Zahl des Tages (10.11.09): 4,7

Ich hatte eigentlich schonmal vor, etwas zu einem ähnlichen Problem zu schreiben, deshalb stürze ich mich direkt auf diese Zahl, weil ich mir schonmal ein paar Gedanken gemacht habe.

Moody's hat die Laufzeitenstruktur aller Banken, die über ein Rating von Moody's verfügen, analysiert. Die durchschnittliche Laufzeit ist dabei so kurz wie nie zuvor und beträgt nur noch

4,7 Jahre.

Die Banken sind also extrem kurzfristig finanziert.

Der Grund ist naheliegend: Durch die niedrigen Leitzinsen in Japan, den USA und Europa sind die kurzfristigen Zinsen sehr niedrig, die langfristigen Zinsen haben aber kaum reagiert. Die Banken holen sich das Geld also lieber kurzfristig.

Was hat das für Folgen?

Die positive Folge ist einfach: Die Banken erwirtschaften dadurch einen großen Teil ihrer aktuellen Gewinne. Die Kreditkosten für die Kunden sind kaum gesunken, die Finanzierungskosten der Banken aber schon. Mit der hohen Zinsspanne können die Banken gut wirtschaften.

Negativ ist aber die erhöhte Abhängigkeit von den kurzfristigen Refinanzierungsmöglichkeiten. Kommen diese zum Erliegen, sind die Banken schnellstens insolvent. Das beste (und abschreckendste) Beispiel ist die Hyporealestate, die praktisch ihren ganzen Refinanzierungsbedarf nur noch über den Staat decken konnte. Eine zu kurzfristige Finanzierung ist also ungesund und sehr risikoreich.

Die Frage, was "zu kurz" in Jahren bedeutet, ist natürlich schwierig zu beantworten, aber die Tatsache, dass die Finanzierung in den letzten 20 Jahren noch nie so kurzfristig war, erhöht natürlich die Gefahr, dass der aktuelle Zustand zu kurzfristig ist.

Kein Problem, könnte man leicht argumentieren, die Banken holen sich logischerweise das billige Geld bei der Notenbank und sobald das ausläuft, leihen sie sich das Geld halt wieder auf normalem Weg. Allerdings wird das nicht ganz so einfach, immerhin laufen bis Ende 2012 Bankschulden im Gesamtwert von

7.000.000.000.000 (7 Billionen) Dollar

aus. (Alternativzahl des Tages, für alle, denen 4,7 zu klein ist ;-)) Dafür müssen sich erst einmal ausreichend Anleger finde!

Außerdem gibt es noch ein weiteres Problem: Die Banken werden nämlich aktuell nicht nur über niedrige Leitzinsen aufgepäppelt, sondern zusätzlich noch durch milliardenschwere Staatsgarantien. Banken zahlen also die eigentlich gerechtfertigten Risikoaufschläge nicht. Sobald sich die Banken wieder normal refinanzieren müssen, kommt "Der Große Hammer" (tm).

Eine Bank, die sich kurzfristig und mit Staatsgarantie Geld leiht, zahlt aktuell im Schnitt ungefähr 1,3 Prozent Zinsen. Eine Bank, die mit Baa geratet wird (was zugegeben ein schlechtes Rating für eine Bank ist, Deutsche Bank und Commerzbank liegen ein paar Stufen darüber, selbst die kritische Apobank liegt mit A2 darüber) und sich für 10 Jahre Geld leiht, zahlt aktuell etwa 7,75% Zinsen. Der Zinsunterschied srich Ersparnis beträgt also

645 Basispunkte. (Alternativzahl des Tages 2, für alle, denen die 7 Billlionen zu groß sind).

Die Finanzierungskosten würden sich also nahezu verfünffachen!

Und es geht um keine kleinen Summen. Die 7 Billionen Gesamtrefinanzierungsvolumen standen ja schon oben, und diese sind auch noch zunehmend staatsgarantiert. Die Summe der staatsgarantierten Bankanleihen stieg 2009 um +23%, die Summe der nicht garantierten Anleihen sank um 22%.

Moody's schätzt weiterhin, dass die Banken noch nicht alle wahrscheinlichen Verluste abgeschrieben haben und hat daher wenig Hoffnung, dass sich die Risikoaufschläge der Banken deutlich verringern.

Keine gute Aussichten für die Banken.

Was können die jetzt machen? Das große Deleveraging beginnen, also die Bilanzsumme reduzieren und weniger Geld verleihen (um dann auch weniger refinanzieren zu müssen)? Das wäre ein volkswirtschaftliches Desaster. Darauf hoffen, dass der Staat die Garantieprogramme immer weiter verlängert und die Notenbank nie mehr die Zinsen erhöht? Ziemlich unrealistisch.

Die Auflösung dieses Knotens wird nicht einfach ...

FT Alphaville: Banks don’t just have an asset problem, says Moody’s

Und wem das alles noch nicht pessimistisch genug ist: Die Laufzeitenstruktur der Staaten hat sich in den letzten Jahren ebenfalls in die falsche Richtung bewegt. Dazu schreibe ich aber nochmal was, wenn ich denn das entsprechende Posting wiederfinde ...

Update (16:05);

Mist, die FAZ war schneller:

FAZ: Kurzfristige Finanzierung birgt Zinsrisiken

Update (20:31)

Immerhin war ich schneller als das Handelsblatt :-)

Handelsblatt: Banken droht riesige Umschuldungswelle

Kommentare :

  1. Wieso, das paßt doch?!

    Die Banken haben aus der letzten Krise gelernt, daß sie im Zweifel schon vom Staat aufgefangen werden und bei den Notenbank jeden Giftmüll noch als Sicherheit für neue Kredite hinlegen können.

    Zumindest gilt das für die großen Banken, die in Zukunft immer auf Lehmann als warnendes Beispiel verweisen können, warum man große Banken nicht pleite gehen lassen darf.

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  2. Wie wahr. Ich habe ja auch schonmal geschrieben, dass wir aus Banken, die too big to fail waren, jetzt Banken gemacht haben, die much too big to fail sind ...

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