Zahl des Tages (09.11.09): 1.300.000.000.000

Tja, was nimmt der egghat wohl, um am 20. Jahrestag des Mauerfalls die Euphoriebremse zu spielen ...

Wie wär es mit den Kosten der Einheit?

Zwar gibt es erstens keine wirklich verlässliche Zahl (wie soll man das berechnen?) und leider stammt die Zahl aus dem Jahr 2006 und drittens ist die Berechnung (und sogar das Ergebnis) geheim. Aber wenn's jemandem politisch in den Kram passt, kann nichts geheim genug sein, als dass es nicht doch (zumindest teilweise) ans Licht kommt.

So hat dann auch der Spiegel Zugriff auf eine Studie des IWH (Institut für Wirtschaftsforschung) bekommen, die das Bundesfinanzministerium 2006 in Auftrag gegeben hat. Darin werden die Kosten für die deutsche Einheit bis 2005 auf

1.300.000.000.000 (1,3 Billionen) Euro

geschätzt. Ein paar Hundert Milliarden dürften da inzwischen sicherlich noch draufgekommen sein. Und ein paar Hundert Milliarden dürften noch folgen, selbst wenn die (IMHO zu optimistische) Prognose einer Angleichung der Wirtschaftsverhältnisse in Ost und West bis 2019 aufgeht (s.u.).

Spiegel: Aufbau Ost kostete 1,3 Billionen Euro

Die Zahl erfasst aber nur die Bruttozahlungen in den Osten. Dagegen rechnen muss man zum Beispiel die Wirtschaftsleistung der Berufspendler von Ost nach West, die aktuell auf 60 bis 70 Mrd. Euro jährlich geschätzt wird. Diese zählen aufgrund ihres Wohnsitzes als Subventionsempfänger, sind defakto aber Leistungsträger im Westen.

Trotzdem bleibt die Zahl natürlich erschreckend hoch. Und erschreckend niedrig ist der Anteil von nur gut 10%, der direkt in den Aufbau von Arbeitsplätzen geflossen ist und nicht nur indirekt in Form von Sozialtransfers. Diese sind, auch das ist eine interessante Zahl, nämlich ziemlich ineffizient: Davon bleiben nämlich nur knapp die Hälfte im Osten "hängen", der Rest fließt in den Westen oder das Ausland ab. Natürlich sind Transferzahlungen auch nicht nachhaltig wie ein neuer Arbeitsplatz. Dieser finanziert sich schließlich selber, während Sozialleistungen auch im nächsten Jahr wieder von neuem finanziert werden müssen. Schätzungen zufolge beträgt die Differenz zwischen der erwirtschafteten Leistung und der Menge Geld, die ausgegeben wird, bei etwa 20%. Die Ostdeutschen leben also etwa 20% über ihre Verhältnisse.

Eine Angleichung der Lebensverhältnisse bedeutet in Politikersprache übrigens 80% des Westniveaus. Und das halte nicht nur ich für zu optimistisch. Aktuell liegt der Osten bei etwa 70%. Leider wurde der Abstand in den letzten Jahren nicht geringer. Außer in der aktuellen Krise, in der die exportorientierte Westwirtschaft stärker litt. Aber eine Angleichung der Lebensverhältnisse auf einem niedrigerem Niveau als vorher ist sooo erstrebenswert dann auch nicht ...

Auch hier ist die Einschätzung schwierig. Darf man Mecklenburg-Vorpommern mit Bayern oder Hessen vergleichen? Oder doch eher mit Niedersachsen oder Rheinland-Pfalz, welche eine vergleichbare Einwohnerstruktur haben? Dann wären nämlich die drei erfolgreichsten neuen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen schon bei 81-85% der westlichen Vergleichsländer angekommen.

FTD: Der Osten verpasst den Anschluss

Und auch das ist noch keine abschließende Einschätzung. Da ich ja gerne so viele Aspekte wie möglich beleuchte, weise ich auch noch auf die Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (DIW) hin, das die Aufholjagd bis 2019 durchaus für machbar hält. Die Zwischenüberschrift nach 20 Jahren wäre eine positive, so das DIW. Von 33% wäre die Wirtschaftsleistung im Osten auf inzwischen 70% gestiegen und die restlichen 10% wären in den kommenden 10 Jahren auch noch machbar.


MW-Web: Neue Länder haben auffallend flink aufgeholt

Der finanzielle Aspekt greift natürlich zur Beurteilung der Freiheit von (damals) 17 Millionen Menschen zu kurz. Aber über diese Aspekte wird ja überall gelobhudelt, da muss ich nicht noch nachlegen ...

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