Griechenland und Portugal vor Herabstufung?

Die Ratingagentur Standard & Poors hat das Rating für griechische Staatsanleihen mit dem Ausblick "negativ" versehen. Damit könnte es in den nächsten Wochen zu einer Herabstufung des aktuellen Ratings von A- kommen. Und A- ist bereits das schlechteste Rating eines Landes der Eurozone.

Zur Erinnerung: Nach A- kommen noch BBB+, BBB und BBB-, die als Investmentqualität gelten. Darunter wären die Anleihen Junk. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass Griechenland direkt so weit herabgestuft wird, aber dass Griechenland herabgestuft wird, halte ich für sehr wahrscheinlich. Immerhin geht es um ein Land, das zum wiederholten Mal offiziell gefälschte Zahlen zum Haushaltsdefizit veröffentlicht hat. 2009 wird es ein Defizit von mehr als 12(!)% des BIPs geben, ursprünglich gemeldet wurden nur gut 6%.

Und das in einem Land, das von der Finanzkrise eigentlich gar nicht so hart getroffen wurde, weil der Bankensektor vergleichsweise unkritisch ist. Die Staatsdefizite in Großbritannien und den USA sind ja angesichts der Probleme bei den Banken und der riesigen Rettungsprogramme noch halbwegs erklärbar, aber woher zum Teufel stammt ein so heftiges Minus in Griechenland?

Griechenland muss also sparen. Nur will die Bevölkerung das nicht, weil die Krise dort scheinbar noch nicht angekommen ist. Statt Sparen gibt es Demos und teilweise sogar  Randale. Sowas verunsichert die Kreditgeber dann noch stärker ...

Und mit diesen sollte sich Griechenland lieber nicht anlegen. Die Staatsverschuldung soll 2010 auf 125% des BIPs steigen und damit würde Griechenland Italien bei diesem Parameter als Nummer 1 in der Eurozone ablösen. Am Höhepunkt der Krise mussten die Griechen bereits über 2% mehr Zinsen als Deutschland bezahlen. Der Risikoaufschlag sank in den vergangenen Monaten wieder, zieht jetzt aber wieder an (der Anleihenkurs sinkt heute um fast 200 Basispunkte) und liegt aktuell für eine Anleihe mit 8,5 Jahren Restlaufzeit bei 1,85%. Während deutsche Bundesanleihen etwas über 3% Rendite abwerfen, sind es in Griechenland also etwa 4,9%. Die Refinanzierung der hohen Schulden wird so natürlich nicht leichter.

Für die Euro-Zone und der Euro dürften die Probleme Griechenlands auf jeden Fall wichtiger sein als die Krise in Dubai.

Auch Portugal wurde auf Ausblick negativ gesetzt. Allerdings ist die Lage in Portugal etwas weniger dramatisch. Das Rating ist mit A+ noch zwei Stufen besser als das von Griechenland. Der Abwärtstrend bei den mit PIGS (Portugal, Italien, Griechenland und Spanien) ist auf jeden Fall noch nicht zu Ende.

FT Alphaville: CDS report: Greece under pressure again after downgrade threat The Big Picture: Will Greece go the way of Dubai?


FTD: Athens Kreditwürdigkeit: S&P entzieht Griechenland das Vertrauen
Handelsblatt: Der griechische Patient lässt es sich gutgehen

Update (11:32):

FT Alphaville hat noch eine spannende Spekulation zum Fall Griechenland nachgeliefert. Die griechischen Staatsanleihen sind in letzter Zeit vor allem von einer Seite gekauft worden: den griechischen Banken. Das ist generell nicht ungewöhnlich, denn der Bankensektor eines Landes hält quasi überall auch große Teile der Staatsschulden. Etwas ungewöhnlicher ist es schon, wenn sich die Banken das Geld dafür über die extrem großzügigen und preiswerten Refinanzierungsinstumente der europäischen Zentralbank besorgen. Die EZB finanziert also defakto über einen Umweg das griechische Staatsdefizit.

Jetzt spitzt sich die Situation direkt in zweierlei Hinsicht zu:

Erstens hat die EZB eine Rückkehr zu normaleren Finanzierungsmöglichkeiten der Banken angekündigt. Das bedeutet, dass das Geld (wie früher) nur noch kurzfristig zur Verfügung gestellt wird, dass es weniger Geld sein wird und außerdem der Zins dafür erhöht wird. Allein das wird die griechischen Banken in eine Finanzierungsklemme bringen.

Zweitens, und das ist unter Umständen noch viel schlimmer, könnten griechische Staatsanleihen im Falle der Herabstufung nicht mehr als Sicherheit bei der EZB hinterlegt werden. Die Grenze dafür liegt nämlich genau zwischen A- und BBB+; A- wird akzeotiert BBB+ nicht mehr.

