Zahl des Tages (09.12.09): 394.000

Es ist ja gerade Klimagipfel in Kopenhagen. Ein willkommener Anlass mal wieder über das EEG zu meckern ;-) Und direkt vorab: Es geht nicht darum, die Förderung abzuschaffen, sondern nur so weit zu senken, dass soviel Anlagen wie möglich gefördert werden. Aber eben nicht darum, der Fotovoltaikindustrie oder den Dachflächenbesitzern sichere und zu hohe Renditen zu schenken. Siehe dazu die alten Postings zum Thema Solarenergie.

Ich habe ja schon oft darüber geschrieben, dass die Kosten für die Solaranlagen viel stärker gefallen sind als die Einspeisevergütung. Der Bundesverband der Solarwirtschaft (BSW) hat errechnet, dass die Kosten für neue Solarmodule seit 2006 um 37% auf aktuell 3100 Euro gefallen sind, während die Einspeisevergütung um nur 25% gefallen ist.

Das führt natürlich zu satten Renditen für alle, die sich eine Solaranlage auf's Dach setzen können.

Börse Online hat zwei Beispielrechnungen veröffentlicht. Es geht um eine Solaranlage mit 5 kWp (Kilowatt Peak) mit Kosten von 3.330 Euro pro kWp und 4.625 Kilowatt Ertrag. Das Ehepaar hat 100.000 Euro Einkommen (und damit einen relativ hohen Steuersatz).
Im ersten Fall sind die 16.698 Euro komplett vorhanden. Dann errechnet sich eine Eigenkapitalrendite von 8,05% über die ersten 20 Jahre.
Im zweiten Fall sind nur 3.500 Euro vorhanden, der Rest wird über die KfW zu 4,5% finanziert. Selbst dann errechnet sich noch eine Rendite von 5,91%. (Siehe Update!)

Naja, wo sonst bekommt man risikolos eine solche Rendite? Und was machen alle, die noch eine Dachfläche haben? Klar, sie setzen sich eine Solaranlage auf's Dach. Und bezahlen müssen die Rechnung die anderen Stromkunden. Grandiose Umverteilung zu Gunsten der Dachbesitzer.

In Zahlen heisst das, dass bis Ende 2008 etwa 300.000 Solaranlagen auf Ein- und Zweifamilienhäusern in Deutschland installiert wurden. Allein 2009 werden wohl weitere 94.000 Solaranlagen installiert werden. Ende 2009 werden also


394.000

Dächer mit Fotovoltaikanlagen versehen sein.

Übrigens ist da noch jede Menge Luft - es gibt etwa 12 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser. Wenn die noch alle ein Fotovoltaikanlage bekommen, explodieren die Strompreise noch weiter ...

Da es so gar nicht meine Art ist, Postings ohne Quellen zu schreiben, bin ich froh, dass bei Telepolis heute Zahlen kamen, die in die gleich Richtung gingen. Dabei geht es zwar nicht um den Spezialbereich Dachflächen von Ein- und Zweifamilienhäusern, sondern um den ganzen Fotovoltaikmarkt in Deutschland.

Danach wurden schon 2008 die Prognosen für neu installierte Solaranlagen deutlich übertroffen. Bislang wurde von 1.250 MW neu installierter Leistung ausgegangen. Nach einer Umfrage des Fachmagazins Photon waren es in Wirklichkeit aber mindestens 1.933 MW. Das sind über 50% mehr als bisher gedacht. Für 2009 lag die Schätzung bei 1.300 MW, in den ersten drei Quartalen waren es aber schon 1.500 MW. Und das Schlussquartal ist immer das umsatzstärkste ...

Ich würde jetzt gerne diese Zahlen mal mit der Schätzung vergleichen, die das RWI gemacht hat. Und die die Solarstromverfechter sofort als Lobbyarbeit der Energiewirtschaft abgetan haben. Aber es ist jetzt zu spät, vielleicht hat ja jemand von Euch Lust, mal die Zahlen für 2008 und 2009 mit der Prognose abzugleichen.

Telepolis: Solarstromzubau größer als angenommen

P.S.: Die Photon-Umfrage macht noch etwas anderes klar: Unsere Politiker sind so unfähig, dass sie nicht einmal in der Lage sind, sich eine vernünftige Datenbasis zu schaffen, auf der man dann Entscheidungen treffen kann ... Siehe dazu auch meinen Vorschlag unter Zahl des Tages (24.08.09): 77.000.000.000

Update (28.12.09):

Börse Online hat in der nächsten Ausgabe auf einen Leserbrief reagiert und darauf hingewiesen, dass die Rendite im Beispiel mit der Fremdfinanzierung die Gesamtrendite ist. Wenn man (wie üblich) die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital berechnet, erreicht die Rendite etwa 18%.

Kommentare :

  1. >"Zahl des Tages (08.12.09): 394.000"
    Heute noch kein Türchen aufgemacht? :P

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  2. Kilowatt ist Einheit der Leistung, als Ertrag wird aber Energie abfallen, und die misst man in Kilowattstunden (kWh). Schlimmer wäre noch (und schon im Fernsehen erlebt und in der Zeitung gelesen) Kilowatt pro Stunde.

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  3. Bei den Renditeberechnungen wird natürlich davon ausgegangen, dass man darauf vertrauen kann, dass die Politik die Gesetze über 20 Jahre so belässt wie sie sind.

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  4. @alex:

    Korrigiert.

