Was bedeutet die Pleite von Dubai?

Hmm, da bau ich gerade einen Artikel zur Lage in Dubai zusammen, da sehe ich, dass der Nobelpreisträger Krugman zwei der drei Links (den von Roubini und Buiter) auch in einen Artikel gepackt hat.

Da übe ich mich in Demut und verweise nur auch den:
Rashomon in the desert - Paul Krugman Blog - NYTimes.com

Die Anmerkung, dass ich eher zu einer Kombination von 1) und 3) neige, klemme ich mir dann aber doch nicht. OK, den Rest auch nicht.

Buiter hat natürlich Rest, wenn er schreibt, dass nicht Dubai Pleite gegangen ist, sondern eine Firma, die zwar zufällig diesem Gemisch aus Staat und Herrscherfamilie gehört. Er bittet trotzdem, da zu unterschieden. (2)

Roubini hingegen befürchtet eher eine Kettenreaktion mit weiteren Staatspleiten (1)

Punkt 3 von Krugman ist übrigens die Interpretation: Hmm, eine neue Situation. Keine Ahnung, was da passiert.

Zu den von Buiter angesprochenen Unsicherheiten, was im Falle des Falles mit den Sicherheiten des Kredits passiert, kann ich einen alten Artikel aus dem Handelsblatt empfehlen, der schon seit Mai in meinen Lesezeichen mit dem Tag to_blog steckt und auf den ich schon immer mal hinweisen wollte:

Handelsblatt: Islam-Investments bergen ganz eigene Risiken
(leider inzwischen nur noch nach Registrierung lesbar).

Übrigens: Weiss jemand, ob die Aktion von Dubai World jetzt ein Default im Sinne der CDS ist?

Update (30.11.09):

Weil der Handelsblatt Artikel nicht mehr online ist, ein anderer Artikel, die die Probleme bei den Islam-Bonds (Sukuks) im Allgemeinen und im Speziellen ganz gut beschreibt:

FT Alphaville: The issue of shariah compliance and the Nakheel sukuk

Ich fasse das mal ganz kurz (mglw. zu kurz, pardon my ignorance, ich werden die Dinger nicht anfassen, das ist ja Intransparenz zum Quadrat) zusammen:
Im Islam gibt es ein Zinsverbot. Dahinter steckt die Idee, dass man keine Zinsen nehmen darf, nur wenn der eine Geld hat, das der andere braucht. Man darf aber sehr wohl Zinsen nehmen für das Risiko. Wenn man also eine 5-jährige Anleihe nimmt und diese bei einem mittelprächtigem Schuldner 7% bringt, beim Staat aber nur 3%, dann dürfte man bei einer Sharia-konformen Anleihe den Risikoanteil von 4% durchaus nehmen, den Anteil für das sicherere Geldverleihen (3%) aber nicht. In der Praxis wird das dann beim Hauskauf so gelöst, dass die Bank das Haus kauft und dem Bewohner vermietet. Damit trägt die Bank dann auch das Risiko für das Haus mit.

Bei einer Anleihe führt das dazu, dass es keine besicherten Anleihen geben darf. Sobald also hinter der Anleihe z.B. die Palmeninsel als Sicherheit steckt, kann man den Zins der Anleihe auch mit viel gutem Willen nicht mehr als reinen Risikozins ansehen. Damit ist die Anleihe nicht mehr shariakonform.

Übrigens hat der neue Chef-Volkswirt der Citigroup Willem Buiter (schon oft hier verlinkt) auch mal was über die islamischen Bonds geschrieben. Er hält die dahinterliegenden Prinzipien für so spannend, dass er sich durchaus vorstellen kann, dass man die Idee auch für "normale" westliche Anleihen übernehmen kann.

Maverecon: Islamic finance principles to restore policy effectiveness

Ich glaube ich mache aus dem Komplex noch mal einen eigenen Artikel.


Kommentare :

  1. Keiner weiß es im Moment.

    Alphaville schreibt, dass es wohl davon abhängt, ob das Moratorium "freiwillig" oder "nicht freiwillig" geschieht. Im zweiten Fall würde ein Kreditereignis vorliegen, sprich: Ausfall im Sinne der CDS.

    "From a CDS perspective, much will depend on whether the standstill is voluntary or mandatory. If it is the latter then a credit event is a possibility".

    Link: http://ftalphaville.ft.com/blog/2009/11/25/85326/cds-report-all-eyes-on-dubai-world/

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  2. Buiter hat den qualifizierten Kommentar

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  3. Krugman's "US bond prices are up right now, suggesting that the Dubai thing hasn’t raised expectations of default." ist leider ein Fehlschluss.

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