Abschreibungen Fannie Mae vs. Bank of Amerika: Wer lügt?

Das wollte ich erst als Update zum Artikel über den Fannie Mae Verlust+Kapitalbedarf packen (Zahl des Tages (05.11.09): 15.000.000.000), aber es ist dann doch so ausführlich geworden, dass ich es schade finden würde, wenn das da untergeht ...

Also los mit dem Hinweis auf eine sehr interessante Analyse über die Bilanzierung bei Fannie Mae. Die großen Verluste dort überraschen dann doch einige Beobachter. Vor allem bleibt die Frage offen, warum Fannie Mae im Vergleich zu den Geschäftsbanken so hohe Abschreibungen bzw. genauer Rückstellungen hat (Abschreibungen sind reale Verluste, Rückstellungen nur für erwartete, d.h. geschätzte Verluste). Würde die Bank of Amerika auf die Kreditsumme prozentual ähnlich hohe Rückstellungen vornehmen wie Fannie Mae, müsste die BofA 50 bis 80 Mrd. Dollar abschreiben und wäre damit insolvent (und zwar sowas von insolvent ...).

Das kann man jetzt natürlich auf zwei Arten interpretieren:

a) Fannie nimmt deutlich zu hohe Rückstellungen vor. BofA bilanziert richtiger.
b) Die Bank of America nimmt deutlich zu niedrige Rückstellungen vor. Fannie Mae bilanziert richtiger.

Der Optimist wird a) bevorzugen und kann auch sagen warum: Die Politik will nicht Fannie Mae unterstützen, sondern die BofA. Fannie (und Freddie) sollen abgewickelt werden, die Aktionäre rausgedrängt werden und das geht am besten (und billigsten), wenn man die Firma so schlecht wie möglich macht (Argumente, die man aus der HRE-Diskussion kennt).

Der Pessimist tippt natürlich auf b) und verweist auf die blauäugig optimistische Kreditvergabe und Bilanzierung der letzten Jahre. Daher läge es nahe, dass die Banken auch heute noch zu optimistisch schätzen. Außerdem können man gar nicht realistisch bilanzieren, dann wäre ja alle Banken Pleite.

Ich habe da keine wirklich definitive Meinung.

Die optimistische Einschätzung, die wohl begründet ist, denn es gab bei Bronte eine ziemlich lange Serie, in der die Bilanzen von Fannie und Freddie ungeheuer detailliert analysiert wurden.

Bronte Capital: Fannie Mae’s results – oh, and what if Bank of America reported the same way…

Die pessimistische Einschätzung:

Institutional Risk Analytics: Bank of America: How Much Should Bond Holders be Haircut to Restore Solvency?

Update (12:25):

Und wer noch eine pessimistische Einschätzung braucht, die die Theorie deckt, dass selbst die hohen Abschreibungen bei Fannie Mae noch zu niedrig sind und an anderer Stelle fleissig Dreck unter den Teppich gekehrt wird, der nehme das:

Reuters: Fannie Mae Announces Deed for Lease(TM) Program

Das ist kein ganz neues Thema. Denn das die Banken Hausbesitzer im Haus wohnen lassen, obwohl der pleite ist und nicht mehr zahlen kann, habe ich ja schon ein paarmal geschrieben (Stichwort: Shadow Inventory, Schattenlager). Die Überlegungen der Bank sind ganz einfach: Dem weiter bewohnten Haus sieht man nicht an, dass es verkauft werden soll (was den Preis der Nachbarimmobilien senken würde). Der ehemalige Besitzer (jetzt Mieter) zahlt etwas Miete, die Steuern und hält das Haus in Schuss. Die Bank bekommt also wenigstens etwas Geld (Miete), spart etwas Geld (Steuern, Heizung, Wartung) und steigert/erhält den Wert des bewohnten Hauses wie auch der Nachbarhäuser.

Neu ist jetzt nur, dass Fannie Mae das in ein offizielles Programm gefasst hat: Deed for Lease (natürlich mit Trademark!).

Wen's interessiert: Fannie Mae: Deed-for-Lease Program

Danke an Olaf für den Hinweis auf das Deed-for-Lease-Programm!

Kommentare :

  1. Moin Egghart,

    da ist was interessantes über Betrug im Immo-Markt.

