Die angesagteste Pleite des Jahres sagt die Pleite an ...

Es ist zwar nicht mehr so spannend, aber ich muss es einfach bringen. Denn wenn man jetzt schon seit knapp 2 Jahren die Pleite der Anleiheversicherer MBIA und Ambac voraussagt und diese gar zur angesagtesteten Pleite des Jahres kürt, muss man einfach darauf hinweisen, dass sich jetzt auch Ambac selber eine Pleite vorstellen kann.

Im Endergebnis mag ich Recht behalten, das Timing stimmt aber nicht. Gut, ob die jetzt wie Ambac selber sagt im 2. Quartal 2011 insolvent werden oder 1 Jahr früher oder später, ist auch Wurscht. Die Ernte für alle, die im Januar 2008 (als ich zum ersten Mal die beiden Kreditversicherer zu den angekündigsten Peiten des Jahres gemacht habe), ist eh schon lange eingefahren. Damals stand die Aktie bei 20 Dollar, heute bei einem. Und der eine Dollar, den die Aktie noch weiter fallen kann, macht den Braten auch nicht mehr fett ...

Marketwatch: Ambac warns it may file for bankruptcy protection

Ansonsten zitiere ich mich selber:

Warum "angekündigste Pleite"? Firmen, die ihr eigenes Rating verkaufen, sind inhärent wacklig. Ein Kreditversicherer nimmt ungeratete oder niedrig geratete Anleihen, übernimmt die Ausfallhaftung (dadurch bekommt die Anleihe das Rating des Kreditversicherers) und kassiert dafür vom Anleihenemittenten Versicherungsprämie. Ein solches Geschäft ist natürlich sofort tot, wenn der Kreditversicherer selber kein hervorragendes Rating mehr bieten kann.

Übrigens stellt sich bei einem solchen Geschäftsmodell auch die Frage, ob eine solche Firma überhaupt jemals ein AAA verdient hat. IMHO ist die Antwort darauf ein klares Nein.

Spätestens als die Löcher in den Bilanzen sichtbar wurden (MBIA und Ambac haben einen großen Teil der überwiegend wertlosen Schrottanleihen versichert), war das Rating wacklig (auch wenn MBIA noch im Frühling 2008 meinte, sie wären 42 Dollar wert, siehe MBIA ist 42 Dollar je Aktie wert).

Und IMHO war auch immer klar, dass die erste Ratingherabstufung nur eine Konsequenz haben kann: Eine Herabstufung bis zum bitteren Ende. Es sei denn, es gibt eine große Kapitalerhöhung oder eine Rettungsaktion. Aber große Kapitalerhöhungen gingen nicht mehr, weil die Firmen nichts mehr wert waren und der Staat hat sich auch noch nicht eingemischt.

Es kam sogar schlimmer: die alten Kreditversicherer haben durch die Neugründung eines Kreditversicherers von Warren Buffet noch eine saubere, unbelastete und ausreichend finanzierte Konkurrenz bekommen, die in der Folge auch einen Großteil des Neugeschäfts einsammeln konnte. Spätestens da war klar, dass Ambac und MBIA chancenlos sind ...

Die ganze Entwicklung dieser Firmen, die ich schon Anfang 2008 als angekündigste Pleiten des Jahres bezeichnet habe: Suche nach MBIA. OK, das Timing (2008) stimmt nicht, das Ergebnis (Pleite) aber schon.

Update (20:52):

Auch der 2. Kandidat für die angekündigste Pleite MBIA hat Zahlen gemeldet. 728 Millionen Minus im 3. Quartal. Entspricht 3,50 pro Aktie. Nicht gerade wenig bei einem aktuellen Aktienkurs von 3,65 (allerdings nach 24% Minus heute). Ambac verliert übrigens heute über 30% und ist bei 80 Cent wieder Pennystock.

Und weil es soo obskur ist: Ein großer Teil der Verluste bei MBIA ist entstanden, weil sich die eigene Kreditqualität verbessert hat. Wenn die Kreditwürdigkeit einer Firma sinkt, kann diese Firma nämlich Abschreibungen auf die *eigenen* Schulden vornehmen. So frei nach dem Motto: Wenn andere nur noch 80 Cent pro Dollar meiner Schulden zahlen, buche ich die Schulden auch nur noch mit 80 Cent ein. Das Verfahren ist zwar ziemlich hirnig, aber immerhin kehrt sich jetzt der Prozess um. Die Kreditqualität von MBIA stieg (keine Ahnung warum, ich habe nur Downgrades gesehen) also muss MBIA auch wieder seine eigenen Schulden hochschreiben.

Marmketwatch: MBIA loses $728 million as slowdown hits bond insurer

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