Zahl des Tages (18.10.09): 20.000.000

In diesen Zeiten is das eigentlich keine Summe mehr, über die man sich besonders aufregen würde. Aber wenn man das dumpfe Gefühl nicht los wird, dass hier (mal wieder) nur die Spitze des Eisbergs zu Tages zu treten scheint, ist es dann doch eine Zahl des Tages.

Es geht um das älteste Gewerbe der Welt, äh seit es Börsen gibt: Insidertrading. Das (natürlich verbotene) Ausnutzen von geheimen Informationen, bei denen über informelle Treffen bestimmten Teilnehmer an der Wall Street Informationen zugespielt werden, die andere erst ein paar Minuten, Stunden oder Tage später erfahren. (Damit alle Marktteilnehmer die Informationen gleichzeitig erhalten, wurden extra Lösungen wie die Adhoc-Mitteilung geschaffen, die dann über viele Kanäle gleichzeitig an die Öffentlichkeit gebracht werden).

Einen solchen Insiderskandal hat jetzt wieder einmal die Wall Street. Verwickelt sind darin 3 Mitarbeiter des Hedgefonds Galleon und des Hedgefonds New Castle und drei Manager von IBM, McKinsey und Intel, die alle 6 bereits angeklagt wurden Die Informationsquellen sollen aber auch bei Google, Hilton, AMD, Sun und einigen anderen gesessen haben (die komplette Liste findet sich im Marketwatch-Artikel).

Es wurden unrechtmäßige Gewinne von mindestens

20.000.000 (20 Millionen) Dollar

erwirtschaftet. Nun drohen bis zu 20 Jahren Haft.

Die Ermittler der SEC ist sogar der Meinung, dass der gesamte Erfolg des Hedgefonds auf Insiderinformationen beruht hätte und lässt sich mit den Worten "Raj Rajaratnam is not a master of the universe, but rather a master of the Rolodex" zitieren. Dem ist nichts hinzuzufügen.

FTD: Rekordbetrug an der Wall Street
Spiegel: US-Börsenmilliardär drohen 20 Jahre Haft
Marketwatch: Sweeping insider-trading case rocks Galleon

Update (19.10.09)

Apropos Spitze des Eisbergs ...

Bloomberg: U.S. Said to Target Wave of Insider-Trading Cases After Galleon 

Update 2 (19.10.09):

Auf Deutsch:
Handelsblatt: Insider-Skandal in den USA weitet sich aus

Update 3 (19.10.09):

Aufgeflogen ist das ganze übrigens durch einen Insidertipp:

Spiegel: Wie Millionen-Trader Rajaratnam aufflog

Aber das ist die Rache dafür, wenn man asozial mit seinen Mitarbeitern umgeht:

Spiegel: Fordern, schimpfen, feuern

Und die SEC ist mit richtig harten Methoden (Telefonüberwachung en masse) gegen die Insider vorgegangen. Zum ersten Mal übrigens.

FTD: USA gehen mit Anti-Mafia-Strategien gegen Insiderhandel vor
FT Alphaville: Rajaratnam alert: Be afraid, be very afraid?

Kommentare :

  1. Gratulation zum Fahndungserfolg, liebe SEC!

    Haben die auch mal ein Erfolgserlebnis.

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  2. Wie du bereits erwähnt hast, ist das nur die Spitze des Eisberges. Man kann damit einfach zuviel Geld machen, sodass die Leute damit niemals aufhören werden.

    Mich interessiert ja bei solchen immer wieder, wie sowas ans Tageslicht kommt.

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  3. 20 Milliönchen, bei dem Betrag fangen Insider-Infos doch gerade erst an, interessant zu werden.
    Die Börse war, ist und bleibt das Handeszentrum von Insiderinformationen - auf der einen Seite - und dem dummen gemeinen Volk auf der anderen :-(

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