Kuwait steigt mit 37% Rendite bei Citigroup aus - HÄH?

Tschuldigung für die Überschrift, aber ich will eine Antwort auf die Frage haben. Es ist ja einer er Gründe, warum ich hier rumblogge. Denn inzwischen habe ich eine ganze Reihe Leser, die in bestimmten Dingen echt Plan haben und wenn ich dann mal über Nachrichten stolpere, erklären die mir tatsächlich die Welt. Das ist doch schön! Aber zum Thema:

Die Nachricht ging ja überall herum, ich habe aber ehrlich gesagt nicht mehr gelesen als die Überschrift. matsch stellte sich (und mir) die Frage, wie wohl die Daten bei der Story zusammenpassen. Also die Fakten: Kuwait hat Ende 2007 einen Anteil an der damals schon strauchelnden US-Großbank Citigroup gekauft. Vorgestern wurde der Anteil wieder verkauft. Die Rendite dabei: 37%.

Focus: Kuwait macht Kasse

Das Problem: Der Chart:


Die Aktie hat sich fast gezehntelt (links ist das Kaufdatum).

OK, Kuwait hat damals Vorzugsaktien gekauft. Aber zu einem Zehntel des Kurses? Oder zu 20% Zinsen?

Update (18:46):

Die Nachricht aus dem Januar 2008 hilft auch nicht weiter ...
Marketwatch: Citigroup Prices Preferred Stock Offerings

Update (18:58):

Noch etwas mehr Details:

To protect against downside if Citi’s share price falls further, the securities yield an annual coupon of 7 per cent, payable quarterly.
To participate on the upside, GIC may convert the securities at any time, although it must do so at a 20 per cent premium above a reference price. This will be set based on the average trading price of Citi shares over the next few days.

The securities have a perpetual maturity, which means they do not expire; however, Citi can call the securities – pay back the money – after the seventh year. Citi may also force conversion after five years, if its stock price exceeds 130 per cent of the reference price.
SG Property Press: GIC buys a slice of embattled Citigroup

Das ist immer noch äußerst mysteriös. Der Bezugspreis für die normalen Aktien muss irgendwo in der Größenordnung von 25 bis 30 Dollar gelegen haben. Der Zins beträgt nur 7%. Der aktuelle Aktienkurs 3 Dollar und ein paar Zerquetschte. Wie sollen dabei 37% Rendite entstehen?


Update (19:08):

Ah, Egghat Holmes hat das Rätsel gelöst. Es gab zwischendurch noch eine Transaktion. Und zwar wurde im Februar 2009 das knapp 7 Mrd. Dollar schwere Investment von Singapur und Kuwait in Aktien umgetauscht. Der Umtauschkurs wurde auf 3,25 Dollar je normaler Aktie festgesetzt. Bei einem Aktienkurs von knapp gut 4 Dollar (vor der Nachricht) und etwas über einem Jahr an Zinszahlungen (Jan/08 bis Feb/09) kommt die Rendite von 37% also hin.
In February, GIC agreed to exchange its US$6.88 billion worth of preferred shares in Citi into common shares at US$3.25 each, or about 2.12 billion common shares in total, as part of a sweeping recapitalisation plan by Citi to boost the proportion of common equity in its capital buffer.
Business Times: Citi fundraising could dilute GIC's stake

Danke an die internationale Presse, die in diesem Fall kaum mehr berichtet hat als der Pressemitteilung zu entnehmen war ...

Also nochmal kurz zusammengefasst:

Januar 2008: Kauf der Vorzugsaktien im Wert von 6,88 Mrd. Dollar, Umtauschpreis in normale Aktien irgendwo bei 25 bis 30 Dollar, Zinssatz 7%.

Februar 2009: Umwandlung der Vorzugsaktien in richtige zu einem Umtauschpreis von 3,25. (Singapur verkauft übrigens die Hälfte des Citigroup-Anteils relativ schnell)

Dezember 2009: Kuwait verkauft seinen Anteil.

Update (20:18)

Da waren meine Leser schon fleissig auf der Suche und ich habe ihnen die Lösung weggeschnappt. OK, passiert beim nächsten Mal nicht mehr ... Da lasse ich die Frage dann offen, selbst wenn es mich brennend interessiert.

Ich kann aber dank der Recherche noch zwei Informationen nachreichen:

Closing Price für den Verkauf der kuwaitischen Citigroup-Atien: 4,06.

Und weil mein Leser matsch danach gefragt hatte: Wieso hat Kuwait eine positive Rendite und Abu Dhabi, die nur etwa 2 Monate früher eingestiegen sind, verklagen jetzt die Citigroup? Es liegt schlicht und einfach daran, dass Kuwait das Umtauschgeschäft im Februar 2009 gemacht hat und Abu Dhabi nicht. Denn am Anfang waren beide Deals ziemlich ähnlich. Ob Abu Dhabi nicht wollte oder die Citigroup das nur Kuwait angeboten hat, weiss ich nicht. Aber dass sich Abu Dhabi darüber nicht gerade freut, kann ich nachvollziehen ... Die sitzen auf gut 80% Minus ...

