Zahl des Tages (02.10.09): 330.000.000.000

Wir hatten vorgestern eine Schätzung für die noch kommenden Schäden bei den europäischen Banken und heute kommt eine ähnliche Zahl aus einer anderen Quelle. Es geht um den Stresstest der europäischen Banken, bei dem die großen europäischen Banken (ingesamt 60% des Markts) überprüft wurden.

Die ECBS (European Committee for Banking Standards) hat dabei einen maximalen Abschreibungsbedarf von

330.000.000.000 (330 Milliarden) Euro

festgestellt.

Das ist deutlich optimistischer als die Schätzung des IWF, die etwa 550 Mrd. Euro für die europäischen Banken errechnet hat (Zahl des Tages (30.09.09): 3.400.000.000.000). Wobei es etwas unklar ist, ob sich die 330 Mrd. auf die gesamte Bankenlandschaft beziehen oder nur auf die 60%. Wenn nämlich nur die 60% gemeint sind, würde das für den gesamten Sektor hochgerechnet ebenfalls etwa 550 Mrd. Euro ergeben. Die beiden Zahlen passen also womöglich richtig gut zusammen.

Was aber überhaupt nicht zusammenpasst: Selbst im schlimmsten Fall werde die Eigenkapitalquote nicht unter 6 Prozent abrutschen, heißt es in dem ECBS-Papier. Daraus ergibt sich doch eigentlich, dass das ECBS *KEINEN* weiteren Kapitalbedarf für die europäischen Banken erwartet. Das finde ich dann doch schon seeeeeehr verblüffend. Das EZBC äußert sich zu dem Thema Kapitalbedarf aber nicht.
Und noch verblüffender: Das ECBS interpretiert die IWF Studie komplett anders als ich! Das Handelsblatt zitiert die Interpration des ECBS über die IWF-Studie so: "Es gäbe keinen Kapitalbedarf bei den europäischen Banken."
Höh? Das las sich in der FTD am Mittwoch noch ganz anders. Also muss der alte egghat mal wieder die Quelle diggen: IMF: Full Text of the GFSR

Seite 13 (29 im PDF): Kapitalbedarf bei 6% risikogewichtetem Eigenkapital: 0 Mrd., bei 8% 150 Mrd., bei 10% 380 Mrd. Dollar. Die 330 Mrd. Dollar ergeben sich, wenn man die Assets nicht risikogewichtet und dafür 4% Eigenkapital ansetzt (was in Richtung meiner Forderung von 8% nicht risikogewichtetem Eigenkapital geht). (Risikogewichtung heißt, dass man für sehr sichere Assets weniger Eigenkapital vorhalten muss als für spekulative. Was im Prinzip auch richtig ist, aber in der Praxis dann so lax umgesetzt wurde, dass besicherte Anleihen mit bestmöglichem Rating nur mit einem Fünftel des normalen Eigenkapitals hinterlegt werden mussten. Das führte zu riesigen Positionen von solchen Papieren. Als die Ratings dann in den Keller gingen, musste auf einmal schnell das normale und noch mehr an Eigenkapital hinterlegt werden. Und das saugte das Eigenkapital der Banken schneller auf als diese sich das neu besorgen konnten).

Aha, etwas mehr Klarheit. Das ECBS pickt sich also einfach die positivste Zahl nach der positivsten Formel heraus. Und sagt selber nichts dazu. Das sieht aber verdammt nach politischem Einfluss vor der Veröffentlichung aus. Bloß nix über den Kapitalbedarf bei den europäischen Banken sagen ...

Ich wage mal eine Prognose: Mit Null Euro kommen wir aus der Nummer nicht raus ...

Handelsblatt: EU erwartet hohe Millardenverluste bei Banken

Kommentare :

  1. Auch wenn es hier nicht ganz so passt: Egghat, könntest du mal was zum Thema Argentinien-Anleihen bringen? Die Regierung soll es ja tatsächlich wagen, die gute Zeit an den Anleihemärkte zu nutzen und ernsthaft Anleihen zu platzieren. Klar, dass einige Investmentbanken dabei sind, gibt ja gut was zu verdienen...

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  2. Hi, bin ich nicht drin im Thema, um da was zuzufügen, was über das hinausgeht, was beim Saviano steht:

    Kurzes Gedächtnis

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  3. Schade. Aber trotzdem danke für die Antwort und den Link!

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