Per Mikrokredit finanzierte Solarenergie in Entwicklungsländer

Da sollte man bei kurzem Denken über die Kosten von Fotovoltaik schnell zu der Erkenntnis kommen, dass das keine sinnvolle Energiequelle für ein Entwicklungsland ist. Weil es schlicht zu teuer ist.

Irrtum!

Das Land mit den meisten Installationen von Dachsolaranlagen ist nämlich nicht Deutschland (oder Japan, die schon früh ein 100.000 Dächer-Programm aufgelegt haben oder die USA), sondern ...

Bangladesh.

Dort sollen bereits 250.000 Anlagen installiert sein. Auch wenn ich diese Aussage kaum glauben kann (kennt jemand die Zahlen aus Deutschland oder Japan?), nehme ich die mal so hin ...

Der Artikel wird dann noch spannender, denn die Wirtschaftlichkeitsrechnung und die Finanzierung dahinter sind ebenfalls interessant. Die Anlagen sollen nämlich bereits nach 3(!) Jahren ihre Kosten refinanziert haben.

Das erscheint dann doch sehr erstaunlich. Eigentlich ist Fotovoltaik ja teuer und außerdem sind die Energiekosten in Entwicklungsländer normalerweise niedriger als hier (weil dort kaum mit Steuern belastet). Ganz unplausibel ist das trotzdem nicht. In Entwicklungsländern sind nämlich häufig einige Sachen verblüffend teuer, auch wenn das so gar nicht zu den niedrigen Einkommen passt. Teilweise geht das auf ineffiziente Märkte zurück, teilweise auf ineffiziente Technik. Wenn man aktuell die Energie in Bangladesh aus im Westen als ineffizient ausgemusterten Generatoren erzeugt, für den man sich in der 15 km entfernten (und konkurrenzlosen) Tankstelle den Diesel besorgen muss, kann das schon sehr teuer und ineffizient sein.


Auf der Habenseite steht natürlich ein Energieertrag, der in einem Land wie Bangladesh naturgemäß deutlich höher ist als in einem relativ sonnenarmen Land wie Deutschland. Die Nähe zum Äquator hilft hier ungemein (nicht ganz überaschend soll Desertec in der Sahara gemacht werden).

Ein weiteres Problem bei der Ineffizienz in Entwicklungsländern sind die defakto kaum existenten Kreditmärkte. Auf dem Land ist kaum an Geld zu kommen und wenn doch dann nur zu Wucherzinsen. Und genau da ist der zweite interessante Aspekt an dem Programm:

Es wird über Mikrokredite finanziert. Das Thema interessiert mich ja schon länger (Toller Friedensnobelpreis!). Auch diesmal sitze die Grameen Bank des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus im Boot.

Die Rentabilität ist verblüffend: Wenn der Kredit mit vernünftigen Zinsen versehen ist, amortisiert sich die Solaranlage in 3(!) Jahren. Da die Anlage 8 Jahre halten soll, gibt es am Ende noch 5 Jahre lang kostenlosen Strom.
Hier stolpere ich dann zum zweiten Mal, denn 8 Jahre Gesamtnutzung scheinen etwas arg wenig zu sein. Sollen Solaranlagen in Deutschland nicht mindesten 25 Jahre halten?

Geht es etwa nicht um Fotovoltaik? Scheinbar doch: http://www.gshakti.org/solar.html

Das Programm soll bis zum Jahr 2015 7 Millionen Haushalte mit Strom versorgen. Wow!

Sonnenseite.com: Social Business beflügelt weltweiten Siegeszug der Solarenergie

Auch wenn mir einige Zahlen in dem Artikel etwas spanisch, bzw. blauäugig vorkommen, zeigt die ganze Aktion doch, wie viel man erreichen kann, wenn man die richtigen Maßnahmen in den richtigen Ländern vornimmt und so für weniger CO2 und Verbesserung der Lebensqualität sorgen kann. Und dafür muss man nicht sinnlos Abermilliarden in Fotovoltaik in einem sonnen- (und scheinbar hirn-)armen Land investieren ...

