Zahl des Tages (02.11.09): 100.000.000.000.000

So. Die größte Zahl ever hier (OK, das habe ich schonmal geschrieben, aber diesmal glaube ich, dass es wirklich die größte bleiben wird. Außer ich schreibe nochmal was über die Bankschulden des ersten Galaktischen Imperiums ...)

Zwei Wissenschaftler von der Stanford University und der Universität Kalifornien haben versucht zu errechnen, was es kosten würde, wenn man die gesamte Energieerzeugung der Welt bis 2030 auf regenerative Energien umstellen würde. Das enthält auch den Energieverbrauch für den Autoverkehr und das Heizen, also nicht nur die Stromerzeugung. Dazu benötigt man 1,7 Milliarden Dachsolaranlagen, 3,8 Millionen Windkraftanlagen, 49.000 Solarkraftwerke und 40.000 Fotovoltaik-Komplexe sowie 750.000 Wellen-, 500.000 Gezeiten- und mehr als 5.000 Geothermiekraftwerke.

Gesamtkosten:

100.000.000.000.000 (100 Billionen) Dollar.

Mein Problem:


Der Tagesspiegel spricht von Fantastilliarden Dollar fürs Klima und spezifiziert die Fantastilliarden auch genauer: "100 000 Milliarden US-Dollar", also 100.000 Billionen (oder 100 Billiarden) Dollar. In der Diskussion über den Artikel beim Scientific American wird aber immer nur von 100 Trillion geredet, das wären aber "nur" 100 Billionen. Leider kann man den Originalartikel nicht online sehen. Ich tippe aber mal auf einen Fehler beim Tagesspiegel.  Update: 100 000 Milliarden sind natürlich 100 Billionen und nicht 100 Billiarden. Die Zahl ist also sowohl hier wie auch im Tagesspiegel korrekt.

Spannend übrigens, dass die Autoren meinen, dass sich die Umstellung trotz der scheinbar hohen Kosten lohnen würde. Man könne schließlich auch Investitionen in Kohlekraftwerke, Kohleförderung, Atomkraftwerke, etc. sparen. Auch diese halten ja nie ewig.

Was mich wundert: Biomasse kommt gar nicht vor, also Sprit, Gas bzw. Wärme aus Biomasse, was ich für eine der interessanteren Entwicklungen halte. Oder auch solche Ideen wie Biodiesel aus Algen.

Scientific American: A Plan to Power 100 Percent of the Planet with Renewables ( Preview )

The Full Paper from paper by Jacobson and Delucchi (PDF!)


Study: Shifting the world to 100% clean, renewable energy by 2030 – here are the numbers


Wenn jemand Zugriff auf den Scientific American hat (oder jemand jemanden kennt, der den hat oder an einer Uni ist und da mal kurz reinschauen kann), bitte ich um einen kurzen Kommentar, ob es jetzt 100 Billionen sind oder 100 Billiarden.

Ebenfalls zum Thema:

Zahl des Tages (01.10.09): 150.000
Die Einspeisevergütung für Solarstrom muss runter!
Nochmal zwei Links zur Fotovoltaik
Zahl des Tages (06.09.09): 50%
Zahl des Tages (01.09.09): 0,245889%
Nochmal zu den Solarschulden ...
Zahl des Tages (24.08.09): 77.000.000.000
400 Mrd. für Solarstrom aus der Wüste
EEG: Subventionen für China

Kommentare :

  1. Das scheint ja ein riesen Markt zu sein!

    AntwortenLöschen
  2. Hallo,
    wo kommt die Biomasse her?Im grossen Massstab wohl keine Alternative zu Sonnen-und Windenergie,eher eine weitere
    Fehlentwicklung.
    gruss

    AntwortenLöschen
  3. Wo ist das Problem? Das Geld einfach drucken.

    AntwortenLöschen
  4. 100.000 Milliarden Dollar sind
    100 Billionen oder 100 Trillion(US-Notation) und genau die Zahl nennt der Tagesspiegel auch

    AntwortenLöschen
  5. @anonym2:

    Du hast Recht. Grrr. Was hab ich denn da gelesen? Egal, dann ist die Zahl ja auf jeden Fall richtig, nur hab ich dem Tagespiegel einen Fehler unterstellt, der keiner ist.

