Kurzer Lesehinweis zum möglichen Ende des Dollar

Ob der Dollar vor einem Ende seiner Zeit als unangefochtene Weltwährung Nummer 1 steht, diskutiere ich in diesem Blog ja schon etwas länger.

Eine der gängigeren Verschwörungstheorien sagt, dass die USA jedes (wichtige) Land, das dem Dollar abschwört, vernichtet (am liebsten in einem Krieg). Das soll der wirkliche Grund hinter dem Irakkrieg gewesen sein und auch die sich immer mal zuspitzende Situation im Iran wird von diesen Kreisen darauf zurückgeführt, dass der Iran plane, seine Öl in Euro und nicht in Dollar zu verkaufen (Ich hatte nur das Dementi: Iranische Öl-Börse NICHT in Euro).

Ich teile diese Theorien nicht, glaube allerdings fest daran, dass die USA mit der Kontrolle über die Weltleitwährung ein unglaublich mächtiges Mittel in der Hand haben. Man muss sich nur die chinesische Situation anschauen: Die Chinesen haben so viel Dollaranleihen gekauft, dass sie jetzt ohne größere Verluste nicht mehr aussteigen können. Die USA sind der große Gläubiger und stehen trotzdem nicht defensiv in der Ecke. Diese Macht hat der legendäre Banker Rothschild mal in folgendes Bonmot gefasst: "Gib mir die Kontrolle über die Währung eines Landes und es ist mir egal wer die Gesetze macht."

Nun gibt es neue Gerüchte um eine Abkehr vom Dollar. Zwar geht es nicht um die komplette Abkehr, da der Dollar "nur" durch einen Währungskorb à la IWF Sonderziehungsrechte (44% US-Dollar, 34% Euro und jeweils 11% Yen und Pfund) ersetzt werden soll, aber auch das ist schon bemerkenswert. Die Golfstaaten, Russland, Japan, China und Frankreich(?!) sollen Geheimverhandlungen über die Abkehr vom Dollar im Ölhandel begonnen haben.

Das hätte natürlich Ausmaße einer tektonischen Plattenwanderung, nur etwas schneller. Es gibt ein paar Leute, die sagen, dass das gesamte Weltwährungssystem am Ende sei, wenn der Dollar erstmal seinen Status als Weltleitwährung verlieren würde. Dann müssten die Amerikaner Zinsen zahlen wie alle anderen (und könnten nicht mit Fast-Null-Zinsen noch Unmengen Geld aus dem Ausland anziehen, dass sie dann später zurückzahlen - natürlich abgewertet. In der Folge wäre das gesamte US-Schuldengebäude vom Einsturz bedroht, etc. pp.

Ich teile die Einschätzung - so extrem - nicht. Denn auch wenn es oft behauptet wird, ist die Verschuldung der USA nicht so hoch, dass sie unumkehrbar ist (Die Verschuldung nach dem 2. Weltkrieg war fast doppelt so hoch). Aber eine richtig tiefe Delle im US-Wachstum wird das sicherlich bringen. Im Moment sehen wir ja nur, was passiert, wenn sich die Verschuldung von den US-Verbrauchern auf den Staat verschiebt. Die richtig tiefe Delle kommt, wenn US-Staat UND Verbraucher UND Wirtschaft sparen müssen.

Independet: The demise of the dollar

gefunden über FT Alphaville: Gulf in oil-dollar talks, report

P.S. Die Überschrift (kurzer Hinweis) passt nicht wirklich zur Länge des Artikels ...

Update (16:06):

Die ganze Story ist natürlich gut für die einzige Währung, die seit etwa 6.000 Jahren funktioniert: Gold. Neues Alltimehigh, wenn auch nur in amerikanischen Peso ... 1.035 Dollar.

Update (22:02):

Ein Video zum Thema:

The Big Picture: Dollar to be buried way before 2018

Update (23:56)

Wird natürlich alles dementiert:

Marketwatch: Officials dismiss reports of plan to change how oil is priced

Update (07.10.09)

Don Alphonso zum Thema:

Rebellmarkt: Das Ende der Dollars

Als Appetizer:

"Nun ist es meines Erachtens nur logisch, den Dollar als Weltwährung abzuschaffen. Währungen begründen ihre Existenz durch die Notwendigkeiten einer realen Wirtschaft, und die haben die USA nicht mehr in grösseren Umfängen. Amerika hat abnehmenden Privatkonsum und einen überzogenen Bankensektor, aber nichts, was es verkaufen könnte."

