Verlierer des Jahres 2009

Im letzten Jahr wurde es knapp vor Dick Fuld (Lehman) und Josef Ackermann (DeuBa) Georg Funke von der HypoRealEstate (Verlierer des Jahres 2008).

Auch dieses Jahr habe ich lange überlegt, wen ich denn küren sollte. Lange hatte ich vor, Wendelin Wiedeking zu wählen, der mit seinem waghalsigen Versuch mit der Klitsche Porsche den x-mal größeren Volkswagen Konzern zu übernehmen, am Ende so gescheitert ist, dass er sich von Volkswagen kaufen lassen musste. Was Wiedeking natürlich seinen Job gekostet hat. Aber das Geld, das er sich in den letzten Jahren verdient hat, darf er ja behalten.

Daher habe ich mich am Ende doch noch umentschieden. Und das, obwohl die Geschichte eigentlich die gleiche ist: Megaübernahme, die schnell ziemlich schief läuft und den gesamten Konzern in den Abgrund zu reißen droht.

Es geht um Maria-Elisabeth Schaeffler vom Schaeffler-Konzern, der schon 2001 auf Pump und feindlich, aber am Ende erfolgreich FAG-Kugelfischer kaufte und so einen zwar weithin unbekannten, aber trotzdem einen der wichtigsten Automobilzulieferer Deutschland schuf (knapp 9 Mrd. Euro Umsatz 2008). 2009 ging die geplante Übernahme der noch größeren Continental (24 Mrd. Euro Umsatz) aber fast schief. Das lag nicht zuletzt an der Tatsache, dass auch Conti durch die Übernahme von VDO (etwa 8 Mrd. Euro Umsatz) hochverschuldet war. Auch war der Übernahmepreis viel zu hoch. Als die Continental-Aktie wegen der Automobilkrise schon wieder unter 30 Euro gefallen war, musste Schaeffler für die Übernahme noch über 70 Euro pro Aktie bezahlen. Gerettet wurde der Verbund nur, weil er vom Staat mit Bürgschaftszusagen unterstützt wurde. Die Banken wollten (nachvollziehbarerweise) einen Kaufpreis von 70 Euro bei einem aktuellen Aktienkurs von weniger als 30 Euro nicht weiter auf Kredit finanzieren ...

Am Ende schaffte Schaeffler die Refinanzierung aber ohne den Staat, allerdings bekamen die Banken spürbaren Einfluss auf das Unternehmen. Insbesondere soll Schaeffler in eine kapitalmarkttaugliche Firma umgebaut werden, was am Ende bedeutet, dass die Banken Schaeffler gerne an die Börse bringen möchten.

Frau Schaeffler soll laut den einschlägigen Reichenlisten gegenüber der Vor-Conti-Zeit über 90% ihres Vermögens verloren haben (siehe Manager Magazin: Aldi-Brüder bleiben reichste Deutsche).

Aber warum mache ich Frau Schaeffler zu Verliererin des Jahres und nicht Wiedeking? Immerhin ist Wiedeking seinen Job los, Schaeffler hingegen hat ihre Firma noch. Weiss ich ehrlich gesagt auch nicht. Vielleicht war der Auftritt von Schaeffler im Pelz auf High-Society-Parties ausschlaggebend, während gleichzeitig um Staatshilfe gebettelt wurde (Sueddeutsche: Pelz und Staatsknete)? Vielleicht als Symptom des "Too-Big-To-Fail"? Vielleicht weil Wiedeking irgendwie mit Stil aus dem Job schied?
Hätte ich nicht vielleicht auch besser Margarete Schickedanz wählen sollen, die mit Arcandor wohl fast ihr gesamtes Vermögen durchgebracht hat? Vor allem weil sie zwischendurch völlig unglaubwürdige und peinliche "ich gehe auch zum Discounter"-Interviews gegeben hat (Sueddeutsche: Quelle-Erbin fürchtet sich vor Armut). Ich muss aber ehrlich gestehen, dass mir die Margarete fast schon leid tat auf so einem ähm Herrn wie Middelhoff reingefallen zu sein.
Oder hätte ich noch besser den Chef von Goldman Sachs Lloyd Blankfein, der seinen volkswirtschaftlich ach so wichtigen Job als "Gottes Werk" bezeichnet hat, wählen sollen? (Spiegel: "Banken verrichten Gottes Werk"). Durchgedreht und abgehoben genug ist er definitiv. Aber jemand, der "seine" Bank ohne (direkte) Staatshilfen durch die Krise gebracht hat, kann man schlecht zum Verlierer des Jahres küren.

Naja, die Auswahl war erneut groß und ich bin mir sicher, meine Leser hätten noch viele andere Ideen gehabt ... Vielleicht sollte ich daraus eine Umfrage für's nächste Jahr machen. Oder vielleicht sogar noch für dieses?

Update (23:59):

Der Spiegel hat eine andere Wahl, ein paar der üblichen Verdächtigen sind allerdings dabei ...

Spiegel: Das waren die Gewinner und Verlierer

Update (31.12):

Die FTD hat Schaeffler im Jahresrückblick aus einem etwas anderen Winkel beleuchtet:

FTD: Conti/Schaeffler - Gott schütze euch

Kommentare :

  1. Kein "Person" per se, aber eine Gruppe.

    "Der Sparer." Kein Zinsen und viel von euer Kaufkraft verloren mit hoeher Anlagegut von die grosse Finanzrette.

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  2. Muss Matt zustimmen! Der Sparer oder aber auch "Steuerzahler"

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  3. @Matt

    Stimme zu. Interessanter Vorschlag.

    @m106:

    Aber Steuerzahler ist doch normal. Das kann ich jedes Jahr nehmen ...

    Man hätte auch die "Wähler" nehmen können. Die haben wirtschaftliche Vernunft (oder Kompetenz), weniger Staat und mehr Klarheit (also keinen Stillstand durch Große Koalition) gewählt. Und es gab genau das Gegenteil ...

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  4. Man hätte als absolutes Gegenstück zum Time-Magazine auch Ben Bernanke nehmen können ...

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  5. Barack Obama klappt auch.

    Im Jahresanfang seiner 'approval rating' war hoeher als 70%. Jetzt ist es weniger als 50%. Kein Geld verloren, aber viel Politische Kapital.

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  6. Der Sparer (Gläubiger) ist nicht der Verlierer, sondern der Täter des Jahres.

    Daher Intimrasur

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