Siehe dazu auch:

Zahl des Tages (01.10.09): 150.000
Die Einspeisevergütung für Solarstrom muss runter!
Nochmal zwei Links zur Fotovoltaik
Zahl des Tages (06.09.09): 50%
Zahl des Tages (01.09.09): 0,245889%
Nochmal zu den Solarschulden ...
Zahl des Tages (24.08.09): 77.000.000.000
400 Mrd. für Solarstrom aus der Wüste
EEG: Subventionen für China


P.S.: Wenn übrigens jemand Ideen (oder Zahlen/Quellen) hat, warum sich die Anlagen *so* schnell refinanzieren, wäre ich für Hinweise (wie immer) sehr dankbar!

Kommentare :

  1. >>Hier stolpere ich dann zum zweiten Mal, denn 8 Jahre Gesamtnutzung scheinen etwas arg wenig zu sein. Sollen Solaranlagen in Deutschland nicht mindesten 25 Jahre halten?<<

    Hm, so unwahrscheinlich ist das nicht. Denn zum einen kommt es darauf, wie qualitativ hochwertig die Solarzellen sind, zum anderen darf man auch nicht vergessen, dass man in südlicheren (und sonnenreicheren) Länder relativ häufig extreme Wetterphänomene hat.
    Aber endlich mal ein wirklich vernünftiges Programm für ein Entwicklungsland

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  2. über das hinaus, was man Lieschen Müller immer so öffentlich erklärt:

    Photozellen (nicht Desertec-Solaranlagen) sind in der Sahara gar nicht soooo effizient, denn der Wirkungsgrad sinkt rapide mit der Temperatur (oberhalb 50 Grad) und der Sand läßt das Glas ganz schnell stumpf werden, wodurch viel Licht reflektiert wird :-(

    In Bangladesh hat man andere Verhältnisse:
    Ausserhalb des Monsuns gemäßigtere Verhältnisse, weil das viele Wasser den Temperaturanstieg bremst.
    Im Monsun gibt es zwar wenig Strom, dafür werden die Glasflächen gut gereinigt (auch nicht zu vernachlässigen).

    Normale Stromversorgung ist in Bangladesh extrem teuer, weil das Land ja ein einziges Sumpf- und Überschwemmungsgebiet ist. Folglich wird auch der konventionelle Strom in kleinen Einheiten erzeugt (Abwärme braucht man nicht) und ist deshalb schon bei der Erzeugung um ein mehrfaches teurer. Kohle gibt es wohl nicht, Kernenergie auch nicht und Öl/Gas muß teilweise importiert werden, was für ein so armes Land extrem teuer ist (Wechselkurs). Eventuell werden die Solarpanels schon im Land gefertigt und nur die reinen Zellen importiert.

    ...und da, wo es bislang keinen Strom gab, sind es die Menschen gewohnt, ihre Aktivitäten am Tageslicht auszurichten - da fällt die Umstellung auf Sonnenenergie dann viel leichter.

    Nur die Bevölkerungsentwicklung wird nicht beeinflußt, denn Fernsehen am Abend ist nicht - mangels Strom :-(

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  3. Ein Aspekt ist sicher auch die Größe der Anlagen. Photovoltaik skaliert praktisch stufenlos nach unten. Wenn ich nicht mehr habe als einen Kühlschrank, einen Radio und eine Autobatterie für die Nachtbeleuchtung dann bin ich mit 1 m^2 schon bestens bedient.

    Ein Dieselgenerator wäre da nicht wirtschaftlich zu betreiben - schon die Batterien (ca. 5 Autobatterien pro Kilowatt) würden kaum weniger kosten als die ganze Solaranlage - und durchlaufen lassen bringts nicht wenn ich nur einen Bruchteil der Leistung brauche.

    ignatius

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