Zahl des Tages (03.10.09): 43.000

Der ein oder andere mag schon vor der neuen Errungenschaft High-Frequency Trader gehört haben. Das ist die Art Trading, bei der es darum geht Millisekunden schneller zu sein als die anderen und darüber Marktineffizienzen auszunutzen. Wem das schon zu abenteuerlich klingt: Das war die positive Beschreibung.

In der negativen Interpretation ist das nämlich nichts anderes als Scalping, also das Vorpreschen mit Insiderinformationen. Bei Brokern sehr beliebt ist schon seit Menschengedenken dieses Spiel, bei dem die Orders der Kunden als Information benutzt werden und die Aktien einfach vorgekauft und dann zu einem geringfügig höherem Kurs an den Kunden weiterverkauft werden. Das ist zwar verboten, aber was ist nicht alles verboten ... Neumodisch heisst das jetzt übrigens Flash Trading.

Dem Kunden tun die 0,01% (oder so) nicht weh, er hat kaum eine Möglichkeit, dem Broker etwas nachzuweisen, aber in der Summe kommen bei den gigantischen Umsätzen erkleckliche Beträge zusammen.

Eine gigantische Explosion machten die Geschäfte, als es immer mehr elektronische Börsen gab, über die große Martkteilnehmer ihre Geschäfte abwickelten. Diese haben zwei Vorteile: Erstens sind diese Börsen schwächer reglementiert als die offiziellen Börsen und zweitens kann man so Geschäfte zwischen mehreren Börsen tätigen, was die Überprüfung des Betrugs noch schwieriger macht (eine Börse allein kann nie was feststellen).

Beim HFT geht es wie gesagt um Millisekunden. Damit ist man in der Größenordnung, wo die Kabellänge zählt. Je näher man an der Börse ist, desto schneller sind die Informationen bei einem. Insbesondere seinen Rechner im selben Rechenzentrum wie die Börse selber stehen zu haben ist der ultimative Kick. Und dafür sind die Preise am höchsten. Wie hoch?

43.000 Dollar

pro Quadratmeter!

Daran kann man schon erkennen, dass es sich nicht um eine Nische handelt. Es geht angeblich um bis zu 73% der Umsätze an den Börsen. Und angeblich haben die großen Teilnehmer (Goldman Sachs, etc.) ein paar Milliarden (!) Dollar im letzten Jahr allein mit HFT verdient.

Ein anderer schöner Grund endlich mal was zu HFT zu schreiben: Jon Stewart:

The Daily Show With Jon Stewart
Mon - Thurs 11p / 10c
Cash Cow - High-Frequency Trading
www.thedailyshow.com

Daily Show
Full Episodes

Political Humor
Ron Paul Interview
gefunden über The Big Picture: Cash Cow – High-Frequency Trading

Stuttgarter Zeitung: Die teuerste Gewerbefläche der Welt
Traders Quest: Trading im Mikrosekundenbereich: Selbst die Kabellänge zählt

Und ein paar grundlegendere Geschichten zum High Frequency Trading:
Ars Technica: The Matrix, but with money: the world of high-speed trading
FT: High-frequency trading under scrutiny 

Und eine (passende) Meinung:

The Big Picture: So Much For High Frequency Trading


HFT steht vor dem Verbot (oder ist es bereits verboten?). Das Problem ist damit aber nicht gelöst, denn die Frage, wer das überhaupt erlaubt hat, ist noch nicht beantwortet. Hier hat sich die Hochfinanz doch wieder auf Kosten anderer die Taschen vollgemacht ...

Übrigens sehen die Börsen die Lage zwiespältig: Die Börsen profitieren nämlich über die steigenden Umsätze selber vom HFT. Allerdings würden ohne die Arbitrage-Möglichkeiten möglicherweise die ganzen neuen elektronischen Börsen nicht mehr gegründet, weil es dort dann schlechtere Preise gäbe als an den etablierten Börsen. Schlicht weil in den neuen Börsen sonst nicht genügend Umsatz und Liquidität entstünde.

Das Liquiditätsargument ist übrigens auch das, was die NYSE Euronext zur Verteidigung des HFT vorbringt: FT Alphaville: A defence of high frequency trading by NYSE Euronext. Die NYSE Euronext meint, dass man zwischen den Arbitragegeschäften und dem Flash Trading genau unterscheiden müssen, weil nur das eine Betrug, also negativ sei und das andere nur positive Effekte habe, wie zu einer Erhöhung der Liquidität und zu niedrigeren Spreads zu führen.

In die ganze Diskussion läuft übrigens auch noch der Code-Klau eines Ex-Goldman Sachs Programmierers mit ein, der seinen Source-Code ins Internet hochgeladen hat. Die Story habe ich aber nicht genau genug verfolgt (und außerdem ist der Artikel jetzt eh schon ziemlich lang), um dazu hier jetzt noch was zu schreiben. Wer sich dafür interessiert: FT Alphaville: The Cold War in high frequency trading turns hot. Auch eine Suche nach dem Namen des Programmierers Sergei Aleynikov dürfte einiges interessantest Lesematerial zu Tage fördern.

Kommentare :

  1. ist das XetraBest System eigentlich wirklich positiv für die Kunden oder manipulieren die Teilnehmer Sekundenbruchteile vor dem Referenzzeitpunkt die Gegebenheiten ? Angeblich wird die Ordnungsmäßigkeit des Handels ja überwacht, was immer das heißen soll *hüstel*

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  2. @egghat. Darüber gab es in Wilmott Forum mal eine Diskussion. Die Quant-Gurus waren der Meinung dass HF sich als sehr gefährlich für die Finanzmarktstabilität erweisen könnte.

    @mike. Immer wenn man ins Orderbuch gucken kann, und andere es nicht tun bzw können, kann man das ausbeuten.

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