirksam - Egal!.
Der ökologische Nutzen ist ebenfalls zweifelhaft. Klar, waren die neuen Autos im Schnitt kleiner und umweltfreundlicher als die abgewrackten, aber erstens verschlingt die Herstellung des Autos viel Energie (die man beim Abwracken eines noch fahrtüchtigen Autos in die Schrottpresse wirft) und zweitens hätte man durch ökologische Faktoren bei der Ausgestaltung der Prämie deutlich mehr erreichen können ( Abwrackprämie ist ökologisch!).

Aber zurück zum Thema: In den USA ist die Abwrackprämie ausgelaufen und die Umsätze gingen deutlich zurück. Die negativen Ausreisser sind GM (-45%) und Chrysler (-42%), während der dritte große US-Hersteller Ford nur 5% weniger Autos im September im Vergleich zum Vorjahresmonat verkaufte. Die großen Japaner verloren 13% (Toyota), Honda (20%) und Nissan (7%). Noch besser schlugen sich die deutschen Hersteller. VW verlor nur 1%, BMW nur 3% und Daimler 13%. Der Gesamtabsatz sank um knapp 28%.

Motor Intelligence: New Vehicle Sales (.XLS)

Man konnte also bereits gestern Abend vermuten, dass die Entwicklung in Deutschland wohl kaum besser sein würde. Und diese Befürchtung hat sich nun bewahrheitet. Die Bild-Zeitung meldet nach Umfragen mit Autohändlern einen Einbruch um etwa die Hälfte. Offizielle Zahlen gibt es zwar noch nicht, aber die Vertreter der Verbände bestätigen den deutlichen Einbruch.

FTD: Autohändler verkaufen nur noch die Hälfte

Damit entpuppen sich Konjunkturprogramme wieder als das, was sie schon immer waren: Strohfeuer. Je größer der Erfolg bei der Durchführung ist (Party!), desto ernüchtender ist die Phase danach (Kater!). Wenn man beide Phasen zusammenrechnet, bleibt meistens nur eines übrig: ein größeres Loch im Staatshaushalt ... (Noch schlechter wird die Bilanz, wenn man bedenkt, dass dem Geld, das die Profiteure (Arbeiter in der Automobilindustrie + Käufer eines Neuwagens) erhalten haben, Wertverluste bei allen Altwagenbesitzern gegenüberstehen, weil die Preise am Gebrauchtwagenmarkt komplett zusammengebrochen sind. Btw. möchte jemand einen Audi A2 kaufen? Über den Preis kann man reden.).

Randnotiz 1: Der Verkauf der GM Marke Sirius an den Autohändler Peske ist geplatzt. Damit wird Saturn abgewickelt, 13.000 Arbeitsplätze sind damit wohl Geschichte.

Handelsblatt: General Motors lässt Saturn verglühen

Randnotiz 2: Der August war der letzte Monat, in dem in den USA das "Cash for Clunkers" Programm noch lief. Das war der wesentliche Grund hinter dem Anstieg der privaten Ausgaben um 1,3%, dem größten monatlichen Anstieg seit 8 Jahren. Aber auch hier wird im September die große Ernüchterung eintreten. Dafür sorgt schon allein das verfügbare Einkommen, das im August um 0,2% gesunken ist. Die Ausgaben zu erhöhen während die Einnahmen sinken, ist für die hoch verschuldeten amerikanischen Privathaushalte keine sinnvolle Strategie ... Für den Staat auf lange Sicht allerdings auch nicht, aber das nur am Rande ...

Marketwatch: Spending soars to highest in eight years on clunkers


Randnotiz 3:

So ganz eindeutig sind die Auswirkungen übrigens nicht. Während VW weiterhin Sonderschichten bis zum Jahresende plant, setzt Skoda die Produktion teilweise aus:

Handelsblatt: VW plant Zusatzschichten bis Jahresende
FTD: Skoda will weniger produzieren

Update (11:16)

Das Handelsblatt rätselt noch. Den scheinen Umfrage der Bild wohl grundsätzlich suspekt zu sein (was nicht wirklich überrascht).

Handelsblatt: Nach der Abwrackprämie: Absturz oder nicht?