Kuwait Bails on CitiGroup, but What Citigroup?

Kommentare :

  1. Boah, ich habe gerade das ganze Internet durchgegraben und war ganz stolz, dass ich es herausgefunden haben und dann...
    steht es schon da als Update........nein.....heul, schnief - nächtes mal bin ich schneller - bestimmt!

    AntwortenLöschen
  2. Hab es auch nicht rechtzeitig geschaftt, als ich es gefunden hatte, war der Update schon drin.

    Hier noch nachgetragen:

    Der Closing Price an der NYSE war $4.06:
    http://seekingalpha.com/instablog/98115-john-lounsbury/38625-kuwait-bails-on-citigroup-but-what-citigroup

    "KIA's original deal had a similar strike price - the 2Q09 preferred securities exchange allowed them to get the strike price reset to $3.25 per share."
    http://www.aqoul.com/archives/2009/12/kuwait_sale_of.php

    AntwortenLöschen
  3. Danke für Eure Mühe.

    Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich die Frage natürlich offen gelassen und mich um die Zahl des Tages gekümmert. Diese ist nämlich ganz schön wacklig heute, weil direkt gegenüber der Weihnachtsmarkt vom Krankenhaus ist und der Glühwein bis hier duftet ...

    AntwortenLöschen
  4. "Weihnachtsmarkt vom Krankenhaus"?

    "der Glühwein [...] duftet"

    Auf den Bermudas? ;-)

    AntwortenLöschen
  5. ... die Sache staerker von der Warte Abu Dhabis aus gesehen, wenn auch nicht voll zufriedenstellend:
    http://www.kuwaittimes.net/read_news.php?newsid=OTA2NTkxNDMy
    Gruss
    G. Schoenbauer

    @Egghat, noch ein Wort zu Deiner Bemerkung ueber die japanische Variante der Berechnung der Arbeitslosenquote, die ich gerade mitbekommen: "abenteuerlich", glaube ich, war Deine Einschaetzung, und so stellt es sich auch mir dar; bei schlichten Gegenueberstellungen also Vorsicht!

    AntwortenLöschen
  6. Danke für den Link. Der Artikel beantwortet die aus meiner Sicht entscheidende Frage aber nicht:

    Warum wurde Kuwait/Singapur der Umtausch-Deal angeboten (der die Konditionen MASSIV verbesserte) und Abu Dhabi nicht? (Es könnte natürlich auch sein, dass Abu Dhabi der Deal angeboten wurde, die aber abgelehnt haben oder zu hart verhandelt haben und dann Kuwait/Singapur den Zuschlag bekommen haben. Dann wäre Abu Dhabi aber selbst Schuld).

    AntwortenLöschen
  7. Ach so: Zu den Arbeitslosenzahlen: Es gibt ein vergleichsweise standardisiertes Verfahren (ILO) und es gibt auch vergleichbare Zahlen von der OECD. Diese sind zwar immer ziemlich alt (zwei bis drei Monate), aber es reicht aus um zu sehen, ob die offizielle Arbeitslosenquote des Landes eher zu hoch oder eher zu niedrig ausgewiesen wird.

    Ich wollte gerade den Link heraussuche, stelle beim Lesen des Kleingedruckten aber fest, dass die Arbeitslosenraten der USA und Japan von der OECD nicht (mehr?) überarbeitet werden. Die werden von der OECD also nur noch durchgeschliffen. Hmmm, dann kenne ich auch keine vergleichbaren Zahlen mehr.

    AntwortenLöschen
  8. Hi Egghat,
    also das haette mich jetzt ueberrascht, wenn die ILO oder die OECD fuer Japan (u. die USA) mit eigenen Arbeitslosenquoten aufwarten wuerden. Sie haetten diese ja selber erheben muessen, was ja mit einem betraechtl. Erhebungsaufwand verbunden ist, u. selbst dann waeren sie auf die Kooperation der jap. Arbeitsverwaltung angewiesen gewesen, die sich dadurch einen Haufen Arbeit aufgehalst haette und als Lohn dafuer ihr eigenes Verfahren entwertet haette.
    Gruss
    G. Schoenbauer

    AntwortenLöschen
  9. Wieso? Unmöglich ist das nicht. Der offizielle amerikanische Bericht weist ziemlich viel aus und intern haben die noch mehr Daten. Zum Beispiel dürften alle Statistikbehörden die Daten nach Anzahl der Arbeitsstunden gruppiert haben. Wenn man also in Japan ab einer Stunde Arbeit pro Monat als nicht mehr arbeitslos gilt und das nach ILO erst ab 10 Stunden so wäre, hat die japanische Statistikbehörde ziemlich garantiert die Zahlen dafür ...

    Und eine Gefahr für die lokalen Daten sehe ich nicht. Die OECD Zahlen kommen mit Monaten Verzögerung. Dann interessiert sich kein Mensch mehr dafür.