    AntwortenLöschen
  6. @nigecus:

    Das ist ja nur unter der Annahme, das man das macht ... Außerdem: Der Markt für Kraftwerke, Kohleabbau, usw. ist auch nicht so klein. Zumindest zum Teil wird hier ja nur ein alter Markt ersetzt.

    AntwortenLöschen
  7. @anonym1:

    Biomasse ist als Abfall im Überfluss vorhanden. Heute wird das Zeug verbrannt, auf Halden geschüttet, etc. Meistens geht dabei viel bis alles der vorhandenen Energie verloren. Mit Biomasse könnte man einen ganzen Teil nutzen.

    Die Idee kann man schnell verteufeln. Aber es geht hierbei nicht um den Ersatz aller Ölimporte, sondern um einen wahrscheinlich einstelligen Prozentanteil der Energieerzeugung. Genauso wie Sonne nicht die ganze Energie erzeugen kann. Oder Wind. oder Geothermie. Es muss eine Mischlösung aus allem werden.

    AntwortenLöschen
  8. Ich tu mich gerade schwer, diese Zahlen einzuordnen, egal wie sie nun lauten. Was ist damit gemeint? Chance oder Pleite?

    Jedes Jahr werden 70 Millionen Autos verkauft, nach herrschender Meinung dürften es gerne viel mehr sein. Das "kostet" weit über eine Billion, jedes Jahr. Ich habe aber noch kein Jammern gehört: "Huh, was für unglaubliche Kosten".

    Wie hoch sind denn zum Vergleich die weltweiten Kosten für fossile Energie pro Jahr? Auf die Schnelle finde ich keine vernünftigen Zahlen.

    AntwortenLöschen
  9. Biomasse steht unter dem Namen "Solent Green" fast unbegrenzt zur Verfügung.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Soylent_Green

    AntwortenLöschen
  10. @Rob:

    Naja, es ist eine große Zahl. Ein Wechsel ist möglich, aber nicht einfach. Genauer einordnen kann man das wohl nicht genauso wenig wie man beurteilen kann, ob die Zahl richtig errechnet wurde.

    Die Zahl lässt sich relativieren, weil Teile davon nur andere Teile ersetzen. Soll heissen: Auch wenn man nur konventionelle Kraftwerke bauen würde, sind damit ja Kosten verbunden.

    Wichtig an der Studie ist, dass die Kosten begrenzt sind. Nach der Phase der Investitionen wird davon ausgegangen, dass die Energiekosten nicht höher sind als ohne Umstellung. Kurz: Die Mengeneffekte und technischer Fortschritt führen dazu, dass Wind und Fotovoltaik (etc.) vollständig wettbewerbsfähig werden.

    AntwortenLöschen
  11. @egghat:

    Beispielrechnung: jeder Mensch hat ungefähr 1.000 $ Energiekosten pro Jahr, weil es sich so schön rechnen lässt, also 6 Billionen weltweit. Da sind wir mitten im Rahmen der Ammortisationszeit von 15 bis 20 Jahren, mit der die Werbekalkulationen rechnen.

    AntwortenLöschen
  12. Die Behauptung, mit Sonnenenergie ginge das nicht, ist geradezu grotesk.
    Kohle, Gas, Öl, Biomasse und Wind(teilweise) sind ja auch Sonnenenergie.
    Mit der heute verfügbaren Technik von "Dessertec" genügen 5% der Wüstenfläche dieser Erde, um die Menschheit komplett mit Energie zu versorgen.
    Wer mehr will, soll sagen wozu ;-)

    AntwortenLöschen
  13. @Rob:

    Aber es sind schon *zusätzliche* Kosten. Zumindest in der Zeit der Anschaffung und zumindest teilweise.

    AntwortenLöschen
  14. Auf Sonnenenergie kann man nachts nicht zugreifen. Das ist schon ein Problem!

