Zahl des Tages (08.12.09): 200.000.000.000

Große Zahl, ausnahmsweise mal eine positive.

Gestern hat das US-Finanzministerium die Verlustprognose für den Bankenbeteiligungsfonds TARP gesenkt. Das mit maximal 781 Milliarden Dollar ausgestattete Programm hat zum Höhepunkt der Krise den Banken Notkredite und teilweise auch Eigenkapital gewährt. Noch im Sommer rechnete das Finanzministerium mit Verlusten von 341 Milliarden Dollar aus diesem Programm. Da inzwischen aber fast alle Banken Kapitalerhöhungen durchgeführt und mit dem Erlösen die Kredite zurückgezahlt haben (von den großen fehlen die Citigroup und Wells Fargo noch; beide planen aber bereits am Ausstieg), wurde die Verlustprognose um mindestens


200.000.000.000 (200 Milliarden) Dollar

gesenkt.

Bei guter Marktentwicklung könnte es sogar noch besser laufen und der Gesamtschaden aus TARP unter 50 Mrd. Dollar fallen.

Das ist sicherlich eine sehr gute Nachricht, die sich aber mit den Erfahrungen z.B. aus Schweden deckt. Dort wurde als Antwort auf eine tiefe Krise der gesamte Bankensektor verstaatlicht. Bei der Summe, um die es ging, konnte einem schwindelig werden. Aber sobald die Bank der Staat war, erledigten sich die Refinanzierungsprobleme sofort und bestimmte Problemassets konnten die Banken einfach aussitzen. Am Ende belief sich der Schaden nur auf einen niedrigen einstelligen Prozentsatz des schwedischen BIPs.

Ich glaube nicht, dass die USA so glimpflich davonkommen. Dazu gibt es schlicht zu viele Assets schlechter Qualität, deren Basiswert (Immobilien) zu stark im Preis gefallen ist. Aber diese Assets sind ja auch noch nicht abgewickelt. Der TARP bezieht sich allein auf die Gelder für die Banken. Und denen geht es wieder gut. Für die neu gewonnene Stabilität der Banken sorgen umfangreiche Staatsgarantien und die durch TALF immer noch total aufgeblähte Bilanz der Fed, die bei mehr als 2,2 Billionen Dollar liegt. Und in der Bilanz der Fed schlummern die ganzen Papiere, die sonst keiner haben will. Vertrauenserweckend ist das nicht.

Es zeigt sich jetzt auch, dass das Vorgehen der Bankenrettung nicht wirklich clever war. Die Banken sind im wesentlichen über den Berg. Die Aktionäre und die Banker verdienen wieder bombig. Die Risiken liegen beim Staat. Eine faire Risiko-Rendite-Verteilung sieht IMHO anders aus ... Die Schweden haben es vorgemacht. Verstaatlichen, sanieren und dann wieder privatisieren. Oder wie Buiter es immer vorgeschlagen hat: Die Kreditgeber mit ins Boot nehmen. Wenn allein die unbesicherten Gläubiger einen Bruchteil ihres Geldes gegen Eigenkapital getauscht hätten, wären die meisten Bankbilanzen auf einen Schlag saniert gewesen. Warum der Staat die Gläubiger von *unbesicherten* Bankanleihen gerettet hat, ist mir weiterhin schleierhaft ... Nicht nur der Aktionär übernimmt ein Risiko, der Käufer von unbesicherten Anleihen ebenfalls ...

Tagesschau: US-Banken brauchen weniger Geld als befürchtet

Update (00:05)

Ach so, Obama hat natürlich schon Ideen, was er mit dem überraschenden Geldsegen machen möchte: Arbeitsplätze schaffen. Noch ein Konjunkturprogramm ...

Handelsblatt: USA könnten aus Banken-Rettungstopf schöpfen

 Calculated Risk: Treasury Forecasts Smaller Loss from TARP

WSJ: Estimated TARP Cost Is Cut by $200 Billion

Kommentare :

  1. Ob das gut ist, oder schlecht ist, wird die Zeit zeigen...

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  2. Naja, die Zahl ist auf jeden Fall gut. Die Frage ist, ob sie so gut bleibt ... Oder nicht doch noch ein paar Milliarden Miese wieder auftauchen ...

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