Update (15:28)

Im Spiegel kommen jetzt die offiziellen Zahlen: 21% mehr Autos im September neu zugelassen gegenüber dem Vorjahresmonat bzw. 15% mehr als im August. Das sind allerdings alles noch Spätfolgen der Abwrackprämie. Für diese zählte ja der Tag des Kaufvertrags. Aber dann muss das Auto ja erst einmal geliefert und angemeldet werden. Das wird die Zahlen wahrscheinlich auch im Oktober positiv beeinflussen.

Spiegel: Abwrackprämie sorgt noch mal für Zulassungsplus

Update (16:19)

Heh, wieso so positive Überschriften? Die Wahl ist doch vorbei ...

FAZ: Abwrackprämie beflügelt Automarkt weiterhin

Hohoo, goldener Herbst. Es geht noch positiver:

FTD: Goldener deutscher Autoherbst

Update (17:33)

Wer Strohfeuer nochmal in Chartform sehen möchte:

Wirtschaftsquerschüsse: "US-Autoverkaufe im September im freien Fall"

Kommentare :

  1. Hallo Egghat,

    Erschreckend aber nicht neu diese Entwicklung.War ja eigentlich zu erwarten...
    Auch wenn VW noch auf Vollproduktion fährt , ist die Tendenz klar, auch hier wird`s gewaltige Einbrüche geben..

    Habe durch Bekannte die Entwicklung in der Zuliefererindustrie beobachten können.erschreckend....
    Zumindest in mein Lebensraum , wird`s schwierig sein wieder ( sollte sich die Lage verbesseren)eine funktionierende Zuliefereresparte zu mobilisieren, denn die meisten Betriebe haben bereits massenhaft entlassen...

    Hoffen wir auf das beste..

    Gruß

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  2. Damit entpuppen sich Konjunkturprogramme wieder als das, was sie schon immer waren: Strohfeuer. Je größer der Erfolg bei der Durchführung ist (Party!), desto ernüchtender ist die Phase danach (Kater!).

    Ich empfehle:

    http://www.nytimes.com/2009/09/06/magazine/06Economic-t.html

    Und:

    http://www.amazon.de/gp/product/3593389339/ref=s9_simz_gw_s2_p14_i1?pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_s=center-1&pf_rd_r=092EJW9FBNWFV0RVQ7FK&pf_rd_t=101&pf_rd_p=463375193&pf_rd_i=301128

    http://www.amazon.de/Keynes-Return-Master-Robert-Skidelsky/dp/184614258X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1254477337&sr=1-1

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  3. "Damit entpuppen sich Konjunkturprogramme wieder als das, was sie schon immer waren: Strohfeuer."

    Ich glaube, dass ist Dein Running-Gag auch Deines Blogs (den ich ansonsten sehr schätze), der durch ständige Wiederholung dennoch nur ein leerer Vorwurf bleibt.

    Konjunkturprogramme dieser Art sollen IMMER nur kurze Zeit wirken, KURZE Zeit Wärme geben, um MIT ABSICHT nur kurz Wärme zu spenden, und zwar zur Überbrückung und Abfederung. It's not a bug, that's is the feature! Da entpuppt sich nichts, denn genau so war der Plan!

    (Auf einem anderen Blatt steht, ob dieses Pauschal-Programm so richtig war und ob wir bei einer Finanzkrise mit vertuschten Verantwortungen überhaupt ein Konjunkturprogramm für die Realwirtschaft brauchen.)

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  4. Auf einem anderen Blatt steht, ob dieses Pauschal-Programm so richtig war und ob wir bei einer Finanzkrise mit vertuschten Verantwortungen überhaupt ein Konjunkturprogramm für die Realwirtschaft brauchen.)

    Aus meiner Sicht hat dieses Programm die Entwicklung nur komplizierter gemacht

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  5. @Sven:

    Meiner Meinung nach sollte ein Konjunkturprogramm die Tiefe eines eines V-förmigen Wirtschaftsverlaufs abmildern. Wenn das Konjunkturprogramm aber nur dafür sorgt, dass das Tief des Vs später kommt, es aber genau so tief wird, ist das nutzlos. Sorry, aber da bleibe ich bei meiner Meinung (ich darf ja auch eine andere Meinung haben genau wie du oder Krugman oder Marc Faber).