Wenn die griechischen Banken eine ähnliche Bilanzstruktur haben wie die deutschen, machen die Staatsanleihen einen wichtigen Teil der Bilanzsumme aus. Damit würde der Zugriff der griechischen Banken auf die Refinanzierungsmöglichkeiten bei der EZB massiv eingeschränkt. (Die EZB kann die Regeln für die Sicherheiten natürlich jederzeit weiter aufweichen und in Zukunft wie die US-Notenbank oder die Bank of England jeden Schrott als Sicherheit akzeptieren. Die Frage ist eher, ob sie es will).

Edward Hugh von "A Fistful of Euros" spekuliert, dass die EU über diese Argumentationskette die griechische Regierung unter Druck setzen möchte, damit diese erstens endlich reagiert und zu sparen beginnt und zweitens in Zukunft die EU beim Staatsdefizit nicht wieder anlügt.

Ziemlich plausible Spekulation.

Hugh ist übrigens ziemlich skeptisch, was die langfristigen Aussichten der griechischen Staatsschulden angeht, erwartet aber, dass das kurzfristige Szenario nicht so schlimm kommt, wie es gerade aussehen mag. Es ist halt zum Teil eine künstlich aufgebaute Drohkulisse ...

Fistful Of Euros: It’s All Greek To Me

gefunden über:
FT Alphaville: Making an example out of Greece

Update 2 (13:33):

Die FTD mit einer kleinen Aktualisierung. Darin die Bestätigung, dass die griechischen Staatsanleihen, die die griechischen Banken halten, wirklich zum überwiegenden Teil über die EZB finanziert wird. Bei der Alpha-Bank sollen bis zu 85% der griechischen Anleihen direkt mit EZB-Geldern finanziert worden sein. Was übrigens eine nette Marge abwirft, wenn griechische Anleihen mit etwa 5% rentieren und das Geld bei der EZB nur 1% kostet ...

FTD: Ausverkauf bei griechischen Staatsanleihen

Update 3 (13:52):

Der Konkurrent Fitch Ratings (die kleinste der drei Rating-Agenturen) hat heute Nägel mit Köpfen gemacht und die Staatsanleihen Griechenlands auf BBB+ herabgestuft:

Fitch Downgrades Greece to 'BBB+'; Outlook Negative

(die Seite dahinter ist nur für zahlende Kunden sichtbar).

Danke an Ray für den Hinweis.

Update 4 (14:59):

Etwas mehr zum Fitch-Rating:

FT Alphaville: Fitch downgrades Greece to BBB+

Update 5 (15:32)

Das Handelsblatt ebenfalls zu Griechenland (Portugal geht scheinbar etwas unter in der medialen Darstellung):

Handelsblatt: Die Angst geht um

Update 6 (15:45):

m106 hat mich auf einen Grund hingewiesen, der die Schwäche der griechischen Volkswirtschaft erklären könnte und interessanterweise auch dafür sorgen könnte, dass die griechische Krise nicht nur über den Umweg EU (bzw. Euro) sondern auch direkt in Deutschland ankommt:

Die Reederei (also Schifffahrt) ist ein wichtiger Sektor in Griechenland. Die Charterraten sind im Zuge der Wirtschaftskrise völlig zusammengebrochen. Inzwischen sieht es etwas besser aus. Aber auch heute (und das seit Monaten) liegen signifikante Teile der Containerschiffsflotten ohne Auftrag vor den internationalen Häfen (Fotos hier: Mail Online. Revealed: The ghost fleet of the recession anchored just east of Singapore oder wer direkt die Schiffe auf der Weltkarte sehen möchte: Vesseltracker.com - Singapur).

Und wie ist die direkte Verbindung nach Deutschland? Die Finanzierung. Die HSH Nordbank ist dick in diesem Geschäft und hat sogar eine Niederlassung in Athen. Auch bei der Bremer Landesbank sollen 20% der ausstehenden Kredite an Schiffe vergeben worden sein, die unter griechischer Flagge auf den Weltmeeren umherschippern. Oder auch nicht schippern ...

Kommentare :

  1. "Und das in einem Land, das von der Finanzkrise eigentlich gar nicht so hart getroffen wurde[...]"

    Imho stimmt das nicht so ganz, immerhin hat die griechische Schifffahrt international und national einen sehr hohen Stellenwert und bedient mit über 3.000 kontrollierten Schiffen fast 20% des weltweiten Schiffsverkehrs.

    Und was mit den Frachtpreisen passiert ist, dürfte dir ja bekannt sein. Stichtwort BDI-Index.

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  2. Die Frage, für mich, ist ja nicht, ob Griechenland Pleite geht oder nicht, sondern ob und wie die EU ihr dabei zur Seite stehen

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  3. Fitch hat Griechenland eben downgegradet, deswegen ist auch der Dax abgestürzt.

    Reuters:
    FITCH STUFT GRIECHENLAND RUNTER AUF BBB+
    FITCH - AUSBLICK FÜR GRIECHENLAND IST NEGATIV; BISHERIGES RATING WAR A-
    FITCH - HERABSTUFUNG REFLEKTIERT SORGEN ÜBER MITTELFRISTIGEN AUSBLICK FÜR STAATSFINANZEN
    FITCH - MANGEL AN POLITISCHEN MASSNAHMEN IN GRIECHENLAND VERRINGERT VERTRAUEN IN FINANZ-STABILISIERUNG IN 3 BIS 5 JAHREN
    FITCH - WEITERE HERABSTUFUNG VON GRIECHENLAND MÖGLICH
    FITCH - STÄRKERES ENGANGEMENT DER REGIERUNG KÖNNTE ZU ANHEBUNG DES AUSBLICKS FÜR GRIECHENLAND AUF "STABIL" FÜHREN

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  4. Ich bin auch der Meinung, dass die nun nicht mehr mögliche Hinterlegung der griechischen Staatsanleihen ein riesiges Problem für die griechischen Banken darstellt.
    Ich weiß nicht, ob 1 Rating dafür ausreicht, aber eine der anderen 2 Ratingfirmen dürfte bald folgen, spätestens dann wird die EZB kein Geld mehr rausgeben.
    Dies verstärkt natürlich das Gesamtproblem für Griechenland, bin mal gespannt wie die da noch rauskommen wollen ohne fremde Hilfe.

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  5. @ray:

    a) Danke für den Hinweis. Habe ich in den Artikel eingebaut.
    b) Ich glaube, dass die EZB einfach die Kriterien aufweicht. Die Schwelle zwischen Investmentqualität und Junk bietet sich ja geradezu an ...

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  6. @m106:

    Mit der Schifffahrt hast du natürlich recht. Weisst du, ob die griechsichen Banken dadurch wirklich in (haha welch tolles Bild) in unruhiges Fahrwasser gekommen sind?

    (Die HSH Nordbank schiebt einen riesigen Haufen zumindest teilweiser wertloser Schiffshypotheken vor sich her ... Es kann also gut sein, dass das in Griechenland ähnlich aussieht)

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  7. @egghat

    Ich habe zumindestens noch nichts davon gehört. Ich schätze die meisten Kredite für Schiffsfinanzierungen bekommen (oder bekamen) die Griechen von den deutschen Schiffsfinanzierern. Bei der Bremer Landesbank haben die Geschäfte mit den Griechen einen Anteil von 25% und die HSH Nordbank hat sogar eine Filiale in Athen!

    Die zweite Welle des Finanz-Tsumanis sehe ich schon am Horizont aufkommen, ausgelöst durch eine (evtl. fast) Staatspleite.

    Griechenland wird es aber nicht sein, das würde die EU niemals zulassen.

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  8. nachdem die EZB die Spanier geretter haben kommen nun die griechen

    und als nächstes lettland,osten ?

    kein wunder das island und balkan staaten rein wollen in die EUrozone

    mal sehen wann england,schweden,dänemark,schweiz und norwegen schwach werden :-/

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  9. @m106

    Das kann natürlich gut sein, dass die HSH die griechischen Schiffe finanziert hat.

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  10. @nicola:

    Gegen die Schweiz hätte ich nichts. Und gegen Norwegen auch nicht (die haben wegen des Nordsee-Öls richtig viel Geld). Und Skandinavien kann ruhig auch kommen.
    Großbritannien ist allein schon aufgrund der Größe eine andere Nummer ...

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  11. Ich möchte noch kurz eine HSH-Meldung aus dem Mai des Jahres 2007 zitieren, dass die Dimensionen etwas klarer macht:

    "- Griechenland wichtigster Auslandsmarkt im Schifffahrtsgeschäft der HSH Nordbank
    - Zweitgrößter Schiffsfinanzierer vor Ort, Marktanteil bei rund 10 Prozent
    - Geschäftsvolumen mit griechischen Schifffahrtskunden im ersten Quartal um 35 % auf 3,8 Mrd. Euro gestiegen"

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  12. Schweden sammeln Care-Pakete für Lettland.

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  13. @anonym:

    Hast du dazu eine Quelle? Einen kurzen Hinweis ist die Story bestimmt wert.

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