Kommentare :

  1. Hallo,

    ich finde deine These zum möglichen Endes des Dollars intressant...

    Du begründest deine Ansicht mit der nicht so hohen Verschuldung im Vgl. zum zweiten Weltkrieg...

    Klar - wenn man sich nur die Staatsverschuldung anschaut, aber
    wenn ich mir die Gesamtverschuldung von
    über 50 Billionen anschaue???

    Ich glaub nicht das man die Kohle je zurückzahlen kann, zumindest nicht bei
    dem geringen Anteil der industriellen Wertschöpfung... Wie wollen die jemals
    wieder nen Aussenhandelsüberschuss erzielen???

    Grüße
    Vielklang

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  2. Wer kann denn wirklich ein Interesse am Ende des Dollars haben?
    1. Die Exportländer doch wohl nicht, und China am wenigsten: Die US-Einwohner kaufen doch den Billig-Murks wie geschmiert ...
    2. Die Möchte-Gern-Supermächte: Klar, Russland hat da noch einige Rechnungen offen, aber schon für China stellt sich die Frage, was ist wichtiger: Fressen (=Export-Überschüsse) oder Prestige.
    3. Alle anderen Länder würden die USA sicher etwas demütiger sehen, aber was haben sie zu melden? Bestes Beispiel: Saudi-Arabien - Wie lange könnte sich dort die Diktatur/Monarchie halten, ohne den Sheriff.

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  3. @Vielklang:

    Man muss die Zahlen immer an der Wirtschaftskraft messen. Die absolute Zahl ist da nicht hilfreich. Die Schulden des US-Staats liegen aktuell bei etwa der Hälfte dessen was nach dem zweiten Weltkrieg war (damals weit über 100% des BIPs). Zugelegt hat die Verschuldung der Privathaushalte und die der Banken. Aber auch die Schulden der Privathaushalte sind noch relativ vertretbar, wirklich kritisch sind die Bankschulden. Ich will da nix beschönigen. Die Amerikaner müssen sparen und zwar alle inkl. Staat. Und nicht nur ein paar Wochen, sondern eher 1 oder 2 Jahrzehnte. IMHO ist nur der Point of no return, an dem alles in einer Hyperinflation verdampft, noch nicht erreicht.

    Zur Verschuldung der USA:
    http://egghat.blogspot.com/2008/09/zur-verschuldung-der-usa.html

    Eine andere Sache, die man bei der Verschuldung berücksichtigen muss, ist die Frage *wo* die Schulden liegen. Hat man die Schulden im Inland (vergleichsweise unkritisch) oder hat man die im Ausland? Der Anteil der Schulden im Ausland ist in den USA höher als nach dem 2. Weltkrieg. Das ist kritisch. Daneben ist ein ziemlich großer Teil in den Händen von Ländern, die als "geostrategische Feinde" gelten müssen. Noch kritischer.

    Allerdings ist der Anteil der Auslandsverschuldung in Großbritannien noch höher.

    UTS #28: Schuldenstandüberblick:
    http://egghat.blogspot.com/2009/07/uts-28-schuldenstanduberblick.html

    Und ach so: Die Amerikaner brauchen nicht unbedingt einen Außenhandelsüberschuss um sich zu sanieren. Darin fehlen nämlich die Dienstleistungen und darin sind die Amerikaner stark. Außerdem wird Amerika immer Geld anziehen. Allein die Stärke der US-Wirtschaft gerade in den forschungsintensiven Branchen (Internet, PC, Biotech, Pharma, ...) wird immer zu Investionen aus dem Ausland führen.

    Jaja, das Thema ist nicht einfach und hat so viele Facetten.

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  4. @FFriend:

    Es will ja keiner den Dollar vernichten, es geht eher um Relativierung. Ich habe ja schon geschrieben, dass ich die These vom endgültigen Ende des Dollars nicht für schlüssig halte.

