US-Arbeitsmarkt"aufschwung" in 09/09 mit (kräftiger) Delle

Den "Aufschwung" habe ich in Anführungszeichen gesetzt, weil die Bewegung der letzten Monate ja bisher nur weniger Abbau an Arbeitsplätzen anzeigte. Das ist "weniger schlecht" aber eben noch lange nicht gut und damit auch kein Aufschwung. (Vor allem wenn man bedenkt, dass die Bevölkerung in den USA wächst und eigentlich jeden Monat 150.000 neue Arbeitsplätze braucht).

Heute kam die neue Arbeitsmarktstatistik. Die Headline zuerst: Die Arbeitslosenquote stieg von 9,7 auf 9,8%. Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 214.000. Doch die anderen Zahlen sehen deutlich schlimmer aus. Die Anzahl der Beschäftigten sank um satte 785.000. Und noch erschreckender: Über 800.000 Amerikaner mehr als im Vormonat stecken jetzt in der NILF-Schubladen (Not In Labor Force), stehen dem Arbeitsmarkt also (angeblich?) nicht zur Verfügung.  Gegenüber dem Vorjahr sind es übrigens knapp 3 Millionen weniger.
Die Zahlen werden per Telefonumfrage in einigen Tausenden Haushalten erhoben (Household Data). Die Anzahl der NILFs schwankt damit sehr stark, aber in einem Land, in dem man nach ein paar Monaten keine Arbeitslosenunterstützung mehr bekommt, muss man so erheben, denn der Bürger meldet sich ja beim Staat nicht mehr.

Die offiziellen Zahlen von den "Arbeitsämtern" (Establishment Data) haben den Nachteil, dass darin die NILFs nicht erfasst werden. Dafür sollte dort die Beschäftigung etwas genauer erfasst werden. Dort ist das Minus mit 263.000 Arbeitsplätzen im September deutlich niedriger als bei den Household Date, aber auch höher als von den Analysten vorhergesagt (knapp 200.000 Minus wurden erwartet).
Und noch ein weiteres Schwächezeichen findet sich im Bericht: Die Anzahl der durchschnittlich gearbeiteten Wochenstunden fiel auf 33,0 Stunden (von 33,1) und hat damit (IIRC) ein neues Tief im Zyklus erreicht. Es sind als auch Vollzeitstellen durch Teilzeitstellen ersetzt worden und auch die Überstunden sind zurückgegangen.
Oft kommt vor dem Zuwachs an Beschäftigten erst ein Zuwachs der gearbeiteten Stunden. Das ist ein guter Frühindikator, der aktuell aber noch keine Besserung anzeigt.

BLS: Employment Situation Summary

Update (16:14):

Ach so, die 9,8% sind ein neues 286-Jahreshoch.

Update (17:27):

Bei The Big Picture gibt es einen sehr schönen Chart, der zeigt, wie unglaublich viel schwächer der aktuelle Arbeitsmarkt im Vergleich zur letzten Rezession ist. U6, die breiteste Definition der Arbeitslosigkeit (enthält z.B. auch unfreiwillige Teilzeitarbeiter), liegt inzwischen bei 17(!)%.

The Big Picture: Unemployment Charts (Not Pretty)

Update (17:31)

Und bei Calculated Risk findet man den gewohnten Vergleich mit den Annahmen aus dem Stresstest für die US-Banken. Wie schon üblich, liegt die Arbeitslosenquote oberhalb der Annahmen aus dem schlechteren Szenario: Calculated Risk: Unemployment: Stress Tests, Unemployed over 26 Weeks, Diffusion Index

Auch zur Tiefe der Krise am Arbeitsmarkt gibt es dort immer einen schönen Chart: Employment Report: 263K Jobs Lost, 9.8% Unemployment Rate

Update (06.10.09)

Bei The Big Picture findet sich die interessante Einschätzung, dass die Umfrageergebnisse (Household Data) sogar besser sein könnten als die anderen Daten:

The Big Picture: More Birth Death Follies

1 Kommentar :

  1. Hmm NILF mit Telefonumfrage erfassen: Wieviel Prozent der NILF können/wollen sich denn kein Telefon leisten?

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