Zahl des Tages (13.11.09): 45.000.000.00

Ich habe es ja für die alte Münchhausen-Geschichte gehalten, bei der sich der Baron von Münchhausen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen hat. Eine gewisse Skepsis und Verwunderung über die geplante Aktion war schon in meinem ersten Artikel nicht zu übersehen: FDIC pumpt Banken an (die sie eigentlich retten soll).

Trotz meiner Verwunderung wird das jetzt aber wirklich so umgesetzt. Die amerikanischen Banken zahlen die Beiträge an die US-Einlagensicherung FDIC für drei Jahre auf einen Schlag.

Damit soll die Insolvenz der FDIC verhindert werden, deren Rücklagen nur noch wenige Promille der versicherten Assets ausmachen. Und das bereits am Ende des letzten Quartals, die (von mir fleissig protokollierten) Schäden durch weitere Bankpleiten dürften die Rücklagen der FDIC inzwischen auf Null (u.U. sogar noch weniger) reduziert haben.

Auch wenn ich mich frage, woher die Banken das Geld auf einmal haben, wollen diese jetzt zur Rettung der FDIC

45.000.000.000 (45 Milliarden) Dollar

auf einen Schlag überweisen.

Die Banken haben diese Variante wohl bevorzugt, weil damit die Erhöhung der Beiträge vom Tisch ist, was ansonsten wohl gedroht hätte. Das hätte natürlich besonders den Banken, die solide gewirtschaftet haben, überhaupt nicht gefallen.

Inwieweit das hilft, falls die Flut der Bankpleiten nicht abebben sollte, wird man sehen ...

FTD: US-Banken müssen eigene Einlagensicherung retten

Update (12:36):

Wie ich gerade im Wall Street Journal lese, werden die Beiträge ab 2011 doch erhöht, allerdings wohl nicht so stark, wie ohne diese Vorabzahlung.

WSJ: FDIC Moves on Plan to Replenish Coffers With Banks' Early Payments 

Also nochmal zur Quelle:

FDIC: FDIC Board Approves Final Rule on Prepaid Assessments

Im darin verlinkten PDF wird die Erhöhung der Beiträge bestätigt. Da ich die Berechnung nicht kenne, kann ich nicht beurteilen, wie stark die Erhöhung ist (10%, 50%, 100%?). Falls das jemand zufällig irgendwo lesen sollte, bitte Kommentar hinterlassen.

Kommentare :

  1. Dass sich die FDIC das Geld bei ihren Mitgliedern holt, ist erst mal überhaupt nichts Kritikwürdiges, denn das ist das Grundprinzip, nach dem Einlagensicherungsfonds (auch in Deutschland) konstruiert sind. Es ist so eine Art Versicherung/Umlageverfahren - wenn einer aus der Runde ausfällt, müssen die anderen Mitglieder eben dafür aufkommen. Das war auch in "guten" Zeiten so. Das Problem ist natürlich jetzt, dass die halbwegs gesunden Banken auch nicht mehr genügend Kapital haben, um all die Pleiten zu finanzieren.

    Deswegen greift die FDIC zu einem buchhalterischen Trick: Das Geld fließt schon jetzt (die Banken können es sich vermutlich relativ billig bei der Notenbank leihen), aber es gilt zunächst nur als eine Art Kredit an die FDIC. In die Gewinn- und Verlustrechnung der Mitgliedsbanken fließen diese vorab gezahlten Beiträge aber erst dann ein, wenn sie regulär fällig geworden wären. Das bewahrt die Banken momentan vor höheren Verlusten.

    Nach meinem Eindruck ist das mehr oder weniger Taschenspielerei, aber für den Moment kann man so tun, als sei das Problem gelöst. Natürlich nur so lange, bis die FDIC die vorab eingesammelten Milliarden verbraucht hat. Danach wird doch der Staat einspringen, vermute ich.

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  2. @Amelia. Stimmt das mit dem Kredit/Buchung?

    Also die FDIC hat so eine Art Forderung an die Geschäftsbanken (quasi die zukünftigen Mitgliedsbeiträge). Nun braucht aber die FDIC das Geld sofort. Daher nimmt die FDIC einen Kredit von den Geschäftsbanken und hinterlegt als Sicherheit die Forderungen für die zukünftigen Beiträge der Geschäftsbanken. War das so gemeint Amelia?

    Hmm hört sich echt komisch an. Vielleicht bracuht die FDIC nur ein Signal: "Ohh, schaut her liebe Leute, so einen riesen Haufen Geld haben wir hier rumliegen!" Ob die FDIC das Geld jetzt genau bzw. in nächster Zeit in kompletter Höhe braucht... Vielleicht, vielleicht nicht, ... Wer weiß das schon...

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  3. Die Details sind hier nachzulesen:

    http://www.fdic.gov/deposit/insurance/prepay/

    Aus den Punkten 5 und 6 ergibt sich nach meinem Verständnis genau das, was ich geschrieben habe. In Punkt 6 heißt es:

    "Under GAAP accounting rules, unlike special assessments, prepaid assessments would not immediately affect bank earnings. Each institution would record the entire amount of its prepaid assessment as a prepaid expense (an asset) as of December 30, 2009, the date the payment would be made.

    As of December 31, 2009, and each quarter thereafter, each institution would record an expense (charge to earnings) for its regular quarterly assessment and an offsetting credit to the prepaid assessment until the asset is exhausted."

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  4. @Amelia und Nigecus:

    Ich habe das auch so verstanden, wie Amelia das beschrieben hat. Warum das so zulässig ist und welcher buchhalterische Trick dahinter steckt, habe ich aber nicht verstanden ... Man kommt manchmal aus dem Staunen nicht heraus ...

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