Ein paar Gedanken zu GM und Opel

Achtung, dieser Artikel hat kein Fazit. Keine Moral von der Geschicht. Ich bin kein Kommentarschreiber bei einer angesehenen deutschen Tageszeitung, der die passenden Fakten auswählt bzw. weglässt und manipuliert, um dann sein 100% überzeugendes Fazit zu präsentieren. Nee, ich bin nur ein doofer Blogger, der sich manchmal nicht an Dieter Nuhrs weise Worte hält und einfach mal die Fresse hält, wenn er keine Ahnung hat ;-) (übrigens war die Sendung vom Nuhr im ZDF ganz gut, gibt's online in der (unnavigierbaren und unverlinkbaren) Mediathek).

Zum Thema:

Ich komm bei der Opel-Story nicht mehr mit.

Als die Idee aufkam, Opel aus GM herauszulösen, sagten alle IMHO ernst zunehmenden Experten, dass das nicht sinnvoll sei. Opel sei organisatorisch keine eigenständige Firma und selbst wenn man das erreichen würde, sei Opel danach zu klein. Kurz: Die Unabhängigkeit von Opel sei eine Schnapsidee.

Diese wurde bekanntlich weiterverfolgt, aber platzte dann am Ende. Jetzt bleibt Opel doch bei GM und auf einmal halten das (fast) alle für eine Schnapsidee. Häh?

Als deutscher Staat würde ich jetzt eine organisatorische Herauslösung von Opel aus GM verlangen. Nur dann gibt es im Gegenzug Geld. Ansonsten geht das Geld direkt an die entlassenen Arbeiter.

Die Drohung, jetzt kein Geld mehr zu geben, ist doch albern. Wieso sollte der Erhalt eines Arbeitsplatzes bei Opel-GM nix mehr wert sein, während ein Arbeitsplatz Opel-Magna jede Menge wert ist? Völlig unlogisch.

Das Abfließen von Know-How kann auch kein Grund sein: Jetzt geht das Know-How wie in den Jahrzehnten vorher in den USA, ansonsten wäre es nach Russland gegangen.

Im einen Fall ging es um 10.000 abgebaute Arbeitsplätze, im anderen Fall um 10.000 abgebaute Arbeitsplätze. So what?

Warum so viel Aufregung? Es wird ja geradezu so getan als wäre GM moralisch verpflichtet, Opel zu verkaufen. Hallo? GM wollte Opel nie abgeben, die mussten. GM war insolvent und es fehlte das Geld die europäische Tochter zu sanieren. Nur deshalb wurde der Verkauf geplant, nicht weil GM Opel unbedingt loswerden wollte. Die wissen in Detroit schon sehr wohl, dass die technisch guten und modernen Autos von Opel aus Europa genau das sind, was denen in den USA fehlt (man schaue sich nur mal an, was Fiat gerade mit Chrysler macht: Die stellen eine große Zahl von Chrysler Modellen ein und produzieren demnächst Fiats in den Staaten).

Wenn der Staat jetzt clever ist (was ich nicht glaube), schafft er es, die Zahlungen an GM/Opel zu reduzieren. Und dann war die Entscheidung von GM eine gute.

Ich bleibe bei meiner Meinung, dass Opel+Fiat+massiver Abbau von Arbeitsplätzen (ist eh unvermeidbar) die beste Lösung gewesen wäre. Beide Firmen haben technisch schon kooperiert, es wären Skaleneffekte möglich gewesen und mit einem weiteren asiatischem Partner hätte ein weltweiter Vertrieb aufgebaut werden können. Und nur damit erreicht man ausreichend hohe Absatzzahlen, um günstige Einkaufspreise zu erzielen und die hohen Kosten für die Fahrzeugentwicklung wieder einzuspielen.

Wer ist denn jetzt Verlierer?

IMHO die Arbeiter, aber "nur" auf individueller Basis. Es gibt wieder Unsicherheit. Aber auf einen, der seinen Job verliert, kommt einer, der an einem anderen Standort seinen Job behält. Also no big deal.
Verlierer sind die deutschen Politiker, die viel zu früh ausschließlich auf Magna gesetzt haben und alle anderen Alternativen verteufelt haben.
Verlierer sind die deutschen Gewerkschafter, die ebenfalls ausschließlich auf Magna gesetzt haben und sich ziemlich viel Sympathien (sofern vorhanden) in Detroit verscherzt haben dürften.
Und der größte Verlierer ist IMHO Russland, das jetzt weiterhin keine Perspektive für seine völlig kranke Automobilindustrie hat.

Der deutsche Staat (oder der deutsche Steuerzahler) ist objektiv gesehen kein Verlierer. Er spart tendenziell Unterstützung und bekommt den Kredit wieder (zumindest gibt es eine Chance in diese Richtung).

Weissgarnix: Warum darf Opel nicht Insolvent gehen?

Die FTD weist zurecht darauf hin, dass Opel auch kein Know-How im Bereich Elektro-Auto hat, GM sehr wohl:

FTD: Eine Chance für Opel und den Klimaschutz

Oder übersehe ich was und sehe das völlig falsch?

Update (16:19):

Im Ausland sieht man den GM Rückzug viel positiver ...

Spiegel: Europäische Opel-Standorte begrüßen GM-Rückzieher

Update (16:33)

Die FTD mit einem Kommentar, der die GM-Entscheidung für eine gerechtfertigte Klatsche für die deutschen Politiker hält, die sich in den Verhandlungen selten dämlich angestellt haben (und vor allem der Öffentlichkeit mehrfach Zwischenergebnisse als endgültige Lösung präsentiert haben). ACK!

FTD: Danke GM

Update 2 (06.11.09):

Und eine Analyse von Telepolis zum Russland-Deutschland-Aspekt der GM-Opel-Entscheidung:

Telepolis: Rückschlag für die deutsch-russische Freundschaft

In Russland gibt es übrigens einige Stimmen, die jetzt eine engere wirtschaftliche Kooperation mit China anstreben.

Update 3 (06.11.09):

Ein letzter Hinweis auf eine IMHO gute Analyse aus US-Sicht (die eigentlich gar nicht sooo US-zentrisch ist):

Creditwritedowns: Economic nationalism and GM’s decision to keep Opel and Vauxhall

Kommentare :

  1. Ach, das was doch ein Polittheater vom Feinsten. Dass GM Opel behalten will, stand doch schon kurz vor den Wahlen fest, zumindestens für mich. Ich weiß nicht, was Angie denen versprochen hat, damit sie mit der Bekanntgabe noch etwas warten.

    Das ist die beste Lösung für GM & Opel!

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  2. und ja, den quasi-monopolistischen Drecksäcken von VW mit den viel zu hohen Preisen täte es ganz gut, wenn sie von einem fusionierten Konzern FIAT/Opel wenigstens ein bisschen Feuer bekämen. Nicht dass ich ein Freund von Opel wäre, aber von dem egomanen Scheusal Piech noch viel weniger ...

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