    FDIC, FHA, Fannie and Freddie Real Estate Exposure Killing Home Values in Georgia
    http://www.housingnewslive.com/details.php?id=11118387

    Gruß,

    MaSh

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  2. servus egghat!

    ich habe eben den IRA-Text heruntergewürgt :) und denke nun, bei der BoA lügt man wohl 100%ig. Ob nun dazu, Zeit zu schinden, oder vll weil man den Schuss noch gar nicht überall gehört hat, das ist eigentlich egal.
    Diese Fannie und ihr Bruder Freddy sind mir ohnehin nicht geheuer, allein wenn ich sehe wieviele da im Brei mitrühren will ichs auch gar nicht mehr so genau wissen....da kann ich nur froh sein, den Brei wenigstens nicht (direkt) fressen bzw bezahlen zu müssen.
    Allerdings scheinen ja in D die Reihen eher geschlossen zu sein zw der Finanzwelt und denjenigen, die sie eigentlich beobachten sollten.
    Ich lese jedenfalls nie mehr als das, was nicht wirklich zwingend ans Licht kommen müsste... bzw eigentlich sogar weniger als das. Hier herrscht so etwas wie "Omerta"....

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  3. ach ja, Bronte schreibt, Whalen liege spektukulär daneben, sachlich kann ich aber gar keinen Einwand erkennen. Im Gegenteil, zum Schluss bestätigt er Whalen's These ("picking winners").
    Und was die Folgen dieser Praxis angeht....? Ich fand den Satz "the good news is the recession is over, but the bad news is that the depression has begun" zumindest bedenkenswert.

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  4. @Simon:

    Lies mal die ganze lange Serie über die Frannies bei Bronte. Ich glaube aus dieser Analyse zieht Bronte die Gewissheit, dass er Recht hat.

    Nachher hätte ich kurz eine Zusammenfassung ;-) ich hab's nämlich nicht komplett gelesen.

    Ich tendiere übrigens auch dazu, dass die Frannies richtiger abschreiben. Aber am Ende ist das wahrscheinlich sowieso egal, weil die Banken im Zweifelsfall die Hypotheken alle bündeln, in ein Papier packen und dann eh nicht mehr abschreiben müssen, bzw. eine Staatsgarantie dafür bekommen ...

    Das sicherste Zeichen dafür, dass die Krise noch nicht zuende ist, sind die immer noch steigenden Ausfallraten für Hypotheken. Man muss dabei ja bedenken, dass in diesen Ausfallraten alle, die ihr Haus schon wieder an die Bank zurückgegeben haben, nicht mehr drin sind ... Das Problem wird also immer noch größer ...

    Die Frannie sind jetzt verstaatlicht. Dazu habe ich mal geschrieben: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt's sich gänzlich ungeniert. Kurz: Die können ihre Verluste offenlegen, ohne dass es Schaden verursacht (Geld kommt eh vom Staat). Außerdem werden die massiv als versteckte Subventionsmaschine für den Immobilienmarkt benutzt. Die Zinsen sind zu niedrig, jeder zweite der Pleite geht, bekommt eine neue, preiswertere Hypothek (und geht dann meistens doch wieder Pleite) und wenn der dann wieder Pleite kann er das Haus jetzt von Fannie mieten.

    Hauptsache, das Haus kommt nicht auf den Markt und niemand muss den Verlust offenlegen. Und wenn doch: Der Staat zahlt ja.

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  5. tja, und dein letzter Satz gilt ja eh für alle...
    Ich denke, vll haben sie beide recht :) möglich dass sich Whalen mit dem Exitus der BoA Mitte 2010 zu sehr festgelegt hat. Möglich auch, dass Bronte's Argument "politischer Wille" doch ausschlaggebend ist.
    *
    Aber wo soll das hinführen? Besser wirds auf die Art nicht, und an eine echten Fortschritt glaubt offensichtlich auch Bronte nicht. Da hat dann eventuell Whalen recht ("..depression has begun.").


    Schönes Wochenende!
    oder gibts das überhaupt für echte Blogger? :)

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  6. Sind diese Eventualverbindlichkeiten von Fannie, Freddy, usw überhaupt vergleichbar mit denen von Banken?

    Hmm, die MBS passthroughs durch Fannie, Freddie, Ginni, etc. waren/sind staatlich gegen prepayment und default versichert. Wenn nun der Staat nicht direkt bezahlt, dann heißt das nur, dass die USA ihre Verbindlichkeiten bei Fannie, Freddy, etc. reinstopfen/belassen.
    Wenn wiederum passthroughs durch Fannie, Freddy, etc. teilweise gesichert sind, dann kommt nicht der ganzen Schutz bei den Banken an.

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