    Ich habe auch schonmal ganz pragmatisch gesagt, dass ich das Timing und die Größe von Konjunkturprogrammen für so schwierig halte, dass ich es für defakto unmöglich halte, das richtig zu machen. Da ich aber auch ganz pragmatisch sehe, dass ich mit meiner Meinung ziemlich allein bin, kümmere ich mich nicht mehr darum, Konjunkturprogramme zu verhindern, sondern darum, dass das Geld für was Sinnvolles ausgegeben wird. Und nein, fahrtüchtige Autos in die Schrottpresse zu werfen ist IMHO nicht sinnvoll.

    Wenn du hier schon länger mitliest (und das tust du ja) dürftest du gemerkt haben, dass ich die Energiesparmaßnahmen an öffentlichen Gebäuden viel wohltuender beurteile.

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  6. Ach so:

    Zeichen dass die Abwrackprämie falsch war: Sonderschichten während die Prämie gewährt wurde, zeigen dass das Programm zu groß war. Der Einbruch nachher zeigt, dass das Programm zu kurz lief. Das meine ich mit "Es ist fast unmöglich, Konjunkturprogramme richtig zu machen".

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  7. Ok, die erste Version eines ganz kurzen Abwrackprogramms ging ja noch, aber dann wurde es verlängert ... und wie... Ist nur komisch dass das Programm bis zur Wahl lief ... Ist natürlich alles nur Zufall...

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  8. Also, von unserer kleinen Autostadt aus kann ich nur sagen, dass die mal wieder nicht wissen, wo sie die Wägen herbekommen sollen. Dazu ein neues verteilzentrum, Sonderschichten... die haben von der Abwrackprämie nicht profitiert und verlieren jetzt auch nicht. Arbeitslosenquote 3,1%.

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  9. @nigecus:

    Gaaaaanz zufällig ...

    @Don:

    Audi ist aber auch eine Ausnahme (und ein Phänomen, was man ruhig mal anerkennen kann). VW geht's akzeptabel. Dagegen hat BMW ganz schön Probleme und die bei Daimler, Porsche, Skoda, Opel, ... auch.

    Audi ist eh die Marke, die den erfolgreichsten Umbau hinter sich hat. Von der "Opa mit Hut"-Marke vor 30 Jahren zu einem Marke, die sich mit Mercedes und BMW um den ersten Platz prügelt: Respekt!

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  10. Audi ist natürlich in Topform. Ist wichtig in VW-Konzern und umgekehrt.

    Bei BMW würde ich sagen, dass deren aktuelles Führungspersonal ihren möglichen Marktanteil überschätzt haben und entsprechend auch investiert haben.

    Mercedes hat eine 20-jährige strategische Irrfahrt hinter sich wo die Herrn Reuter und Schrempp wohl eine für die BRD historisch hohe Summe an stillen Reserven verbrannt haben. Ja und genau die muss man üppig haben im Oberklassen-Absatzsegment für Zeiten wie jetzt.

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  11. Über BMW habe ich mal gelesen, dass der große Vorteil eine sehr modulare/flexible Produktion ist. Die können nach vergleichsweise kurzen Umrüstzeiten fast jedes Modell in jedem Werk bauen. Das nützt in Zeiten, in denen der Absatz für alle Modelle gleichzeitig zurückgeht, aber auch nichts. Rover hat die aber ein grob geschätztes Jahrzehnt an Gewinnen gekostet.

    Und Daimler: Ack. Das ist eine Trauergeschichte! Der Laden hat in den letzten 20 Jahren weniger verdient als die Autotochter allein. Erst mit Raumfahrt/Luftfahrt/Software (integrierter Technologiekonzern), dann mit Chysler/Mitsubishi (weltweiter Automobilhersteller) Unmengen von Geld verballert. Schlimmer geht's kaum noch. Ohne eine hochprofitable Tochter wie Mercedes hätte es bei so viel Inkompetenz jede andere Firma zerlegt ...

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