Zahl des Tages (16.10.09): 34,6

OK, die Zahl ist von gestern. OK, die Zahl fällt eher in die Kategorie "drittklassig". Aber ich bringe die trotzdem, weil man daran ein Phänomen sehr schön festmachen kann.

Der New York Fed "Empire State Manufacturing" Stimmungsindikator kam gestern mit einem Wert von

34,6.

Da wohl kaum jemand den Wert richtig einordnen kann, ein paar Erläuterungen. Der Indikator misst die Stimmung im produzierenden Gewerbe im Bereich der New York Fed. Der Indikator signalisiert mit einem positiven Wert positive Stimmung und umgekehrt.

Marketwatch: New York factory index at highest level in five years
Fed of New York: Empire State Manufacturing Survey

Der Wert von 34,6 ist der höchste seit 5 Jahren. Und das ist der Punkt, auf den ich hinaus möchte.

Die Experten streiten noch, ob die Krise bereits zuende ist und ob wir nochmal einen (oder mehrere) Rücksetzer bekommen. Die Stimmung hingegen ist besser als sie es seit 2004 jemals war. 2004 boomte die Wirtschaft. 2005 boomte die Wirtschaft. 2006 boomte die Wirtschaft. 2007 boomte die Wirtschaft (ok, nicht mehr so ganz ...). Und jetzt bei 1,x% Wachstumsprognose für 2010 und einer ausaufernden Staatsverschuldung und dem völlig ungelösten Problem des Deleveragings ist die Stimmung schon wieder so gut?

Ich glaube, dass wir gerade ein Überschießen des Optimismus in der Wirtschaft wie auch der Börse sehen. Das ist die Reaktion auf den überbordenden Pessimismus im letzten Winter und Frühjahr. Man hat den Absturz vermieden und man freut sich des Lebens. Auch wenn das Leben vor dem drohenden Absturz eigentlich schöner war.

Kostolany hat mal ein schönes Bild für das Verhältnis zwischen Börse und Wirtschaft geprägt: Die Börse sei wie ein Hund und die Wirtschaft sein Herrchen. Der Hund würde mal 15 Meter vorweglaufen, dann zum Herrchen zurückkommen, dann mal zum Schnuppern 10 Meter hinter dem Herrchen stehenbleiben, dann wieder zum Herrchen kommen.

Die Börse und die Stimmung (wobei die Börse eben auch viel Stimmung ist) schwanken also immer stark um die eigentliche fundamentale Entwicklung herum. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir gerade eine solche durch Optimismus getriebene Übertreibung sehen. Aber vielleicht sehen wir auch bereits jetzt schon wieder den Anfang der nächsten großen Blase und es kommt gar kein Rücksetzer mehr ...

Handelsblatt: Schon wieder eine Blase an der Wall Street

Handelsblatt: Roubini warnt vor der großen Blase

Washington Post: Pearlstein: Don't Reinflate the Old Bubbles


Was meint ihr?

Kommentare :

  1. Wo soll die Blase herkommen? Wer soll was machen, das man verkaufen kann? Ich sehe nur eine Liquiditätsblase.

    AntwortenLöschen
  2. Was heisst denn "nur" Liquiditätsblase? Die Immobilienblase war doch auch nur auf zu viel Liquidität bzw. billiges Geld gebaut. Das war schon schlimm genug. Nochmal eine solche Nummer überleben die USA nicht ...

    AntwortenLöschen
  3. Schwer zu sagen. Ab wann ist ein Steigen der Preise eine Blase? Im Moment gibt es de fakto einen Anlagenotstand durch zu viel Geld durch die Zentralbanken - Zinspapiere lohnen sich wegen der geringen Rendite kaum, da bieten sich Aktien und Rohstoffe als Anlagemöglichkeit an. Die Risikoaufschläge auf Anleihen sind auch schon fast wieder auf pre-crisis-Niveau.
    Letztendlich muss man konstatieren, dass die extremen Maßnahmen der Zentralbanken funktionieren: Die Banken und großen Unternehmen sanieren sich über das billige Geld, die kleinen und mittleren leider jedoch unter Kreditverknappung. Außerdem haben die Zentralbanken ein neues Problem geschaffen: Eine starke Abhängigkeit der Banken - untereinander trauen die sich nämlich nach wie vor nicht sonderlich viel.

    AntwortenLöschen
  4. Der Vergleich mit dem Hund passt aber trotzdem sehr gut ;-) Börse ist nunmal = Fundamentaldaten +- ganz viel Stimmung

    AntwortenLöschen
  5. So wie ich deine Metapher verstehe, meinst du, dass Fundamentaldaten und Aktienkurse kointegriert sind?

    AntwortenLöschen
  6. Apple ist ein gutes Beispiel - Der Aktienkurs ist nur noch zu 14% über den Buchwert zu erklären. Auch Unternehmen, die quasi pleite sind (negatives eigenkapital haben wie Ford z.B.), haben ihren "Wert" verdoppelt &verdreifacht. Wenn das keine bubble ist . . .

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore