Zahl des Tages (08.08.09): 7.000.000.000

Ich könnte jetzt so viel zu dem Thema schreiben, aber leider bin ich weder mit allen Feeds durch, noch bin ich sonderlich wach.

Aber das Thema ist mir zu wichtig, weil ich mich auch schonmal gefragt habe, wie die Zahlen in der US-Vermögensstatistik zusammenpassen. Alles (also die ganzen Experten, die die Krise nicht gesehen haben ;-)) erwartet nämlich einen großen Abbau der Verschuldung der US-Haushalte. Nur wird davon zwar viel geredet, aber in den Zahlen war bisher wenig davon zu sehen. Der große Anstieg der Vermögen ging fast ausschließlich auf steigende Immobilien- und Aktienpreise zurück. Und eben NICHT auf den Rückgang der Verschuldung.

Zahl des Tages (18.09.09): 2.000.000.000.000


Edward Harrison hat diese Diskrepanz nochmal etwas genauer unter die Lupe genommen und kommt sogar zu dem (noch überraschenderen) Ergebnis, dass die Verschuldung nicht nur wesentlich geringer gesunken ist als erwartet, sondern sogar gestiegen ist!

Die mögliche Fehl(?)interpretation liegt im Unterschied zwischen saisonbereinigter und nicht saisonbereinigter Zahl. Das Minus der Schulden von etwa 12 Mrd. Dollar taucht nämlich nur in der saisonbereinigten Statistik auf, in der nicht bereinigten Version sind die Konsumentenschulden um

7.000.000.000 (7 Milliarden) Dollar

gestiegen ist.

Ich will jetzt gar nicht lange darüber diskutieren, ob die eine Zahl wichtiger oder richtiger ist als die andere. Wichtig ist nur: Das groß angekündigte Deleveraging der US-Haushalte ist bisher ausgeblieben.

Richtig glücklich bin ich mit der Interpretation bis zu dieser Stelle auch noch nicht. Immerhin ist es nicht wirklich schlüssig, dass die Verbraucher, die doch so hoch verschuldet sind, jetzt eine positive Sparquote haben, aber ihre Schulden nicht reduzieren. Immerhin sollten doch die Zinsen für die Kredite um einiges höher sein als die Zinsen auf die neu angelegten Gelder. Sinn macht das alles nicht (wirklich). Any ideas?

Creditwritedowns: Why is everyone saying consumer credit is falling? It’s not.

Kommentare :

  1. Naja möglich ist eine höhere Sparquote eventuel durch verzicht auf Konsum - wodurch schulden unberührt bleiben...

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  2. Ja, hast natürlich recht. Ich hatte zu dem Punkt Konsum ein Posting von mir zum Verlinken gesucht, nichts gefunden und dann ganz vergessen, das einzubauen.

    Die privaten Konsumausgaben sinken nämlich nicht. Das *mag* jetzt nur eine Verzerrung durch das Cash for Clunkers Programm sein (wie übrigens auch die Schulden durch Cash for Clunkers beeinflusst sein könnten, weil die Amerikaner ein Auto quasi per default auf Kredit kaufen). Im Moment passen die Zahlen für mich nicht schlüssig zusammen.

    Das nächste Quartal (ohne Cash for Clunkers) bringt da vielleicht mehr Klarheit.

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  3. Ach so: Ich wollte im Artikel nicht unbedingt darauf hinaus, dass die Gleichung aus Konsum (relativ konstant), Einkommen (ganz leicht steigend) und deutlich erhöhter Sparquote (immer 5% inzwischen) zusammenpasst, sondern darauf, dass es keinen Sinn macht, dass die Amerikaner ihre Schulden konstant lassen, obwohl sie gleichzeitig signifikant sparen. Warum zahlen die nicht erstmal die Kreditkartenschulden etc. zurück, die 10 oder 15% Zinsen kosten?

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  4. "Warum zahlen die nicht erstmal die Kreditkartenschulden etc. zurück, die 10 oder 15% Zinsen kosten?"

    Diejenigen, die es noch können, werden wohl ihre Kreditkartenschulden zurückführen. Denen, den das Wasser bis zum Hals steht, werden ihre Hypothekenrate z. T. per Kreditkarte zurückzahlen. Insgesamt könnten somit die Kreditkartenschulden noch etwas ansteigen. Die Hypothekenschulden müssten aber rückläufig sein, weil das Neugeschäft ja viel kleiner sein sollte als die Tilgungen der Altkredite.

    Dass die absolute Verschuldung der Haushalte sogar gestiegen sein soll, würde aber den Bankstatistiken widersprechen. Die gesamte Kreditsumme an Haushalte und Unternehmen ist demnach rückläufig (nur die des Staates steigt).

    Letztlich ist wohl die Verschuldung der Haushalte leicht gesunken. Jedoch hat sich das Verhältnis von Schulden/Einkommen trotzdem verschlechtert.

    Mir ist nicht ganz klar, warum die Einkommen gestiegen sein sollten: Anzahl der Beschäftigten und Wochenarbeitszeit sind rückläufig bei konstantem Stundenlohn.

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  5. @Archimedes:

    Ein Rückgang des Konsums oder der Einkommen ist dort nicht sichtbar.

    Bea.gov: PERSONAL INCOME AND OUTLAYS: AUGUST 2009

    Und ein Rückgang der Schulden auch nicht. Das kann man zwar behaupten und es wird auch gerne getan: Die Statistik der Fed sagt aber was anderes. Das ist ja genau der Widerspruch: Wir haben konstante Löhne, konstanten Konsum, konstante Schulden und gleichzeitig eine steigende Sparrate. Das kann man auflösen wie man will: Es passt nicht zusammen.

    Da gibt es entweder zeitliche Verschiebungen in den Statistiken oder andere Berechnungsweisen oder man kann die Statistiken auch alle in die Tonne kloppen.

    Ich schätze, dass man für das Auseinanderdröseln der Statistiken und die Erklärung der Differenz einen Doktortitel kassieren kann ...

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