Die Lizenz zum Gelddrucken

Ich müsste eigentlich schonmal was zum Thema geschrieben habe, finde es aber auch nach minutenlangem Suchen nicht wieder. Es geht um die neueste Masche der Banken (und einiger findiger IT-Spezialisten), Geld zu verdienen.

Man gründet eine elektronische Börse. Das ist vom IT-Standpunkt sicherlich nicht trivial, aber durchaus machbar. Man beschränkt sich am Anfang nur auf einige wenige Papiere und senkt so die Komplexität des Gesamtsystems. Für diese Börse sucht man sich dann möglichst viele große Partner, die ihre Aufträge bevorzugt auf die neue Börse umleiten. Im Gegenzug bekommen diese Partner Anteile an der Börse und Vorzugskonditionen bei den Transaktionskosten.

Da eine neue Börse mit modernster Technologie, wenig Altlasten (sowohl technisch, wie auch regulatorisch), hoher Spezialisierung (nur wenige Papiere) und nur wenigen sehr großen Teilnehmern billiger sein muss als die alteingessenen Börsen, generieren diese in kürzester Zeit relevante Umsätze.

Damit werden die elektronischen Börse schnell zur Bedrohung der alteingessenen. Und was macht man als Gründungsmitglied einer elektronischen Börse? Man verkauft sie an denjenigen, der am meisten dafür zahlt. Und das ist die alteingessene Börse, denn sie hat ein großes Interesse, den ungewünschten Konurrenten zu kontrollieren. Und sei es nur, um diesen anschließend zu schließen oder die Gebühren so weit zu erhöhen, dass die alteingessene Börse damit leben kann.

Ich übertreibe natürlich etwas, wenn ich sage, dass es sooo einfach ist. Das war es aber wirklich mal, solange neben die etablierten Börsen nur eine elektronische Börse gesetzt wurde. Inzwischen hat es sich aber herumgesprochen, dass man mit einer elektronischen Börse viel Geld verdienen kann. Und das sogar relativ risikolos (wenn man die großen Partner zusammen hat) und relativ schnell (einige Jahre). Inzwischen konkurrieren aber direkt mehrere alternative Börsen um die Marktanteile und daher erreichen diese Börsen nicht mehr allein die notwendigen Marktanteile von 20 bis 30%, sondern müssen sich diese untereinander teilen.

Im Fall der heute zu 60% an die London Stock Exchange verkauften elektronische Börse Turquoise lag der Marktanteil bei relativ mageren 7%. Nicht genug, um die hohen Fixkosten einer Börse wieder einzuspielen. Die Gründungsmitglieder BNP Paribas, Citi, Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman Sachs, Merrill Lynch, Morgan Stanley, Société Générale and UBS mussten mehrfach Geld nachschießen. Sie werden wahrscheinlich trotzdem Geld verdient haben. Auch wenn die Traumrenditen der späten 90er Jahre, als elektronische Börsen nach zwei bis drei Jahren zum 10- oder 20-fachen der Gründungskosten verkauft werden konnten, Vergangenheit sind.

Turquoise wird mit der elektronischen Großanlegerbörse Baikal der London Stock Exchange zusammengelegt. Wohl in der Hoffnung, dass nachher genügend Liquidität für einen profitablen Handel im System ist. Es sei denn, die Gründungsmitglieder steigen aus, gründen wieder eine neue Börse, füllen diese mit Liquidität und verkaufen sie ein paar Jahre später. Dann vielleicht an die Deutsche Börse oder die NYSE Euronext.

FTD: LSE krallt sich Handelsplattform Turquoise

Turquoise - About us

Pressemitteilung von Turquoise (PDF!)

Zum Thema passen auch meine zwei Postings zum Thema High Frequency Trading. Da sind nämlich genau die Geschäfte, die die Liquidität in die neuen Börsen spülen ...


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Kommentare :

  1. Wo wird denn eigentlich das Geld in der realen Wirtschaft verdient, dass durch das High Frequency Trading entsteht?
    Gruß dm

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  2. Nirgendwo. HFT ist ein klassisches Nullsummenspiel. Das Geld, das der eine mehr in der Tasche hat, hat der andere weniger.

    Wenn die Banken geschätzte 19 Milliarden damit verdienen (Zahl aus dem Kopf), ha die jemand anderes weniger. Wer auch immer das sein mag. Kleinanleger? Andere Großanleger? Versicherungen? Fonds? Keine Ahnung.

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  3. Das Geld gehr ja auch nicht verloren, es wechselt lediglich den Besitzer! :-)

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