    Aber die Diskussion ist auch müssig. Es gibt die Zahlen ja eh nicht mehr ... Wobei es aber auch sein kann, dass sich die Erhebungsmethoden so weit angepasst haben, dass man nicht mehr vergleichen muss. OK, der letzte Satz ist in einem Anfall von Optimismus entstanden.

    AntwortenLöschen
  10. Der Knackpunkt zwischen "beachtlicher Rendite von +37%" - zumal in diesem Umfeld - und "desaströs" ist wohl der, dass Abu Dhabi sich schon von Anfang an die 'common stocks' ausgesucht hatte. Bis zur Wandlung, deren erste Tranche im März 2010 startet, bekommt Abu Dhabi 11% Verzinsung auf die 7,5 Mrd. Kuwait (und eine Reihe weiterer Investoren) haben sich im Januar 2008 am 12,5 Mrd-Paket neu begebener 'preferred stocks' beteiligt. Der Wust an zirkulierenden 'preferred stocks' bei der Citi ist kaum durchschaubar, offenbar handelt es sich um 'private' und nicht 'öffentliche' Plazierungen. Vgl. Seite 4 dieses pdf-Dokuments

    www.citigroup.jp/english/press_release/2009/20090227_02_en.pdf

    Die 'Preferred Stocks' sind offenkundig bei weitem nicht so stark unter Wasser gekommen wie die 'common stocks'. Als Anhaltspunkt hier mal der Kursverlauf der öffentlich begebenen CITIGROUP PFD SER AA (C-PP)

    http://finance.yahoo.com/echarts?s=C-PP#chart8:symbol=c-pp;range=5y;indicator=volume;charttype=line;crosshair=on;ohlcvalues=0;logscale=on;source=undefined

    Zum Zeitpunkt des Umtauschangebots von 'preferred' in 'common' (27. Februar 2009) notierten die Vorzugsaktien 7-8 mal so hoch wie die 'commons'.

    http://finance.yahoo.com/echarts?s=C#chart3:symbol=c;range=2y;indicator=volume;charttype=line;crosshair=on;ohlcvalues=0;logscale=on;source=undefined

    Um dem Rätsel um die wundersame Rendite des Kuwait-Staatsfonds auf die Spur zu kommen, müsste man eben wissen, wieviele 'preferreds' sie vorher hatten und gegen wieviele Stücke an 'commons' sie sie eintauschen konnten. Nimmt man an, Kuwait hätte im Januar 2008 für die 3 Mrd Dollar 120 Mio an 'preferred stocks' zu rund 25 USD das Stück bekommen, dann hätten sie nach der Umtauschaktion im Februar/März 2009 rund eine Milliarde an 'commons' bekommen. Das passt auch ziemlich gut mit dem jüngst gemeldeten Erlös von 4,1 Mrd zusammen. Die 3,25 USD Wandlungspreis finde ich was ich gerne zugebe irritierend, zumal ja die 'commons' zu diesem Zeitpunkt bei 1,50 USD und weniger notierten.

    Letztlich ist die höchst erstaunliche Rendite von Kuwait auf das gute Timing bezüglich des Verhältnisses von 'common stocks' zu 'preferred stocks' zurückzuführen. Im Januar 2008 bekam man für 1 'preferred' knapp 1 'common', im Februar/März 2009 war das Verhältnis ~ 1 zu 8. So ähnlich wie wenn jemand rechtzeitig von VW Stämmen in die VW Vorzüge gewechselt ist.

    AntwortenLöschen
  11. Hi Egghat,
    2 Ergaenzungen:
    1. Die bei der staatlichen Arbeitslosenversicherung gemeldeten Arbeitslosen sind nur ein Bruchteil derjenigen, die arbeitslos sind; wenn man also von dieser Institution Daten ueber die Arbeitslosigkeit insgesamt verlangte, die noch dazu mit den deutschen in etwa vergleichbar waeren, muesste der Erhebungsmodus geaendert werden, und das - so war`s auch oben gemeint - schiene mir etwas zu viel verlangt (von daher gibt es auch einen Sachzwang zugunsten der Haushaltsstichprobe).
    2. Arbeitslosenquoten sind ueberall pol. brisantes Zahlenwerk. Wenn die Zahlen nach der herkoemmlichen Methode schon nicht gut aussehen, weshalb soll man andere Methoden, andere Bemessungsgroessen usw. durchspielen, wenn das Ergebnis dann noch schlechter aussaehe. Wer die Diskussion um die Arbeitslosigkeit verschaerfen will, braucht sich nur dafuer stark zu machen, sie anders zu berechnen, was aber kein ernstzunehmender Politiker will. Das waere die Gefahr fuer die lokalen Daten, wenn sie nicht entwertet wuerden, wie oben behauptet, relativiert wuerden sie allemal, und auch das waere politisch nicht erwuenscht.
    Gruss u. schoenes Wochenende
    G. Schoenbauer

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore