Zahl des Tages (27.10.09): 5.500.000.000

Wenn es nicht die Zahl des Tages geworden wäre, hätte ich "Unter Geiern - mit Warren Buffet" als Titel gewählt. Eine interessante Geschichte, denn sie greift direkt auf zwei ältere Geschichten zurück, die auch hier Thema waren.

Als vor etwa einem Jahr Warren Buffet bei Goldman Sachs einstieg (Zum Buffet Einstieg bei Goldman Sachs: Junk-Zinsen!), wurde er dafür viel kritisiert. Das wäre kein normales Buffet-Investment, es wäre viel zu spekulativ und Goldman Sachs wäre eh defakto Pleite. Ich habe aber bereits damals darauf hingewiesen, dass sich Buffet das Risiko fürstlich belohnen liess und sich unter Berücksichtigung des Wertes der Optionen aus dem Paket Zinsen von etwa 15% errechnen lassen. Auch habe ich (in anderen Artikeln) darauf hingewiesen, dass der Staat doch bitte auch seine Rettungsaktionen zu solchen Zinsen durchführen sollte. Also Kredite zu hohen Zinsen, da auch ein hohes Risiko besteht. Stattdessen streichen sich Investoren wie Buffet die Rendite ein und der Staat verleiht sein Geld zu Nullzinsen an den Banken (OK, es ist nicht der Staat, sondern es sind die Zentralbanken, aber das ändert nicht viel ...).

Das Buffet Investment sieht inzwischen bei einem Aktienkurse von 178 Dollar für Goldman Sachs ziemlich gut aus. Aus den 5 Milliarden Dollar bei einem Aktienkurs von 115 Dollar sind inzwischen etwa 7,7 Milliarden Dollar geworden. Ein bescheidender Gewinn allein auf den Aktienanteil von

2.700.000.000 (2,7 Milliarden) Dollar!

Kein schlechtes Investment! Und dabei ist nicht einmal berücksichtigt, dass sich aus den im Paket enthaltenen Optionen noch ein deutlicher Aufschlag errechnet. Buffet hat etwa 43,5 Millionen Optionen mit einem Basiswert von 115 Dollar erhalten. Bei einem aktuellen Preis von 178 Dollar errechnet sich daraus noch einmal (43.500.000 * (178-115))

2.800.000.000 (2,8 Milliarden) Dollar.

Und das bei einer reinen Barwertbetrachtung, auf die richtig gerechnet noch ein heftiger Aufschlag über den Zeitwert der Optionen kommen würde, da die Optionen noch etwa 4 Jahre laufen.

Buffet hat also aus dem Investment bei Goldman Sachs bei 5 Mrd. Investment inzwischen 2,7 + 2,8 Mrd., also

5.500.000.000 (5,5 Milliarden) Dollar

Gewinn gezogen.

(Uih, der Artikel wird lang ...)

Man sollte Investments von Buffet immer mit diesem Wissen betrachten: Der Mann weiss, was er tut.

Daher nehme ich es mit hohem Interesse auf, dass auch bei der Capmark Pleite am Wochenende (Mega-Pleite in den USA: Capmark (21 Mrd. Dollar Assets)) Buffet seine Hände im Spiel hatte. Buffet hat sich nämlich im Vorfeld der Pleite gegen eine Geldspritze Zugriff auf Teile des Capmark-Portfolios gesichert. Diese Option griff zwar nur im Fall der Pleite, aber genau dieser Fall ist jetzt eingetreten. Buffet kauft jetzt also zu einem Preis von 415 Millionen Dollar Hypotheken (inkl. der Sicherheiten) von Capmark. Damit steigt Buffet also (indirekt) in den (von mir weiterhin kritisch gesehenen) Markt der US-Gewerbeimmobilien ein.

Jetzt kann man das auf zwei Arten interpretieren:

a) Buffet sieht einen Boden bei den US-Gewerbeimmobilien und investiert deshalb (gängige Interpretation) oder aber
b) Buffet steigt zu einem solchen Schnäppchenpreis ein, dass er schlicht nicht Nein sagen kann. Anders: Er steigt mit einem solch hohen Rabatt ein, dass ihm auch 10 oder 20% weiterer Preisverfall nicht weh tun, weil er noch mehr Rabatt bekommen hat.

Ich hätte die Goldman Sachs Story nicht so ausführlich rekapituliert, wenn ich These a für die bessere halten würde ...

FTD: Warren Buffett auf Hamstertour
Der Co von Buffet David Sokol fasst es schön prägnant zusammen: Buffet hatte Geld als andere keins hatten ... So einfach kann es manchmal sein.

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