    Wenn du jetzt darüber diskutieren willst, ob Windenergie auch Sonnenenergie ist, finde ich das ziemlich kleinkariert. Bringt uns das weiter? Ohne Sonnenenergie würde hier niemand sitzen, der was tippen könnte. Aber darüber muss man nicht diskutieren ...

    Zur Fläche, die man benötigt um die Menschheit mit Energie zu versorgen, hatte ich hier schonmal (0,25%). Habe den Link im Artikel ergänzt. Die Rechnung im Artikel kommt auf etwas andere Werte. Fakt bleibt aber, dass der sinnvolle Anteil Sonnenenergie zum großen Teil durch die Dachflächen abgedeckt werden kann. Wichtig: Fläche ist kein Problem.

    Desertec lenkt IMHO den Blick auf eine Sache, die ich auch schon lange kritisiere: Solarzellen in Deutschland machen zwar Sinn, aber so verdammt viel weniger Sinn als Solarzellen in Italien die so verdammt viel weniger Sinn machen als Solarzellen in Afrika. Wir müssen dieses globale Problem global lösen. Also Solar da wo die Sonne häufig und kräftig scheint. Und das ist nicht vorrangig Deutschland.

    AntwortenLöschen
  15. dazu vielleicht passend: ganz aktuell von DESTATIS veröffentlicht
    "Energie auf einen Blick"
    http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/Fachveroeffentlichungen/Produzierendes_20Gewerbe/EnergieWasserversorgung/EnergieBlick,property=file.pdf

    AntwortenLöschen
  16. Japan: Alptraum
    Von Japan wird relativ wenig berichtet, obwohl sich auch hier die Verhältnisse verschieben. Letzte Woche hat der Chefökonom des IWF auf die Schieflage in Japan hingewiesen. So sind die credit default swaps (CDS) mit denen Verluste bei Staatsanleihen besichert werden seit Anfang September von 35 auf 63 Basispunkte gesteigen. (Für japanische Staatsanleihen mit fünfjähriger Laufzeit müssen 63 Basispunkte an Prämie gezahlt werden)
    Damit hat sich Japan selbst von Großbritannien abgekoppelt ( 47 Basispunkte). Zum Vergleich: Deutschland (21).
    Vorallem aber kommt Japan nicht aus der Schuldenfalle. Die Staatsverschuldung explodiert seit den großen Crashs unaufhörlich und erreicht in diesem Jahr 218% der GDP und steigt, so die Prognosen, bis 2014 auf 250%.
    Beunruhigend auch der plötzliche Zinsanstieg bei den 10jährigen Staatsanleihen von 1.3% auf 1.42% innerhalb von wenigen Tagen.
    (Hier möchte ich nochmal auf die Aussage vieler Experten verweisen, die einen plötzlichen und scharfen Anstieg der Zinsen bei den Staatsanleihen als den Auslöser für einen globalen Crash sehen)

    Auch das Argument hoher Sparquoten der Japaner, das immer als Argument für die Beherrschbarkeit einer hohen Staatsverschuldung herhalten konnte, verliert an Berechtigung. Aus einer Sparquote von 15% in den 90iger Jahren, sind mittlerweile kümmerliche 2% geworden.
    Der weltweit größte staatliche Pensionsfond ($1.5 Billionen) ist mittlerweile aufgrund der demographischen Entwicklung zum Netto-Verkäufer von jp. Staatsanleihen mutiert.
    Die Japan Post Bank hält weitere $1.7 Billionen. Beinahe ein Akt der Verzweiflung sind die Werbemaßnahmen des Finanzministeriums in Taxen, die zum Kauf jp. Bonds auffordern.
    So lesen sich die Daten der Japanischen Volkswirtschaft wie eine Hororrliste:

    * 27% weniger Steuern
    * Industrieproduktion -19%
    * Exporte -31%
    * Wirtschaftswachstum -10%
    * Preisindex (CPI) Oktober -2,4%

    Trotz seiner jahrelangen Niedrigzinspolitik (Leitzins aktuell 0,1%) ist die "real interest rate" (aufgrund des negativen CPI) seit letzten Jahr um 300 Basispunkte gestiegen.

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore