Zahl des Tages (01.10.09): 150.000

Jetzt sind wir mitten in den Koalitionsverhandlungen und neben vielen Sachen, die noch unklar sind, wird eines immerhin klarer: Die Einspeisevergütung für Solarstrom soll runter, um die Vergütung den stark gesunkenen Preisen für Solarzellen anzupassen. Im Moment gibt es für Investoren nämlich kaum eine bessere Möglichkeit Geld zu verdienen als sich eine Solaranlage auf's Dach zu packen. Gerade in sonnenreichen Regionen dürfte man heutzutage den Strom für 30 Cent je KWh erzeugen können und bekommt dafür die nächsten 20 Jahre garantiert über 40 Cent je eingespeister KWh zurückgezahlt. Kurz: Eine Subvention für Besitzer von (ungenutzten) Dachflächen.

Das RWI hat bereits zweimal die aufgeschobenen Kosten für die Solarenergie berechnet. Bei der ersten Schätzung kam das RWI auf (schlagzeilentaglich getaufte) Solarschulden von 35 Milliarden Euro, bei der letzten Schätzung (die aber noch nicht veröffentlicht ist) auf 77 Mrd. Euro (siehe Zahl des Tages (24.08.09): 77.000.000.000) bis Ende 2013. Hauptgrund für die Explosion ist die deutlich über den Erwartungen liegende Anzahl von neuen Solarzellen.

Für das laufende Jahr werden die Kosten aus dem EEG (Energie-Einspeise-Gesetz) bei knapp 9 Mrd. liegen. Und das, was vielen leider nicht klar ist, wird sich auch die nächsten 15 Jahre nicht ändern. Denn die Anlagen bleiben ja auf den Dächern, die Einspeisevergütung ist für 20 Jahre garantiert und erst in etwa 15 Jahren laufen zum ersten Mal in signifikanter Menge alte Verträge aus (am Anfang lag die Gesamtsumme der Vergütungen über das EEG nur bei zweistelligen Millionenbeträgen). Das heißt selbst wenn Schwarz-Gelb die Subvention komplett streichen würde, hätte das keinen senkenden Effekt auf die Stromrechnung im nächsten Jahr.

Für mich als Mensch aus dem Ruhrpott ist das ganze sehr verblüffend, wenn ich die Diskussion mit der langwierigen Diskussion über den Abbau der Steinkohlesubventionen vergleiche. *Diese* waren damals quasi der Untergang der freien Marktwirtschaft ,heute hingegen sind in den Augen von Vielen die EEG-Subventionen irgendwie OK. Klar: Es wird CO2 freier Strom erzeugt. Aber man muss doch fragen wie viel und zu welchen Kosten.

Zum Wieviel: Nach den letzten Zahlen, die ich gefunden habe, trägt der Solarstrom zu weniger als 2% zur Gesamstromerzeugung bei. Da lag die heimische Steinkohle wesentlich höher (etwa 10%).

Zu den Kosten: Wenn die Zahl von 9 Mrd. für 2009 stimmen sollte (wobei ich mir nicht ganz sicher bin, denn 9 Mrd. in 2009 passen irgendwie nicht zu den 77 Mrd. Solarschulden, selbst wenn man steigende Stromkosten für konventionellen Strom dagegenrechnet), zieht auch das Arbeitsplatzargument nicht mehr.

Denn pro Arbeitsplatz in Deutschland errechnen sich satte


150.000 Euro

Förderung, was ganz grob über den Daumen gepeilt das Doppelte der Steinkohlesubventionen ist. Und selbst wenn der Strom nachhaltig ist, sind es die Arbeitsplätze nicht. Denn dafür brauche ich immer neue Installationen und immer neue Subventionen.
Und selbst das hilft unter Umständen nicht. Denn die Arbeitsplätze wandern gerade massiv nach China ab, die durch die Kombination aus niedrigen Löhnen und modernsten Fabriken den deutschen Herstellern die Preise verderben (Zahl des Tages (06.09.09): 50%). Das habe ich in einem älteren Posting unter dem plakativen Titel EEG: Subventionen für China schonmal thematisiert.

Deshalb: Auch wenn Solarindustrie + Lobbyisten und die Grünen bei ihrem Lieblingsprojekt  jetzt wahrscheinlich ziemlich laut Aufschreien: Es gibt keinen Grund 40 Cent für eine Stunde Solarstrom zu zahlen, wenn diese für 30 Cent hergestellt werden kann. Eine abschließende Beurteilung kann man sich sowieso erst erlauben, wenn die konkrete Höhe der Vergütung festgelegt wird. Dann wird man sehen, ob es Schwarz-Gelb um eine Anpassung der Förderung geht oder um einen Ausstieg. Übrigens: Hoffnung, dass Schwarz-Gelb auf ein intelligentes, automatisches Anpassungsverfahren setzen, wie ich es in Zahl des Tages (24.08.09): 77.000.000.000 skizziert habe, habe ich keine. Das wird wahrscheinlich genauso dämlich gemacht werden wie bisher. Alle paar Monate die selbe Diskussion von vorne. Aber irgendeine Existenzberechtigung müssen die Politiker ja haben ...

Update (02.10.09):

Die Frankfurter Rundschau hat heute einen Kommentar, der in die gleiche Kerbe schlägt:

FR: Solarstrom ist uns teuer

Update 2 (02.10.09):

Die FAZ hat auch einen Artikel dazu, der aber in ziemlich abstruser Weise das EEG und die CO2 Zertifikate in einen Topf wirft:

FAZ: Klimapolitik ohne Maß

Ich hab dort auch einen Kommentar hinterlassen, der aber noch nicht öffentlich ist (sonst hätte ich den auch hier hin kopiert).

Kommentare :

  1. Du hast da einen Fehler im Artikel.

    Der Satz
    "Das heißt selbst wenn Schwarz-Gelb die Subvention komplett streichen würde, hätte das keinen senkenden Effekt auf die Stromrechnung im nächsten Jahr."

    muß richtig lauten:
    "Das heißt selbst wenn Schwarz-Gelb die Subvention komplett streichen würde, hätte das keinen steigenden Effekt auf die Gewinne der Energiekonzerne im nächsten Jahr."

    Daß die Energiekonzerne die Einspeisevergütung an ihre Kunden weiterreichen würden, wenn diese abgeschafft würde, ist doch wohl illusorisch!

    Siehe auch die Reaktion der Konzerne auf die Einführung der CO2-Zertifikate: Obwohl diese zunächst für die Konzerne kostenlos waren, wurden die Strompreise saftig erhöht.

    http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=15005

    Da hier offensichtlich der Wettbewerb nicht mehr funktioniert und die Preise von einem Oligopol festgesetzt werden, ist es nur gerechtfertigt, wenn über die Einspeisevergütung kleine alternative Versorger subventioniert werden.

    Nebenbei hat man es über den persönlichen Stromverbrauch selbst in der Hand, wieviel man davon zahlt (im Gegensatz etwa zu Rundfunkgebühren, die man entweder gar nicht oder zu 100% zahlt).

    Insofern ist das Gerede von der Solarschuld nichts als Propaganda der Großkonzerne. Hier geht es darum, potentielle Wettbewerber kleinzuhalten.

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  2. Die 9 Mrd für 2009 stimmen höchstwahrscheinlich nicht. Laut BDEW wurden 2008 insgesamt 2,2 Mrd EUR Vergütung für eingespeisten Solarstrom gezahlt. Wenn es dieses Jahr 9 Mrd sein sollen, dann wüsste ich nicht, woher bei der explodierten Nachfrage der Preisverfall für die Zellen kommen sollte.

    2008 wurden ziemlich exakt 9 Mrd EUR Einspeisevergütung im Rahmen des EEG gezahlt. Vermutlich kam es da beim RWI oder dir zu Verwechslungen.

    Im Durchschnitt ergibt das übrigens nur eine Vergütung von rund 12 Cent pro erzeugte kWh erneuerbaren Stromes, rund dreimal so hoch wie der Durchschnittspreis an der EEX 2009 oder weniger als doppelt so hoch wie der Durchschnittspreis 2008.

    Ich stimme dir zu, die Vergütung sollte an die sinkenden Preise für die Zellen gekoppelt werden. Die ganzen Zahlenspiele des RWI sehen aber eher danach aus, als würde die gesamte Förderung in Frage gestellt, nicht nur die Differenz zwischen gesetzlich fixierter überhöhter Vergütung und angemessener.

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