    @mylli:

    Ich habe das so übernommen ... Kam mir schon ziemlich spanisch vor, aber ich war mir sicher nicht, was die BÖ da gemeint haben könnte. Mir kam 4.625 zu wenig vor, aber wenn ich mir meinen Stromverbrauch überlegen, kann das doch gut hinkommen.

    @anonym:

    Die Einspeisevergütung ist für 20 Jahre garantiert. Das ist der Gag an dem ganzen Gesetz! (und auch der haken, denn selbst wenn wir jetzt für 2010 oder 2011 die Einspeisevergütung senken würden, müssten die überhöhten Vergütungen für die ganzen letzten Jahre weiter gezahlt werden. Die ersten Jahre tat das nicht weh, weil es um kleine Beträge ging. Jetzt aber geht es um richtige Beträge.

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  5. Na, da dürfen sich die Hausbesitzer in Wiesbaden erst recht freuen: In der hessischen Landeshauptstadt läuft jetzt die Solarkampagne "Sonne sucht Dach", da zahlen sie den ersten zehn Hausbesitzern noch Extraprämien.

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  6. @ egghat

    Ich hab mich an der Einheit gestoßen, nicht am Betrag. Im
    Jahr liefert die Anlage 4.625 kWh (KilowattSTUNDEN) Energie, und das klingt ganz plausibel. Bei 5 kW Maximalleistung und ungefähr 1850 Stunden, die im Jahr die Sonne halbwegs scheint (aber nicht immer im rechten Winkel auf die Anlage, deswegen nehmen wir einen Faktor 0.5 zur Korrektur an) können wir wie folgend rechnen:

    5 kWp * 1850h *0.5=4625 kWh

    Ich denke, die Rechnung war realitätsnäher als die der BayernLB zur Hypo-Alpe-Adria Bewertung 2007.... ;-)

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  7. @mylli:

    Ich hatte verstanden, dass du auf die KWh hinaus wolltest. Ich habe mich nur nicht getraut, die Korrektur zu machen, weil mir das nicht stimmig erschien. Richtig streng genommen fehlt ja noch ein Information: Es sind ja 4.625 KWh pro Jahr.

    kram kram, Artikel raussuch, der Artikel spricht von einem jährlichen Stromertrag pro KWp bei 925 Kilowatt. Bei einer Anlage mit 5 KWp habe ich daraus die 4.625 KW gemacht.

    Ich ergänz glaube ich mal das h, weil mir die Umrechnung stimmig zu sein scheint. Auch wenn ich die Umrechnung von KWp in KWh nicht verstehe ...

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  8. Stimmt, das mit dem pro Jahr ist eine wichtige Angabe, die ich implizit gelesen habe.

    Die Geschichte mit dem Wp und Wh ist nicht kompliziert. mylli fährt gerne mit dem Rad um den Wörthersee, welche Arbeit leistet er dabei?

    Im Sprint kann er maximal 400 Watt leisten (400Wp), aber als Dauerleistung kann er im Durchschnitt nur die Hälfte liefern. Insegesamt ist er 80 Stunden um den See gefahren.

    Nun die Rechnung, vorher noch eine Definition: Leistung = Arbeit pro Zeit.

    Also: Arbeit=Leistung mal Zeit.

    Aber welche Leistung nehmen wir? Nicht die theoretisch mögliche Spitzenleistung, sondern natürlich die im Durchschnitt mögliche Leistung

    Durschnittleistung: 400Wp*0.5=200W
    Arbeit: 200W*40h=8kWh

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  9. Die rechnung mit dem See verstehe ich. In der BÖ Rechnung fehlen aber die Stunden. Das kann ja nicht einfach mit allen Stunden des Jahres gerechnet werden (wäre ja 365 * 24 * KWp und dann viel zu viel).

    ?!?

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  10. Genau, die Sonne scheint nicht 24 Stunden am Tag, und auch nicht 365 Tage im Jahr. Und wenn sie scheint, dann auch nicht immer im optimalen Winkel auf die Kollektoren (nur dann gibt's bei klarer Atmosphäre die Peakleistung).

    BÖ hat anscheiend mit knapp 1000 Stunden Peak-Sonne oder 2000 Stunden Halb-Peak-Sonne gerechnet.

    Bei Windkraft wird sicher auch so ähnlich kalkuliert. So ein großes Windrad liefert ja auch nur 5MW Leistung, wenn der Wind optimal bläst und läuft nicht 24/7.

    Aber eigentlich eh wurscht für mich: In Kärnten ist die Sonne schon längst vom Himmel gefallen und ich muss jetzt mal die Bank wechseln.

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  11. @mylli:

    Der letzte Satz war mein bisheriger Lacher des Tages :)
    Darf man sich das nun als Kärtner BankRun vorstellen?

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  12. @ Simon

    Nein, einen richtigen Bankrun haben wir hier nicht. Viele glauben, dass ein Exempel statuiert wird, weil es keine rote oder schwarze Bank ist sondern die Kärntner-Orangen-Bank und dass in den nächsten Wochen die anderen Banken auch um Hilfspakete bitten werden.

    Ich selbst bin angezipft, weil die Hypo meine Filiale bei der Uni, wo ich arbeite und studiere, zugesperrt hat und mich auf eine teurere Kontostufe umgestellt hat.

    Außerdem hab ich ein paar Leute von der Hypo kennengelernt, die im Aktienhandel, Risikomanagemnet und ähnlichem sitzen, und was die von Statistik und Wirtschaft für eine Ahnung haben, ist teilweise echt erbärmlich. Wird aber bei den anderen Banken wohl so ähnlich sein.

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