    Aber die Chinesen haben auch verstanden, dass sie aus der Dollarfalle rauskommen müssen. Einfach weiter Dollars zu kaufen, geht nicht. Also irgendwie muss man diversifizieren. Wie soll man das besser hinbekommen als mit Rohstoffen, die nicht mehr 1:1 in Dollar gerechnet werden? Stärkt China, stärkt den IWF, schwächt die USA. Um vernichten geht es den Chinesen nicht. Dann würden die einfach 1 Billionen Dollar auf den Markt werfen und die Amis hätten ein richtiges Problem ... Oder die Chinesen führen eine goldgedeckte Währung ein ...

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  5. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  6. Ich habe auch schon über den "Dollar Absturz" geschrieben, was natürlich reisserisch ist. Es geht um die Außenhandelsbilanzen, was für alle Handelspartner in den Extremen nicht langfristig funktionieren kann. Das ist nichts Neues aber wir sind an den Punkt wo man den Druck kaum noch künstlich aufrechterhalten kann nur weil sich die meisten Nationen darauf schön eingerichtet haben.

    Zum Dollar kann ich nur sagen: Der Pfund war auch mal Weltwährung und wirklich gecrasht ist er beim Übergang trotzdem nicht.

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  7. @Nigecus:

    Zustimmung zum Pfund mit einem (großen) Aber: Das Pfund hat eine *signifikant* höherere Inflation als die D-Mark. Auf 30 Jahre gesehen ist das schon ein Absturz. Außerdem mussten die Briten seit dem Verlust des Weltleitwährungsstatus signifikant höhere Zinsen zahlen (auch im Vergleich zur DM).

    Mehr sage ich dem Dollar auch nicht voraus :-) (ich teile die These des großen Knalls nicht, wie im Artikel schon geschrieben, aber das siehst du ja eh genauso).

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  8. Na ja, früher waren die USA mal höher verschuldet, mag sein, damals hatten die aber auch noch ganz andere Forderungen im Ausland offen, reichlich Rohstoffe und einen aufstrebenden Markt.

    Ob dies alles heute noch reicht ist nicht sicher. So ganz auf die leichte Schulter würde ich das nicht nehmen.

    Aber was solls, wenns passiert soll es wohl so sein, da haben wir ohnehin keinen Einfluß drauf.

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  9. Leichte Schulter ist relativ. Ich bin nur der Meinung, dass der Point of no Return noch nicht überschritten ist. Wenn die US-Staatsverschuldung aber mal bei 150% des BIPs angekommen sein sollte, unterschreibe ich das nicht mehr ...

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  10. Hallo Egghat,

    vielen dank für deinen Kommentar...

    Ich sehe die Entwicklung des Dollars etwas skeptischer, da derzeit die Real- als auch die Finanzwirtschaft nur mit einem hohen finanziellen Einsatz überhaupt am Leben erhalten werden kann. Die Schulden werden in naher Zukunft weiter in ungeahnte Dimensionen hochschnellen und ein Ende ist nicht absehbar...

    Ich frage mich: was wird erst passieren, wenn man die Zinsen wirklich demnächst erhöht...

    Und zum Thema FuE in den USA: Tja, wer einmal in China war, der weiß auf welchen High Level die bereits sind, ob nun FuE oder industrielle Massenproduktion etc....
    Man muss wirklich anerkennen, das die mittlerweile auf ne ganz anderen Ebene sind. China wird die USA auf kurz oder lang auch in diesen Bereichen abhängen...
    Und der Trend ist ja jetzt bereits sichtbar - Viele Wissenschaftler setzen eher auf die Tigerstaaten...

    Ich halte es auch für einen Irrweg nur auf FuE und Dienstleistung zu setzen..- was hat den D. die letzten Jahre so stark gemacht? Die breite Basis im industriellen Sektor war doch wohl eher die Stärke der Deutschen und ursprung des Wohlstandes... Bedenke, in den USA leben über 300 Millionen Menschen, die können doch nicht alle in diesen Bereichen arbeiten - man braucht einfach Jobs für die Massen...

    Du hast natürlich recht, es wird Jahrzehnte brauchen, um alles wieder ins Lot zu bringen..Trotzdem muss man sich dann auch fragen, auf wessen Kosten und was bleibt auf der Strecke - etwas krass formuliert...Arme dumme Menschen auf verbrannter Erde??? Schwierig zu beantworten...

    Ich teile auch die Meinung, das es nicht zum finalen Crash kommt - wird wohl eher stufenweise vollzogen... Naja - drübe Aussichten...

    Bis denne
    Vielklang

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